Was ist Flugregelung?
Faszination Flugregelung
- Gezielte Manipulation technischer Systeme zum gewünschten Verhalten
- Detaillierte Einblicke in Aufbau und Funktionsweise des Gesamtsystems
- Vielseitige Tätigkeiten von Software-Entwicklung bis Hardware-Integration
- Angewandte Mathematik mit direkten Ergebnissen
Flugregelung an einem Beispiel
Für die Auslegung eines Flugreglers hat man Kontakt mit vielen interessanten Fachdisziplinen, die einen gutes Verständnis über das Gesamtsystem vermitteln. Die verschiedenen Arbeitsschritte werden an einer erfolgreich abgeschlossenen Forschungstätigkeit beispielhaft illustriert.
1. Mission
UrbanCondor
Im UAV-Labor der Professur wurde der Urban Condor gebaut, einem Flieger mit knapp 2m Spannweite, einer Höchstgeschwindigkeit von 130km/h und eine Nutzlast bis zu 2kg. Das Ziel ist nun die Auslegung eines Autolanders, welcher ermöglicht, den Flieger ohne jeglichen Piloteninput völlig automatisiert landen zu lassen.
2. Modellierung
Der moderne Auslegungsprozess läuft vollständig Digital ab. Ein Modell des Gesamtproblems wird in Matlab/Simulink erstellt, dem industriellen Standard für Regelungstechnik in der Luft- und Raumfahrt. Realitätsnah wird die Aerodynamik der Flügel und Steuerklappen, Umgebungseinflüsse wie Wind und die Dynamik des Fliegers durch zuvor hergeleiteten Bewegungsgleichungen des Fliegers implementiert. Exakte Zahlenwerte, z.B. aerodynamische Koeffizienten, werden mittels Systemidentifizierung bestimmt, entweder mittels Experimenten im Windkanal der Professur oder durch Flugversuche.
3. Reglerauslegung
Block Diagramm Regelkreis
Die Auslegung eines Reglers ist die Herleitung eines mathematischen Gesetzes, was basierend auf dem Unterschied zwischen tatsächlichen Zustand (Istwert) und geplanter Landungstrajektorie (Sollwert) die Auslenkung der Steuerklappen (Regelsignale) berechnet, um den Flieger auf gewünschte Weise zu manipulieren. Bei der Auslegung wird die konkrete Dynamik des UrbanCondors berücksichtigt, um verschiedenste funktionale Anforderungen zu garantieren, beispielsweise Stabilität des geregelten Systems.
4. Robustheit
Ein Schwerpunkt der Professur ist die Robuste Regelung, wobei spezielle theoretische Ansätze und mathematische Methoden für die Reglerauslegung angewandt werden. Robustheit bedeutet, dass der Regler auch dann noch seine Aufgabe erfüllt, und nicht den Flieger in Gefahr bringt, wenn Störungen (z.B. Wind) auftreten oder das erstellte Modell vom tatsächlichen Flieger abweicht. Die Robustheit des Reglers wird durch nichtlinear Simulationskampagnen oder Probabilistische Methoden untersucht.
5. Flugtests
Am Ende möchte man den fertigen Regler natürlich in Aktion erleben. Das Regelgesetz wurde auf die Hardware des UrbanCondor aufgespielt und danach wurden von Mitarbeitern der Professur Flugtests durchgeführt. Die erfolgreiche Landung ist im Video zu sehen. Zur Erinnerung, der Flieger agiert komplett autonom ohne jeglichen Eingriff vom Piloten.