Sonderausstellungen
„Dieses ist das Bild der Welt, Die man für die beste hält“
Eine Ausstellungsreihe der Kustodie in Kooperation mit den Lehr- und Forschungssammlungen der TU Dresden
Kabinett, Galerie der Kustodie im Görges-Bau, TU Dresden
#3 Andrea Grützner: RASENSTÜCKE
In Kooperation mit dem Herbarium Dresdense und dem Botanischen Garten sowie mit Lehrobjekten aus der Forstzoologie und Forstwissenschaft
Eine Doppelausstellung mit dem Ausstellungsraum bautzner69 (16. April bis 13. Juni 2026)
27. März bis 27. Juni 2026
Als Albrecht Dürer 1503 sein Aquarell Das große Rasenstück schuf, richtete er den Blick auf das scheinbar Nebensächliche: ein Stück Wiese. In der präzisen Studie von Löwenzahn, Wegerich und verschiedenen Gräsern wird die profane Vegetation selbst zum Gegenstand konzentrierter Beobachtung. Unter den Pflanzen lässt sich auch das Gewöhnliche Knäuelgras (Dactylis glomerata) ausmachen, ein weit verbreitetes Wiesengras, das bis heute unsere Landschaften prägt.
An diese Tradition genauer Naturbeobachtung knüpft Andrea Grützner mit ihrer Schau Rasenstücke an. Basierend auf der ebenfalls ausgestellten Serie Arkadia (ab 2022), in der die Künstlerin Wiesenlandschaften mithilfe schillernder dichroitischer Folien in kaleidoskopische Bildräume verwandelt, richtet sich der Blick in Dactylis glomerata (2026) auf die Formvielfalt des gepressten Knäuelgrases. Ausgangspunkt sind dabei alle 79 Herbarbelege dieser Art aus dem Herbarium Dresdense, gesammelt zwischen 1796 und 2014. Grützner zeigt die digitalisierten Belege im gespiegelten Negativ: Halme, Rispen und Wurzeln leuchten als blaue, filigrane Strukturen aus dunklen Flächen hervor. Das Augenmerk fällt dabei auch auf die Montage der Belege mit Klebebändern. Hier seziert Grützner die Drucke und faltet die Streifen organisch in die Fläche. Die Installation erinnert zugleich an das frühe fotografische Verfahren der Cyanotypie sowie an eine Zeichensprache, ohne Hinweise auf Archivierungs- und Digitalisierungsprozesse auszusparen. Zwischen wissenschaftlichem Sammlungsobjekt, fotografischer Spur und zeichnerischer Struktur entsteht so ein offener Bildraum, in dem sich Naturbeobachtung, Sammlungsgut, menschliche Eingriffe und künstlerische Transformation überlagern.
Weitere Informationen und das Veranstaltungsprogramm finden Sie im Faltblatt.
Vom 16. April bis 13. Juni 2026 präsentiert der Dresdner Ausstellungsraum bautzner69 den Werkkomplex Erbgericht von Andrea Grützner. Hier steht ein Ort gesellschaftlicher Erinnerung und Transformation im Zentrum. In beiden Präsentationen wird Fotografie zum experimentellen Medium, das Prozesse des Wandels sichtbar macht.