Istanbul (26.09.–04.10.2026)
Vom 26. September bis 4. Oktober 2026 unternahm das Institut für Klassische Philologie eine Exkursion nach Istanbul. Unter dem Titel „Istanbul – Metropole über die Zeiten“ stand dabei eine Stadt im Mittelpunkt, in der sich unterschiedliche Epochen, Kulturen und Religionen auf einzigartige Weise überlagern. Die historische Entwicklung von Byzantion über Konstantinopel bis zum osmanischen und modernen Istanbul wurde dabei nicht als Abfolge voneinander getrennter Zeiten betrachtet, sondern als ein Prozess von Kontinuität, Wandel und gegenseitiger Überformung.
Ein erster Schwerpunkt lag auf der Topografie der antiken und byzantinischen Stadt. Entlang der ehemaligen Mese, der Haupt- und Triumphstraße Konstantinopels, wurden mit Hippodrom, Milion, Konstantinssäule, Theodosius-Forum und Valens-Aquädukt zentrale Zeugnisse der spätantiken Metropole erschlossen. Die Landmauer und das Goldene Tor machten zugleich die strategische Bedeutung der Stadt und ihre jahrhundertelange Funktion als Zentrum des Oströmischen Reiches anschaulich. Auch der Bosporus wurde nicht nur als landschaftliches Wahrzeichen, sondern als entscheidender geographischer und wirtschaftlicher Faktor in den Blick genommen. Auf einer Bootstour entlang der Meerenge wurde die besondere Lage Istanbuls zwischen Europa und Asien unmittelbar erfahrbar. Der Bosporus verbindet Europa und Asien sowie Marmarameer und Schwarzes Meer und prägte bereits die Entwicklung des antiken Byzantion als Handels- und Verkehrsknotenpunkt.
Ein weiterer Akzent lag auf dem Nebeneinander und der Transformation christlicher und islamischer Sakralarchitektur. Die Hagia Sophia und die Blaue Moschee boten die Möglichkeit, byzantinische und osmanische Architektur unmittelbar gegenüberzustellen und dabei auch Prozesse der Aneignung und Umdeutung zu verfolgen. Mit der Chora-Kirche, dem Tekfur-Palast sowie dem orthodoxen Patriarchat und der Georgskathedrale im Stadtteil Fener rückte darüber hinaus das spätbyzantinische und griechisch-orthodoxe Erbe Istanbuls in den Blick. Gerade hier wurde sichtbar, wie christlich-orthodoxe Traditionen über das Ende des Byzantinischen Reiches hinaus im osmanischen und neuzeitlichen Istanbul fortwirkten.
Die Exkursion führte zugleich in die osmanische Stadt- und Baugeschichte. An der Süleymaniye-Moschee ließ sich beispielhaft nachvollziehen, wie der Architekt Sinan die Auseinandersetzung mit der Hagia Sophia in eine eigenständige osmanische Architektur überführte. Die Moschee war dabei nicht nur Sakralbau, sondern Mittelpunkt einer weitläufigen Külliye mit religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Einrichtungen. Der Blick von der europäischen auf die asiatische Seite und vom Çamlıca-Hügel über die Metropole machte schließlich die besondere räumliche Situation Istanbuls unmittelbar erfahrbar: eine Stadt zwischen zwei Kontinenten, deren historische und moderne Stadtlandschaft sich aus der Distanz als vielschichtiges Nebeneinander unterschiedlicher Epochen zeigt.
Auch die Museen eröffneten unterschiedliche Zugänge zur Geschichte der Stadt. Das Archäologische Museum führte von den Zivilisationen des antiken Mittelmeerraums über die griechisch-römische Antike bis zu den byzantinischen Funden Istanbuls und machte dabei insbesondere die Bedeutung von Kunst und materiellen Hinterlassenschaften für Herrschaftsrepräsentation und historischen Wandel sichtbar. Dem stand mit dem „Museum der Unschuld“ Orhan Pamuks ein bewusst anderer Zugang gegenüber: Statt monumentaler Zeugnisse rückten hier Alltagsgegenstände, persönliche Erinnerungen und die Lebenswelt des Istanbuls der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. So spannte die Exkursion einen Bogen von der Monumentalität antiker und osmanischer Herrschaft bis zur Geschichte des alltäglichen Lebens in der modernen Metropole.
Den Abschluss bildete mit dem Topkapı-Palast ein besonders eindrücklicher Ort osmanischer Herrschaft. Das weitläufige Palastareal mit seinen Höfen, Gärten, Verwaltungs- und Repräsentationsräumen, Sammlungen und dem Harem vermittelte Einblicke in die politische und gesellschaftliche Ordnung des Osmanischen Reiches. Zugleich verweist die im Palastbezirk erhaltene Hagia Eirene auf die ältere christliche Geschichte des Ortes und macht damit noch einmal exemplarisch sichtbar, wie sich in Istanbul verschiedene historische Schichten unmittelbar überlagern.
Die Exkursion bot damit die Möglichkeit, Istanbul als „Metropole über die Zeiten“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfahren: als antike und spätantike Weltstadt, als Zentrum des Byzantinischen und Osmanischen Reiches, als Schnittstelle von Christentum und Islam, Europa und Asien sowie schließlich als moderne Metropole. Die unmittelbare Begegnung mit Bauwerken, Kunstwerken, archäologischen Funden und den Lebenswelten der Stadt ermöglichte es, historische Prozesse von Fortdauer und Wandel nicht nur theoretisch zu erschließen, sondern im Stadtraum selbst sichtbar und erfahrbar werden zu lassen.
Ein besonderer Dank gilt der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e. V., welche die Exkursion finanziell unterstützt hat.
Programm
Das hier wiedergegebene Programm entspricht der ursprünglichen Planung der Exkursion. Aufgrund organisatorischer Gegebenheiten kam es vor Ort zu einigen Änderungen im Ablauf.
| 26.09.2026 | Anreisetag |
| 27.09.2026 | Topografie Istanbuls I: Entlang der alten Hauptstraße Konstantinopels Vormittag: Spaziergang durch das Zentrum der antiken Stadt: Hippodrom | Antiochos- und Lausos-Palast | Milion | Konstantinssäule | Theodosius-Forum | Valens-Aquädukt Nachmittag: Festung Yedikule / Goldenes Tor | Landmauer Konstantinopels |
| 28.09.2026 | Topografie Istanbuls II: Der Bosporus Große Bosporus-Bootstour |
| 29.09.2026 | Wahrzeichen der Stadt zwischen Antike und osmanischer Zeit: Hagia Sophia und Blaue Moschee Vormittag: Hagia Sophia Nachmittag: Blaue Moschee |
| 30.09.2026 | Kirchen in Mittelalter und Neuzeit: Vom Chora-Kloster zum Patriarchat Vormittag: Chora-Kirche | Tekfur-Palast | Spaziergang zum Stadtteil Fener Nachmittag: Orthodoxes Patriarchat mit Georgskathedrale | „Eiserne Kirche“ St. Stefan |
| 01.10.2026 | Moscheen- und Städtebau durch die Epochen: Von Europa nach Asien Vormittag: Süleymaniye-Moschee | Rüstem-Pascha-Moschee | Fahrt auf die asiatische Seite nach Üsküdar Nachmittag: Şakirin-Moschee | Fahrt zum Çamlıca-Hügel |
| 02.10.2026 | Museen Istanbuls: Von der Archäologie der Antike zur Alltagsgeschichte der modernen Stadt Vormittag: Archäologisches Museum Istanbul Nachmittag: Masumiyet Müzesi | Spaziergang durch Beyoğlu zum Taksim-Platz |
| 03.10.2026 | Im osmanischen Machtzentrum: Im und um den Topkapı-Palast Vormittag: Topkapı-Palast Nachmittag: Kirche Hagia Eirene | Spaziergang durch den Gülhane-Park |
| 04.10.2026 | Abreisetag |
Exkursionsreader
In Vorbereitung auf die Exkursion wurde ein Reader erstellt, der neben Hintergrundtexten zur Geschichte und Topografie Istanbuls auch Informationen zu den wichtigsten besuchten Stätten, Kartenmaterial und organisatorische Hinweise zur Exkursion enthält. Der Reader ist hier abrufbar.