13.04.2026
Nachruf Prof. Dr.-Ing. habil. Gottfried Meltzer
Die Fakultät Maschinenwesen verabschiedet sich von Prof. Dr.-Ing. habil. Gottfried Meltzer als Kollegen, Weggefährten und Freund. Er verstarb Anfang März 2026.
Prof. Meltzer war von 1993 bis 2001 Inhaber der Professur für Technische Diagnostik am Institut für Energiemaschinen und Maschinenlabor der TU Dresden. Mit großer Energie und Leidenschaft hat sich Prof. Meltzer dem Aufbau dieser neugegründeten Professur gewidmet, wobei ihm seine reiche Erfahrung und Kenntnis als Forscher an der Akademie der Wissenschaften zugute kam.
Vom 14. - 15. März 1996 fand in Dresden das IV. Kolloquium für Technische Diagnostik mit 142 Teilnehmern aus neun Ländern statt, dessen Vorbereitung und wissenschaftliche Leitung vollständig in den Händen von Prof. Meltzer lag. In seinem Plenarvortrag hat Prof. Meltzer auf dieser Tagung seine Professur vorgestellt, Ziele und Wege für Lehre und Forschung formuliert: Diagnosemethoden- und Strategien, die sich bei der Fehlerfrüherkennung, Diagnose und zustandsbezogenen Instandhaltung von Maschinen, Anlagen und Strukturen bewährt hatten, sollten als eigenes Lehr- und Forschungsgebiet dargestellt und weiterentwickelt werden.
Diese Absicht spiegelte sich auch in den Lehrinhalten seiner Professur wider. Die zentrale Vorlesung „Einführung in die Technische Diagnostik“, konzipiert, ausgearbeitet und gehalten von Prof. Meltzer selbst, wurde durch eine Reihe von Laborpraktika zur Maschinendiagnostik, vibroakustischen Maschinendiagnostik, Schwingungsdiagnostik und Messtechnik der Maschinendynamik begleitet. Spezielle Untersuchungen an einem Versuchsstand zur Getriebediagnostik als auch Übungen am Forschungsreaktor der TU bereicherten das praktische Angebot.
Auch über den universitären Bereich hinaus war Prof. Meltzer bei der Wissensvermittlung zur Technischen Diagnostik aktiv: So wurden unter seiner Regie und Mitwirkung in regelmäßigen Abständen Vortragsreihen im Rahmen von VDI-Weiterbildungsveranstaltungen in Düsseldorf und Stuttgart abgehalten. Ein weiteres Beispiel war das Tempus-Phare-Projekt der EU (um 1998 – 2000), wo Prof. Meltzer mit den Seefahrthochschulen Szczecin, Rostock, Barcelona und Firmen, wie Chris-Marin kooperiert hatte. Ziel war die Modernisierung der Ingenieurausbildung für Schiffsbetriebstechnik, vor allem Instandhaltung und Diagnostik. Prof. Meltzer hat dafür die Vorlesung „Einführung in die Technische Diagnostik“ komplett neu konzipiert, einschließlich der Laborpraktika. Dies ging ein in Lehrpläne und in die Praxis, vor allem in Osteuropa.
Schließlich ist hier noch sein Aufenthalt an der TU Hanoi im Oktober 2003 zu nennen. Prof. Meltzer gab da im Rahmen einer Kurzzeitdozentur einen Kurs „Maschinendiagnostik“ in 24 Doppelstunden vor 95 vietnamesischen Studenten, begleitet von 3 Praktika.
In der Forschung war Prof. Meltzer besonders an praktischen Anwendungen interessiert, wie Schwingungsdiagnostik an rotierenden Maschinen, vibroakustische Methoden, Messung von Maschinenkräften und dynamischen Belastungen, Schwingungs- und Körperschallabwehr bei Maschinenaufstellungen. Häufig realisierte er diese Aufgaben mit seinem Team über eingeworbene Drittmittel.
Menschlich war Prof. Meltzer seinen Mitarbeitern sehr zugewandt. In den regelmäßigen Arbeitsbesprechungen als auch sonst war er immer offen für Fragen, gab gerne Anregungen und Ratschläge. Auf Betriebsausflügen, vor allem in sein geliebtes Erzgebirge, aber auch z.B. nach Tschechien, festigte sich der persönliche Kontakt in seinem Team. Seine ehemaligen Mitarbeiter erinnern sich noch gern daran, wie sie Prof. Meltzer und seine Gattin als herzliche Gastgeber auf seiner kleinen Berghütte in Lauenstein erleben durften.
Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen, denen wir viel Kraft in dieser schweren Zeit wünschen. Wir werden sein ehrendes Angedenken in Dankbarkeit bewahren.