22.06.2026
Isi-Care EMG-Manschette auf dem Innovationstag Mittelstand 2026 vorgestellt
Dr. Martin Heise (FILK) und Andreas Heinke (IBMT) präsentieren die Isi-Care EMG-Manschette
iSi-Care auf dem Innovationstag Mittelstand 2026 in Berlin
Der Innovationstag Mittelstand 2026 am 11. Juni auf dem Freigelände der AiF Projekt GmbH in Berlin-Pankow machte Technologieinnovation erlebbar. Rund 300 Ausstellerinnen und Aussteller präsentierten dort zukunftsweisende Forschungs- und Entwicklungsprojekte und zeigten, wie vielfältig anwendungsnahe Innovationen aus der Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen entstehen können.
Mit dabei war auch das IGF-Projekt iSi-Care, ein Verbundprojekt vom FILK Freiberg Institute gGmbH und dem Institut für Biomedizinische Technik der TU Dresden. Andreas Heinke (IBMT) und Dr. Martin Heise (FILK) stellten das Projekt vor und gaben Einblicke in die Entwicklung des 3D-Druckprozesses und der signalverarbeitenden KI für die EMG-Manschette zur Diagnostikunterstützung bei akuten Gelenkverletzungen.
Im Kern soll iSi-Care die medizin-diagnostisch hochinteressante aber sehr aufwendige Messung der elektrischen Muskelaktivität, die Elektromyographie, für die klinische Anwendung deutlich vereinfachen. Die zentrale Innovation ist ein frei skalierbares, hochdehnbares Elektroden-Array, das neuromuskuläre Aktivitätsmuster der gelenkumschließenden Muskulatur großflächig erfassen kann. Auf Basis elektromyographischer Signale können so perspektivisch funktionelle Auffälligkeiten, Kompensationsmuster oder muskuläre Aktivierungsunterschiede objektiver bewertet werden. Das Ziel ist eine technologische Grundlage für diagnostische Assistenzsysteme, die insbesondere bei akuten Knieverletzungen, in der Rehabilitation oder in der physiotherapeutischen Verlaufskontrolle eingesetzt werden kann.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts lag auf der Verbindung von flexiblen Materialien, tragbarer Elektronik und KI-basierter Signalauswertung. Im Rahmen der Arbeiten wurden unter anderem leitfähige Silikonmaterialien für dehnbare EMG-Elektroden untersucht, realistische Dehnungsanforderungen am Knie abgeleitet, Prüfstände für die reproduzierbare Charakterisierung flexibler Elektroden entwickelt und erste KI-Pipelines zur automatisierten Bewertung von EMG-Signalen umgesetzt. Damit liefert iSi-Care Ergebnisse für die konkrete medizinische Anwendung und darüber hinaus einen technologischen Baukasten für KMU aus Medizintechnik, Sensorik, Funktionsmaterialien, Wearables und smarter Textiltechnik.
Anziehungspunkt am Stand war die Live-Demonstration der EMG-Manschette. Mit freundlicher Unterstützung der Schubert & Braun Prothesenwerk GmbH stand dafür eine beeindruckend realistische Armprothese zur Verfügung, an der die Anwendung der Manschette anschaulich gezeigt werden konnte. Die Prothese wirkte mitunter fast schaurig echt und weckte schnell die Neugier vieler Besucherinnen und Besucher. Über den gesamten Tag hinweg zeigte die Live-Messung, dass die funktionalisierten Carbon-Silikon-Elektrodenflächen ganz ohne Elektrolytgel beste Signalqualität erreichen.
Nachhaltig in Erinnerung blieben vor allem die vielen Gespräche am Stand. Besucherinnen und Besucher aus unterschiedlichen Branchen interessierten sich dafür, wie sich mit gedruckter, hochflexibler Elektronik elektrische Phänomene in ihren jeweiligen Anwendungsfeldern erfassen lassen. Diskutiert wurden dabei unter anderem die Messung muskulärer Aktivität beim nächtlichen Zähneknirschen, die Erfassung von Steuersignalen für Arm- und Beinprothesen, Anwendungen der Elektrostimulation sowie die Integration zusätzlicher Drucksensoren.
Gerade deshalb war der Innovationstag Mittelstand für das Projektteam eine wertvolle Gelegenheit, Forschung über die eigene Fachcommunity hinaus sichtbar zu machen. Der direkte Austausch mit Unternehmen, Forschungspartnern, Projektträgern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Ministerien und Politik zeigte, welche Wirkung geförderte Forschung entfalten kann, wenn sie anwendungsnah gedacht und frühzeitig mit möglichen Anwendern diskutiert wird.
Das Team von iSi-Care bedankt sich für die freundliche Einladung des DLR Projektträgers und der AiF Projekt GmbH, welche die Möglichkeit bot, Projektergebnisse öffentlichkeitswirksam vorzustellen, neue Impulse aufzunehmen und Anknüpfungspunkte für zukünftige Transferprojekte sichtbar zu machen.
Das IGF-Vorhaben 22708 BR „iSi-Care“ der Forschungsvereinigung „FILK Freiberg Institute gGmbH, Meißner Ring 1–5, 09599 Freiberg“ wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der „Industriellen Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF)“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Wir bedanken uns für die gewährte Unterstützung.