CADEXA
Mit dem ZIM-Kooperationsprojekt CADEXA – CAD Data Extraction and Automation Agent startet ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungsprojekt der agitum GmbH und des CIMTT Zentrum für Produktionstechnik und Organisation an der TU Dresden. Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines KI-basierten Automation Agents, der technische Zeichnungen intelligent auswertet, relevante Informationen strukturiert bereitstellt, in bestehende ERP- und PDM-Systeme überführt und Nutzenden über eine dialogfähige Schnittstelle zugänglich macht.
Der Projekt-Kick-off fand am 02.04.2026 statt. Damit wurde der gemeinsame Arbeitsprozess zwischen den Projektpartnern offiziell aufgenommen. CADEXA ist als ZIM-Kooperationsprojekt angelegt und verbindet technologische Entwicklungskompetenz mit arbeitswissenschaftlicher Forschung zur menschzentrierten Gestaltung digitaler Assistenzsysteme. Weitere Informationen, Updates und Projektinhalte erfahren Sie auf unserer offiziellen Projektwebsite: CADEXA
Ausgangssituation
In industriellen Unternehmen, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, stellen technische Zeichnungen eine zentrale Informationsquelle dar. Sie enthalten Maße, Toleranzen, Materialangaben, Stücklisteninformationen, Symbole und weitere technische Merkmale, die für nachgelagerte Prozesse in Konstruktion, Fertigungsplanung, Einkauf, Dokumentation oder Logistik relevant sind.
In der betrieblichen Praxis werden diese Informationen jedoch häufig noch manuell geprüft, übertragen und in ERP- oder PDM-Systemen nachgeführt. Dadurch entstehen Medienbrüche zwischen CAD-Dokumenten, produktionsnahen Datenbeständen und betriebswirtschaftlichen Systemen. Diese manuellen Tätigkeiten binden Fachkräfte, erhöhen die Fehleranfälligkeit und erschweren eine durchgängige digitale Informationsverarbeitung.
Gleichzeitig steigt die Komplexität technischer Dokumentations- und Informationsflüsse. CAD-Zeichnungen unterscheiden sich je nach Unternehmen, Konstruktionsweise, Softwareumgebung und individuellen Konventionen erheblich. Standardisierte Lösungen stoßen hier schnell an Grenzen. Es reicht daher nicht aus, technische Informationen lediglich automatisiert zu extrahieren. Sie müssen auch in einer Form bereitgestellt werden, die zur jeweiligen Nutzungssituation passt.
Zielstellung des Projekts
CADEXA verfolgt das Ziel, einen adaptiven Automation Agent zu entwickeln, der technische Zeichnungen multimodal analysiert und relevante Inhalte in strukturierte Datenformate überführt. Diese Informationen sollen anschließend automatisiert in bestehende ERP- und PDM-Systeme übertragen oder für weiterführende Abfragen nutzbar gemacht werden.
Der geplante Automation Agent verbindet drei zentrale Entwicklungsbausteine:
Erstens wird ein KI-gestütztes Extraktionsmodul entwickelt, das textuelle und visuelle Inhalte technischer Zeichnungen erkennt. Dazu gehören unter anderem Maße, Tabellen, Symbole, Materialinformationen und weitere zeichnungsbezogene Angaben.
Zweitens erfolgt die systemübergreifende Integration der extrahierten Informationen. Da insbesondere kleine und mittlere Unternehmen häufig mit heterogenen IT-Landschaften arbeiten und nicht immer über standardisierte Schnittstellen verfügen, werden RPA-basierte Automatisierungslösungen für die Übertragung in ERP- und PDM-Systeme berücksichtigt.
Drittens wird eine dialogfähige Benutzerschnittstelle entwickelt, über die Nutzende Informationen in natürlicher Sprache abfragen können. So soll beispielsweise geprüft werden können, ob ein Bauteil bereits im Zielsystem angelegt wurde oder welche technischen Merkmale aus einer Zeichnung extrahiert wurden.
Beitrag des CIMTT
Das CIMTT bringt in CADEXA seine arbeitswissenschaftliche Expertise in die Entwicklung einer kontextsensitiven Informationsbereitstellung ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie technische Informationen so aufbereitet und ausgegeben werden können, dass sie im konkreten Arbeitsprozess relevant, verständlich und handlungsunterstützend sind.
Dabei wird Kontext nicht als einzelne Einflussgröße verstanden. Vielmehr wird ein Kontextmodell entwickelt, das beschreibt, wie sich aus dem Zusammenspiel von Person, Aufgabe und Situation die Relevanz von Information ergibt. Für die Informationsbereitstellung ist beispielsweise entscheidend, ob eine Person aus der Konstruktion, der Fertigungsplanung oder dem Einkauf mit dem System arbeitet, welche Aufgabe gerade bearbeitet wird und unter welchen situativen Bedingungen die Nutzung erfolgt.
Eine technische Zeichnung enthält für unterschiedliche Personen und Arbeitsschritte unterschiedliche relevante Informationen. Während in der Konstruktion Detailmaße, Toleranzen und Änderungsinformationen im Vordergrund stehen können, sind für Einkauf oder Angebotsprozesse eher Materialangaben, Kostenindikatoren oder Lieferrelevanzen von Bedeutung. Unter Zeitdruck kann zudem eine reduzierte, priorisierte Darstellung sinnvoll sein, während in einer ausführlichen technischen Prüfung eine tiefere Informationsdarstellung erforderlich ist.
Das CIMTT entwickelt hierfür arbeitswissenschaftlich fundierte Konzepte zur Kontextmodellierung, zur Situationsklassifikation sowie zur adaptiven Informationsausgabe. Ziel ist eine Ausgabe-Logik, die technische Informationen nicht statisch darstellt, sondern in Abhängigkeit vom Nutzungskontext priorisiert, reduziert, hervorhebt oder dialogisch verfügbar macht. Darüber hinaus ist eine nutzerzentrierte Evaluation vorgesehen, um die Praxistauglichkeit, Verständlichkeit und Unterstützungswirkung der entwickelten Lösung zu prüfen.
Zusammenarbeit der Projektpartner
Die Projektpartner bringen komplementäre Kompetenzen in das Vorhaben ein. Die agitum GmbH übernimmt die technologische Entwicklung der KI-gestützten Informationsextraktion, der RPA-basierten Integration sowie der prototypischen Systemarchitektur. Das CIMTT ergänzt diese technische Entwicklung durch die arbeitswissenschaftliche Perspektive auf Nutzung, Kontext, Informationsrelevanz und menschzentrierte Systemgestaltung.
Gerade diese Verbindung ist für CADEXA zentral. Ein technisch funktionierendes System ist noch kein wirksames Assistenzsystem. Erst wenn Informationen im Arbeitsprozess sinnvoll bereitgestellt, verstanden und genutzt werden können, entsteht ein tatsächlicher Mehrwert für Unternehmen und Beschäftigte. CADEXA adressiert daher nicht nur die Automatisierung technischer Datenflüsse, sondern auch die Frage, wie digitale Assistenzsysteme in realen industriellen Arbeitskontexten menschzentriert gestaltet werden können.
Bedeutung für den industriellen Mittelstand
CADEXA richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen, die technische Dokumentations- und Informationsprozesse effizienter gestalten möchten. Durch die automatisierte Extraktion und strukturierte Weitergabe technischer Zeichnungsinformationen sollen manuelle Übertragungsaufwände reduziert, Datenqualität verbessert und Folgeprozesse beschleunigt werden.
Darüber hinaus kann die kontextsensitive Bereitstellung technischer Informationen dazu beitragen, Beschäftigte gezielt zu entlasten. Relevante Informationen sollen schneller auffindbar, verständlicher aufbereitet und besser an konkrete Aufgaben angepasst werden. Damit unterstützt CADEXA nicht nur die Digitalisierung technischer Prozesse, sondern auch die menschengerechte Gestaltung KI-gestützter Arbeitssysteme.
Für das CIMTT knüpft das Projekt an bestehende Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Wissensmanagement, Arbeitsgestaltung, Digitalisierung, KI-Anwendungen und Transfer in kleine und mittlere Unternehmen an. CADEXA bietet zugleich einen konkreten Anwendungsfall, um arbeitswissenschaftliche Forschung zur kontextsensitiven Informationsbereitstellung in industriellen Produktions- und Entwicklungsprozessen weiterzuentwickeln.
Förderung
CADEXA wird als Kooperationsprojekt im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) umgesetzt. Das Projekt verbindet die Entwicklung innovativer KI- und Automatisierungstechnologien mit arbeitswissenschaftlicher Forschung zur kontextsensitiven und menschzentrierten Gestaltung digitaler Assistenzsysteme.