31.08.2026
Dr. Kapteina mit zwei Symposien beim Annual Meeting der Academy of Management
Vom 31. Juli bis zum 4. August 2026 hat Dr. Benedikt D. S. Kapteina, Postdoc an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Responsible Management, am Internationalen Hochschulinstitut (IHI) Zittau der TU Dresden, am 86. Annual Meeting der Academy of Management im Pennsylvania Convention Center in Philadelphia teilgenommen. Er war an zwei Symposien beteiligt, die beide am 3. August stattfanden: als Organisator und Moderator eines Panel Symposiums und als Mitorganisator und Vortragender eines Presenter Symposiums.
Bedeutung der Konferenz
Das Annual Meeting der Academy of Management ist mit über zehntausend Teilnehmenden und mehr als 2.500 Sessions die größte Zusammenkunft der Management- und Organisationsforschung weltweit. Symposien durchlaufen ein Begutachtungsverfahren und werden von einzelnen Divisions getragen; die Zahl und Zusammensetzung der tragenden Divisions zeigt an, wie breit ein Thema im Fach verankert ist. Beide Symposien wurden von jeweils drei Divisions getragen.
Panel Symposium: Democratic Backsliding as a Global Management Issue
Dr. Kapteina organisierte und moderierte das Panel Symposium „Democratic Backsliding as a Global Management Issue“, getragen von den Divisions Social Issues in Management, Strategy sowie Organization and Management Theory. Das Symposium behandelt Bedrohungen demokratischer Institutionen nicht als politisches Randthema, sondern als Bedingung des Organisierens selbst. Es unterscheidet zwei Dimensionen: Demokratie als institutionelle Umwelt, die Rechenschaft, Rechtssicherheit und Marktkoordination strukturiert, und Demokratie als organisational vermittelte Ordnung, die in Unternehmen durch Governance, Autoritätsverhältnisse, Plattformarchitekturen und politische Praktiken hervorgebracht wird.
Der Tagungsort war dabei mehr als Kulisse: Der Einreichungstext verweist ausdrücklich auf Philadelphia als historischen Ort der Entstehung konstitutioneller Demokratie in republikanischer Form und behandelt Demokratie entsprechend nicht als erreichten Zustand, sondern als historisch umkämpfte organisationale Bedingung.
Drei Fragen strukturierten die Diskussion: unter welchen Bedingungen unternehmerisches Engagement demokratische Kapazitäten stabilisiert statt verzerrt; wie Organisationsstrukturen, Governance-Arrangements und Machtasymmetrien Verantwortung unter Bedingungen demokratischer Erosion prägen; und wo die normativen und praktischen Grenzen legitimer Beteiligung von Unternehmen an demokratischen Prozessen verlaufen. Das Format war dialogisch angelegt, mit kurzen Statements der Panelistinnen und Panelisten, einer moderierten Diskussion, die Spannungen zwischen den Positionen sichtbar machen sollte, und einer offenen Diskussion mit dem Publikum.
Auf dem Podium: Amy J. Hillman (Arizona State University) zu Corporate Political Activity und zur strategischen Wahl zwischen Stimme, Schweigen, Koalition und Rückzug; Renate E. Meyer (WU Wien) zu organisationaler Fragmentierung und zur Frage, wie polyzentrische Governance die Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln untergräbt; Andreas Georg Scherer (Universität Zürich) zu digitalen Plattformen als politischen Akteuren und zu ihrer Verantwortung für die deliberativen Kapazitäten der Öffentlichkeit; Eric W. Orts (Wharton School) zu unternehmerischer Autorität als eigener Form sozialer und politischer Macht; und Thomas P. Lyon (University of Michigan) zu Corporate Political Responsibility im Umfeld großer gesellschaftlicher Herausforderungen, insbesondere Klimapolitik.
Presenter Symposium: Democratic Organizing and Pragmatist Practices of Responsibility
Gemeinsam mit David A. Jarrett (Henry W. Bloch School of Management, University of Missouri-Kansas City) organisierte Dr. Kapteina zudem das Presenter Symposium „Democratic Organizing and Pragmatist Practices of Responsibility“, getragen von den Divisions Critical Management Studies, Organization and Management Theory und Social Issues in Management. Das Symposium fragt, wie demokratisches Organisieren erforscht werden kann, und stützt sich dabei auf den klassischen amerikanischen Pragmatismus in der Tradition von Dewey, James, Mead und Follett. Vier Beiträge verbanden ontologische Grundlagenfragen alternativen Organisierens, ein historisches Fallbeispiel selbstverwalteter Arbeit, eine Kritik des evidenzbasierten Managements und die Frage nach den Grenzen unternehmerischer Beteiligung an demokratischen Prozessen.
Dr. Kapteina präsentierte dort das gemeinsam mit Iwan Alijew (Universität St. Gallen) verfasste Papier „Drawing the Line: Democratic Orientation in Corporate Electoral Engagement“, das Unternehmensinterventionen rund um die Europawahl 2019 auswertet und den Begriff der demokratischen Orientierung mit den Dimensionen Wirkung, Reflexion, Öffentlichkeit und Neutralität entwickelt. Als Discussant wirkte Christopher Gohl (Weltethos-Institut, Universität Tübingen) mit, der zur pragmatistischen Wirtschaftsethik und zur lernenden Demokratie forscht.
Auch dieses Symposium war auf neunzig Minuten angelegt: vier Präsentationen von je zwölf Minuten, anschließend die Kommentierung durch den Discussant und eine Gruppendiskussion in zwei Runden, die zunächst die Beiträge und danach die zugrunde liegenden ontologischen und erkenntnistheoretischen Fragen behandelte. Das Format spiegelte damit den Gegenstand: Die Diskussion über demokratisches Organisieren wurde selbst als beteiligungsoffenes Verfahren angelegt.
Was die Forschung dazu zeigt
Dr. Kapteina untersucht, wie Unternehmen politisch handeln, wenn demokratische Institutionen unter Druck geraten, und wann dieses Handeln wirkt. Unter dem Begriff Corporate Democratic Action werden die Bedingungen gebündelt, unter denen Unternehmen als demokratische Akteure handeln: Entscheidend ist weniger die Sichtbarkeit eines Bekenntnisses als seine Verankerung in Strukturen, Zuständigkeiten und Routinen. Frühere Zwischenstände dieser Arbeit erschienen in den Academy of Management Proceedings 2024 und 2025.
Bearbeitet wird dieses Feld an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Responsible Management am IHI Zittau der TU Dresden im Team, unter anderem gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Scholz und PD Dr. Eckhard Burkatzki.