Mar 01, 2024
From innovations and inspirations: Research at the intersection of science and society
Our podcast series YOU ASK we explain - Berührungsängste in der Medizin was launched in 2023 and is published monthly. In our 15th episode, we discussed the topic as part of the SPIN2030 science festival: Of innovations and inspirations: Research at the intersection of science and society
We wanted to discuss with you and answer your questions. Is science and society one-sided or how do citizens help shape it? What impact can sharing knowledge have? How can science and research be freely accessible? How does a good transfer of knowledge succeed and what impact does science communication have on society?
Didn't have time to attend? No problem: simply listen to our podcast on the go - on Spotify, Apple Music, Deezer or here.
Stephan Wiegand: You ask We explain. Ein Podcast der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Tut aktive Sterbehilfe weh? Wie gehe ich damit um, wenn mein Kind auf Crystal ist? Wie fühlt sich überhaupt Sex im Alter an? Hier gibt es keine Tabus, nur Antworten. In Kooperation mit den Städtischen Bibliotheken Dresden und dem COSMO Wissenschaftsforum bieten wir verständliche Informationen zu den Fragen, die uns alle bewegen.
Florian Salomon: (...) Vielen Dank. Bei mir befindet sich heute Marit, eine Freundin aus dem Biologiestudium von mir. Wir haben uns beim Burgeressen kennengelernt und Burger ist quasi heute auch das heutige Thema, weil wir uns damit beschäftigen, wie man Wissenschaft an die Bürger näher heranbringen kann.
Marit Scheuringer: Genau gegenüber von mir sitzt Flo. Er hat uns ja gerade schon vorgestellt, wie wir uns kennengelernt haben und er wird jetzt gleich anfangen, mal unsere Gäste vorzustellen.
Florian Salomon: Unser erster Gast ist Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow. Herr Gemkow, in Ihrer Arbeit sieht man Sie immer sehr bürgernah. Man sieht Sie mit Robotern. Sie spielen virtuelles Schach. Man sieht Sie mit 3D Brille und Sie verleihen viele Preise. Meine Frage an Sie ist: Welche wissenschaftliche Errungenschaft in der Region Sachsen hat Sie denn besonders begeistert in den letzten Jahren?
Sebastian Gemkow: Es ist eine sehr schwere Frage, weil die Wissenschaftslandschaft in Sachsen wirklich sehr breit aufgestellt ist und weil wir unheimlich viele ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sehr erfolgreiche Projekte, auch Forschung mit wirklich internationaler Strahlkraft und wirklich herausragenden Erfolgen, sodass es schwer fällt, da was herauszugreifen. Aber ich greife vielleicht eins heraus, weil es so ein bisschen als Teil für ganz viele Innovationen steht, die mir bewusst machen, wie unsere Zukunft so ein Stückweit aussehen kann. Denn die Chance, die man auch heute zum Beispiel hat, ist, wenn man sich anschaut, an was geforscht wird, zu verstehen, wie sich diese Welt verändern wird, wie bestimmte Entwicklungen, die wir heute schon sehen, die uns vielleicht auch ein bisschen mit Furcht erfüllen, vielleicht auch ein bisschen mit Hilf und Ratlosigkeit, aber wahrscheinlich nur der Anfang einer viel größeren gesellschaftlichen Entwicklung sind und vielleicht sogar auch der Menschen als Kreaturen sozusagen. Wenn wir sehen, wie stark wir mittlerweile von diesen Mobiltelefonen abhängig sind, wie viel wir damit umgehen, wie gerade junge Menschen eigentlich einen Großteil ihres Lebens in diese virtuelle Welt verlegen. Dann ist es, finde ich, ganz interessant, zum Beispiel sich die Gruppe von Psychologen anzuschauen, die in dieser Augmented Reality zum Beispiel Angstbewältigung durchführen. Interessant daran finde ich aber, dass wenn man in diese virtuelle Welt eintaucht, man spürt, wie die Prägung des eigenen Gehirns einen diese Welt als real annehmen lässt, obwohl man sich selbst erklären kann, dass es eigentlich so nicht ist. Und das macht mir insofern auch ein Stückweit Angst, weil wenn sich große Teile unseres gesellschaftlichen Lebens in diese virtuellen Welten verlegen werden, natürlich das an Herausforderungen, was wir heute schon sehen, wie echt sind Informationen, die wir bekommen, noch ein ganzes Stück weit potenzieren wird. Ich will jetzt gar nicht so eine düstere Zukunftsprognose damit machen, aber…
Marit Scheuringer: Ich würde da mal einhaken, weil unser nächster Gast Tim Hentschel ist Geschäftsführer des Barkhausen Instituts und beschäftigt sich genau mit diesem Bereich, also mit Datenschutz, mit einem digitalisierten Alltag und vor allem auch dem Internet der Dinge. Das ist ein Begriff, den ich auch erst mal googeln musste. Das Internet der Dinge steht für eine vernetzte Welt aus smarten Geräten. Das heißt, Objekte wie Ihr Smartphone, Ihre Klimaanlage oder Ihr Auto werden mit Sensoren und Software ausgestattet und über das Internet vernetzt, um Daten auszutauschen. Meine Frage an Sie ist jetzt: Was bedeutet das für die Benutzer und Benutzerinnen? Beziehungsweise Was sind die Ziele überhaupt von diesem Internet der Dinge?
Tim Hentschel: Also da gibt es gar keine Ziele beim Internet der Dinge. Das ist einfach ein Begriff. Und es bleibt auch nicht dabei stehen, dass wir, sage ich mal, Haushaltsgeräte oder irgendwelche Spiele vernetzen, sondern es wird alles vernetzt sein in Zukunft. Unser ganzes Leben wird von vernetzten Geräten durchdrungen sein. Also jedes Auto wird vernetzt sein, kritische Infrastruktur wird vernetzt sein. Wir sehen, die meisten wissen das nicht, selbst Herzschrittmacher sind heute teilweise vernetzt. Die werden in Zukunft alle vernetzt sein. Beatmungsgeräte werden vernetzt sein. Und was bedeutet das für die Betroffenen, für die Nutzer, für die Nutzerinnen? Ja, die müssen diesen Geräten in irgendeiner Weise vertrauen können. Und daran arbeiten wir am Institut, dass wir Technologien so entwickeln, dass sie genau das tun, was sie tun sollen und nichts anderes. Und dass man das am Ende sogar vielleicht beweisen kann, mathematisch, so dass man nicht irgendwie blind vertrauen muss, sondern tatsächlich sagen kann Das ist es, was ich hier bekomme, was ich haben wollte. Und ich kann mich wirklich darauf verlassen.
Marit Scheuringer: Sehr spannende Forschung also eben auch, um Forschung auch in die Verantwortung zu ziehen, wenn es dann in den Transfer geht. Unser weiterer Gast hier ist Dorit Teichmann. Sie ist Start-up Managerin der TU Dresden und arbeitet im Bereich Life Sciences im SaxoCell-Cluster. Sie beschäftigen sich vorrangig auch mit dem Transfer von Forschung. Also wie kommt Forschung in die Anwendung? Als ich mir Ihre Webseite angeschaut habe, ist mir vor allem erst mal der Begriff lebende Arzneimittel ins Gesicht gesprungen. Da denke ich persönlich vielleicht erst mal nur an Bakterien, Maden, Blutegel. Was meinen Sie eigentlich damit? Was sind lebende Arzneimittel?
Dorit Teichmann: Genau das Cluster, dass sich rund um das Thema lebende Arzneimittel gefunden hat, beschäftigt sich mit Forschung zu Zellen Genen, wie man das im Prinzip, was quasi im Körper steckt, einfach auch nutzen kann für neue Therapien Und daher auch der Begriff lebende Arzneimittel, weil es eben um Zellen geht, um lebendes Material. Und wir haben in Sachsen hier eine Menge Forschung an verschiedenen Standorten bereits etabliert in diesem Bereich und vor circa drei Jahren kam eben in SaxoCell die Idee auszusagen okay, wir bündeln das jetzt einfach, Wir bündeln das über Dresden, Leipzig, Chemnitz, um einfach dort gemeinsam viel stärker aufzutreten. Und da kam uns eben auch so mit Clusters for Future so eine Initiative, die es uns eben auch ermöglicht, dieses Cluster, was eben den Transfer wirklich auch in den Vordergrund stellt, auf den Weg zu bringen.
Marit Scheuringer: (...) Wir haben ja gerade über Transfer gesprochen. Gerade in Ihrem Cluster aus verschiedenen Forschungseinrichtungen, wenn ich das richtig verstanden habe, ja. Wie behandeln Sie denn dann letztendlich Patienten? Oder kriegen Sie das überhaupt mit, was alles dann auch in die Anwendung kommt? Weil es sind ja wahrscheinlich sehr lange Zeiträume, die da mit eingeplant werden müssen.
Dorit Teichmann: Absolut. Also es sind sehr, sehr lange Entwicklungszeiten. Insofern hoffen wir, dass wir das noch erleben, dass Produkte von uns dann tatsächlich auch auf den Markt kommen. Wie wir das realisieren, das ist ein enger Verbund von Forschung und Industrie. Also als jetzt wirklich aus der Forschung kommend, schaffen wir es ja, neue Erfindungen, Entdeckungen zu machen und so eine Basis zu schaffen. Aber der Weg von so einer initialen Idee wirklich in den Markt, in die Produkte, das ist extrem steinig und schwierig. Und das geht nur mit Partnern. Und dort gucken wir halt, was sind die Transferwege? Kooperieren wir mit einem Unternehmen, schaffen wir vielleicht eigene Ausgründung. Was wir gerne natürlich auch lokal sehen. Ein Ökosystem in dem Bereich. Aber der Weg ist lang und steinig.
Marit Scheuringer: Haben Sie schon ein Beispiel für etwas, was in die Anwendung gelangt ist in Ihrem Cluster oder …
Dorit Teichmann: In die Anwendung noch nicht. Aber vielleicht haben einige zum Beispiel von der Siemens Therapeutics GmbH gehört, die kürzlich gegründet wurde. Dort geht es um Rekombinasen. Das sind besondere Enzyme, die man eben für Therapiezwecke anwenden möchte. Das Unternehmen wurde gegründet, ist jetzt VC finanziert und ist jetzt sozusagen gestartet, um dort präklinisch Dinge zu validieren. Und hoffentlich schaffen sie dann in drei Jahren den Weg in die Klinik.
Marit Scheuringer: Okay, das klingt auf jeden Fall schon sehr spannend. Also Glückwunsch dazu. Meine Frage wäre jetzt auch noch mal an Herrn Hentschel, an Ihre Forschung. Sie beschäftigen sich ja auch mit künstlicher Intelligenz. Haben Sie im persönlichen Bereich auch mit künstlicher Intelligenz zu tun? Also haben Sie eine KI-Wohnung und sind umgeben von vernetzten Geräten?
Tim Hentschel: Oh das ist jetzt eine kritische Frage. Also habe ich nicht. Ich benutze ein bisschen, wie viele andere wahrscheinlich auch, ChatGPT, aber ansonsten würde ich sagen, ist meine Wohnung nicht so automatisiert, wie man das vielleicht annehmen könnte. Also unter den Ingenieuren gibt es viele Konservative, weil wir ja wissen, was wir machen. Und das heißt jetzt nicht, dass ich überhaupt nichts habe, aber ich habe nicht die neuesten Spielereien. Definitiv nicht. Nein
Florian Salomon: Herr Hentschel, das war sehr spannend. Erst letzte Nacht habe ich auch ChatGPT genutzt und gefragt: Was ist denn eigentlich die größte Angst von ChatGPT, dem Programm? Als Antwort kam raus, dass es Angst davor hat, dass es seinen Nutzern nicht mehr helfen kann und kein Wissen mehr darlegen kann. Dazu ist natürlich eine Frage, die viele immer wieder aufgreifen: Wird KI irgendwann emotional und ist es eher mit Vorsicht zu betrachten? Könnte das eine Gefahr sein oder tatsächlich einen Nutzen für die Menschheit am Ende bringen?
Tim Hentschel: Also ich bin kein KI-Spezialist und ich denke selbst KI Spezialisten könnten diese Frage nicht wirklich beantworten. Also meine persönliche Meinung momentan ist ich kann es mir nicht so richtig vorstellen, aber wir wissen ja auch heutzutage immer noch nicht, wie Gefühle im Gehirn entstehen und wie unser eigenes Bewusstsein im Gehirn entsteht. Wenn das genauso mechanisch oder elektrisch entsteht, wie eine KI denkt, dann wäre das natürlich möglich. Aber ich glaube, da kann ich Ihnen keine Antwort geben.
Florian Salomon: Herr Gemkow, Spin 2030 ist Ihr aktuelles Projekt, um Sachsen als Innovationsstandort in die Zukunft zu bringen. Wir haben jetzt gerade mit SaxoCell ein sehr ambitioniertes Projekt vorgestellt bekommen. Es ist jedoch allgemein nicht nur bekannt, dass Wissenschaftler lokal, sondern auch im internationalen Raum vernetzt sein muss. Wie ist denn Ihre Meinung dazu? Ist Sachsen im Raum Deutschland oder auch im Raum Europa in der Welt gut vernetzt. Und wo sind da noch Verbesserungen möglich? Und wie kann die Politik da einsetzen, um Sachsen dazu als Zukunftsstandort mehr zu entwickeln?
Sebastian Gemkow: Also ich bin davon überzeugt, dass der Forschungsstandort Sachsen international gut vernetzt ist, dass er auch eine Strahlkraft hat. Nicht umsonst sind so viele Frauen und Männer aus dem internationalen Umfeld hier, weil sie eben die Exzellenz der Forschungsgegenstände sehen und für sich selber hier die Möglichkeit sehen, ihre Karrieren voranzutreiben, ihre Ideen umzusetzen. Und trotzdem, glaube ich, ist die Marke Wissenschaftsland Sachsen als solche ausbaufähig. Und deswegen haben wir gesagt, wir wollen mit dieser Kampagne Spin 2030, die ja im Prinzip gerade erst im Entstehen ist, zu der wir heute aber einen gewissen Höhepunkt auch sehen, ins Leben gerufen, um zu sagen, wir wollen, dass eben international noch sichtbarer wird, was hier alles passiert. Die Einrichtung selber tun das natürlich exzellent. Sie stellen auch dar, was sie tun, was ihre Forschungsgegenstände sind, aber ein Stück weit auch diese Wahrnehmungsschwelle zu senken und vielleicht auch noch ein bisschen besser zu erklären, was hier alles geschieht. Das ist, so der Gedanke dieser Kampagne mit ganz verschiedenen Formaten, zum Beispiel mit solchen öffentlichen Veranstaltungen, wo auch begreifbar und anfassbar ist, was hier so bei uns in der Entwicklung und im Entstehen ist. Aber es gibt auch die Möglichkeit, im Rahmen dieser Kampagne ganz spezifisch in Regionen in der Welt zu werben für ganz besondere Themen. Ein Beispiel: Wir hatten eine Kampagne, mit der wir in Taiwan geworben haben für ein spezielles Halbleiterprogramm, in dem wir junge Menschen im Prinzip zum Austausch zwischen Taiwan und Sachsen bringen, um dann auch spezifische Ansiedlungen im Halbleiterbereich mit zu unterstützen. Oder wir haben auch Mikrokampagnen gehabt im Bereich der Lehrerbildung, weil wir wissen, dass wir gerade im MINTbereich Nachwuchs brauchen. Und wir sehen aber schon in den Studiengängen, dass nicht ausreichend junge Leute für sich entscheiden, den Lehrerberuf ergreifen zu wollen. Da haben wir gesagt, wir machen so eine kleine Mikrokampagne und adressieren ganz regional junge Menschen, um zu sagen Hey, studiere doch hier in Leipzig, in Dresden, im Lehramt naturwissenschaftliches Fach. Weil wir diese Menschen brauchen. Und all diese Möglichkeiten haben wir mit Spin 2030, also ich will nicht sagen eine eierlegende Wollmilchsau, aber so ein Stück weit ein sehr, sehr nützliches Instrument, das wir im Prinzip weiter ausbauen wollen.
Marit Scheuringer: Ich habe da noch eine persönliche Frage an Sie. Also mit der Kampagne Spin 2030. Man sieht auf der Webseite ganz viele verschiedene Menschen, die diese Kampagne unterstützen. Kennen Sie die alle und wie kommen Sie in Kontakt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen Bereichen? Menschen, die die Wissenschaft unterstützen, in Ausgründungen arbeiten? Wie schaffen Sie es, mit Leuten zu kommunizieren, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen?
Sebastian Gemkow: Also natürlich kenne ich nicht all die Menschen, die sich bei uns in der Kampagne unter dem Stichwort Faces of Spin zur Verfügung stellen. Aber einige habe ich persönlich kennengelernt bei Besuchen in den Einrichtungen. Und das ist auch der Weg, in dem ich im Prinzip ein Bild von mir selber erarbeitete, was wir hier alles haben. Und es ist für mich persönlich natürlich hochinteressant zu sehen, wie viele verschiedene Disziplinen da sind. Es entstehen dann selbst bei so einem Laien wie mir, ich bin eigentlich Rechtswissenschaftler, trotzdem so Ideen und ein Gefühl dafür, was eigentlich alles ganz gut zusammenpassen kann und wie stark auch eine Chance in Interdisziplinarität liegt. Und wir mit diesem vielfältigen Wissenschaftsland haben wirklich wunderbare Möglichkeiten, hier Vernetzungen herzustellen. Und dass das große Erfolge nach sich zieht, das sieht man an ganz vielen Beispielen. Zum Beispiel auch in Dresden, wo Uniklinikum, Großforschungseinrichtungen, Forschungszentren zusammenwirken und damit letzten Endes die Möglichkeit haben, Dinge zu entwickeln, die an anderen Stellen gar nicht zu entwickeln sind. Also kurzum ich kenne nicht alle Gesichter, die dort sind, aber wir sind auch zehntausende Menschen, die dieses Wissenschaftsland am Laufen halten, aber einige davon schon. Und ich mache mir selber ein Bild in den Einrichtungen durch Besuche.
Florian Salomon: (...) Gerade wurde Sachsen als Wissenschaftsstandort vorgestellt. Ein Beispiel dafür ist Sachsen Zell. Und da hätte ich natürlich eine Frage an Frau Teichmann. Als Biologiestudent sehe ich immer aus nächster Nähe, wie zeitaufwendig Forschung eigentlich ist. Forschungsprojekte allein können mehrere Jahre lang dauern und viele Menschen sind an deren Entwicklung beteiligt. Meine Frage dazu ist Wie lange dauert es Ihrer Erfahrung nach, bis es von der Idee zu einem transferierten Produkt kommt und wie man diese Prozesse zum Beispiel beschleunigen könnte?
Dorit Teichmann: Also wenn man jetzt von der Entwicklung neuer Therapien spricht, dann sind das schon mit zehn Jahren ist man flott. Also es dauert in der Regel sogar länger. Es ist ganz klar How to eat an elephant, also in Scheiben schneiden. Das sind dann ganz klar in verschiedenen Projektphasen, die man das aufteilt, die man voranbringt und was wir in den Einrichtungen anstreben, bis zu einem gewissen Reifegrad schaffen wir das, schaffen wir das auch mit öffentlichen Geldern zum Beispiel Validierungsförderung ist da natürlich ein ganz wertvolles Instrument, was wir nutzen, um einen bestimmten Reifegrad zumindest in einer Einrichtung zu erreichen. Und dann an einem bestimmten Punkt ist einfach die Schnittstelle zur Industrie oder einen Weg in der Ausgründung, dass man sagt, wir holen uns einen Partner ins Boot, um das einfach dann voran zu bekommen. Aber es dauert und kostet Geld.
Florian Salomon: Dazu hätte ich auch noch eine Gegenfrage an Sie, aber auch an Herr Gemkow: Gibt es in der Politik Rahmenbedingungen, die verbessert werden könnten, um diesen Transfer zu vereinfachen oder zu beschleunigen oder überhaupt zu ermöglichen?
Sebastian Gemkow: Vielleicht fange ich mal aus meiner Sicht an und dann können Sie sozusagen konkretisieren. Da gibt es ganz viele Stellschrauben und mir ist bewusst, dass es auch eine ganze Reihe an Defiziten gibt. Die sind zum Teil strukturell bedingt, zum Teil sind es rechtliche Rahmenbedingungen, die fehlen. Aber nehmen wir mal ein paar Beispiele raus, gerade solche Forschungsprojekte, die über so einen langen Zeitraum entwickelt werden, müssen 10 Jahre, 15 Jahre, gerade im Bereich der Biotechnologien unheimlich kapitalintensiv. Das kann man zum Teil mit öffentlichen Mitteln ein Stück weit unterstützen. Aber das verschlingt einfach so viel Kapital und man muss so einen langen Atem haben. Und es ist trotzdem noch so risikobehaftet, dass man öffentliche Gelder ganz schwer dafür einsetzen kann, weil die Haushaltsordnungen der Länder und des Bundes eben einen Riegel vorschieben, dass man Steuergelder, ich sage jetzt mal noch für so ein – ist ein ganz böses Wort für so ein Wettgeschäft - einsetzt, weil es bleiben immer noch große Risiken da, dass diese Gelder am Ende weg sind. Trotzdem bin ich davon fest überzeugt, dass man öffentliche Gelder dafür einsetzen muss. Meine Vorstellung wäre, dass man es noch viel stärker mit privatem Kapital kombinieren kann. Das ist bisher nicht möglich. Wir wissen aber, dass von der sogenannten Spin Innovationsagentur in Leipzig. Nachdem die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen worden sind, genau diese Möglichkeiten bestehen aus einer Kombination öffentlicher Gelder und privaten Kapitals, solche langfristigen und zum Teil auch sehr kostenintensiven Forschungsprojekte zu unterstützen. Privates Kapital als zusätzliches Thema für unsere Region, wir haben immer noch eine gewisse Strukturschwäche in der Wirtschaft, weniger Zugang zu Kapitalgebern und dazu in Deutschland jedenfalls meine Wahrnehmung, auch eine gewisse Risikoaversion von Investoren große Summen einzusetzen in solche risikobehafteten Projekte. Das ist in den USA zum Beispiel ganz anders, wo auch viel Geld verbrannt wird über viele Jahre. Und so brutal das klingt, aber genau das braucht man, um solche Projekte langfristig voranzutreiben. Und wir haben trotzdem die Beispiele auch von Unternehmungen, von Ausgründungen, von wirtschaftlichen Ventures sozusagen, die in Sachsen existieren, wo Kapitalgeber gerade auch aus den USA mit im Boot sind und das langfristig mit unterstützen. Und dann kommen am Ende auch die Erfolge dabei raus. Also kurzum wir brauchen in Sachsen mehr Zugänge zu diesem auch internationalen Kapital. Und wir müssen rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, dass wir mit öffentlichen Geldern auch solche Projekte stärker unterstützen können als zwei Problemfelder, die ich hier sehe. Kommen noch einige dazu..
Marit Scheuringer: Ich hätte da noch eine kurze Zwischenfrage. Gerade wenn Sie über Kapital reden, über Steuergelder, die genutzt werden. Inwiefern, über welche Plattformen werden Bürgerinnen und Bürger über Forschung informiert? Wie kann man die mit ins Boot holen, dass die überhaupt damit einverstanden sind oder auch wissen, wofür diese Gelder eingesetzt werden? Weil ja, wie wir bereits gesagt haben, es einige Jahre dauern kann, bis überhaupt ein fertiges Produkt oder überhaupt eine Ausgründung oder irgendetwas erkennbar ist aus der Forschung. Wie kann man da Bürger mit ins Boot holen? Es geht so in die Runde.
Dorit Teichmann: Ich denke schon über Veranstaltungen, wie diese über Öffentlichkeitsarbeit nach außen gehen zeigen, okay, was machen wir hier ganz konkret? Das einfach auch übersetzen, also mitunter wissenschaftliche Erfindung kann man sehr kompliziert erklären. Die kann man aber auch sehr einfach erklären. Und genau dort eben auch die Sprache zu finden, mit einfachen Worten zu erklären, was bedeutet welche Probleme wollen wir lösen. Und ich glaube, das ist einfach der Knackpunkt zu sagen, Wissenschaft ist kein Selbstzweck, sondern sie dient dazu, wirklich Probleme, gesellschaftliche Probleme zu lösen und das eben auch klar aufzuzeigen.
Marit Scheuringer: Herr Hentschel, ich hätte da noch eine Frage an Sie, weil Sie sich ja auch aktiv mit Wissenschaftskommunikation beschäftigen. Was nutzen Sie damit auch da gezeigt wird, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verantwortungsvoll mit dem Kapital, was sie bekommen, umgehen oder auch mit der Verantwortung, die Forschung mit sich bringt.
Tim Hentschel: Das ist eine gute Frage und auch eine sehr wichtige Frage. Wir haben vor ein bisschen mehr als einem Jahr das Wissenschaftsforum COSMO gegründet, im Kulturpalast gemeinsam mit der TU Dresden und eigentlich offen für alle Partner, Forschungspartner aus Dresden und bei uns am Institut, weil wir das gestartet haben, da haben wir eigentlich den Anspruch, dass jeder Forscher, jede Forscherin Einen Tag pro Monat für Wissenschaftskommunikation verwendet. Für jegliche verschiedenste Formate. Nicht jeder fühlt sich da irgendwie geeignet, sich auf eine Bühne zu stellen oder etwas zu präsentieren. Wir haben auch Schülerlabore, das haben ja viele andere Einrichtungen auch. Aber dieser eine Tag ist so die Zielmarke. Und ich kann Ihnen sagen, das ist nicht einfach. Denn wer in die Forschung geht bei uns im ingenieurswissenschaftlichen Bereich, ist nicht immer diejenige Person, die, so sage ich mal, nach außen extrovertiert ist und für solche Dinge sich selbst geeignet fühlt. Deswegen bieten wir auch Trainings an, es gibt jetzt seit einiger Zeit, es ist vielleicht bekannt, das Zukunftscluster SEMECO für sichere Medizintechnik hier in Dresden und in diesem Zukunftscluster machen wir tatsächlich aktiv Weiterbildung für Forschende, damit diese Forschenden sich selbst zu Wissenschaftskommunikatoren ausbilden lassen können. Uns ist dabei aber wichtig, dass es nicht nur so eine einseitige Sache ist. Wir informieren, so nach dem Motto Wir sind die Coolsten von allen. Es geht vielmehr darum, dass wir eigentlich auch den Rückfluss an Informationen aus der Bevölkerung bekommen. Nicht in dem Sinne, dass die Bevölkerung jetzt mal darüber entscheidet, woran wir forschen. Aber dass wir uns tatsächlich beeinflussen lassen. Und in Gesprächen mit der Gesellschaft, mit der Bevölkerung ist unsere Hoffnung, dass die merken die Leute, dass die forschende Menschen sind und ihre Verantwortung wahrnehmen.
Stephan Wiegand: (...) Die Doreen geht durch die Reihen und dann haben Sie so kleine Kärtchen und da schreiben die Leute Fragen drauf. Beispielsweise hat jemand draufgeschrieben Wie wichtig ist, dass Wissenschaftlern überhaupt, das Publikum, dass Bürger ihre Meinung zu ihren wissenschaftlichen, also die Arbeit der Wissenschaftler kundtun? Ist das ein Win Win Situation oder ist das eher naja, hält auf.
Tim Hentschel: Also es hängt davon ab, würde ich sagen. Ja, es hängt von der Meinung ab, die kundgetan wird und es hängt auch von der Person ab. Also ich hatte gesagt, der Weg ist ein beschwerlicher, den wir hier gehen. Wir haben schon sehr viele Fortschritte gemacht und sind sehr zuversichtlich. Und es gibt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die das gerne tun, die auch mehr als einen Tag im Monat dafür einsetzen und auch gerne mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen. Und wir haben im COSMO manchmal Gespräche, ich selber habe es gehabt, wo mich jemand mehrfach schon 45 Minuten festgehalten hat. Wenn es nicht so voll ist, kann man die Zeit erübrigen. Und da sind wir dankbar für das Feedback. Aber nicht jedem geht das so tatsächlich.
Stephan Wiegand: Okay, also ist das auch eine Frage dessen, wie Wissenschaftler so ihre Arbeit als Selbstverständnis auffassen?
Tim Hentschel: Ja, auf jeden Fall.
Stephan Wiegand: Eine schöne Frage, die ich gefunden habe, war Wie oft findet man Sie selbst im Museum Herr Gemkow?
Sebastian Gemkow: Im Museum?
Stephan Wiegand: Ja.
Sebastian Gemkow: Als Exponat?
Stephan Wiegand: Nicht zum Anfassen und Angucken, sondern als Besucher.
Sebastian Gemkow: Das war tatsächlich das Museum, an das ich gleich gedacht habe, jedenfalls bei der Frage, ob ich dort Exponat stehen könnte, da gab es so eine Affensammlung. Ich war mit den Kindern im Naturkundemuseum in Leipzig, zuletzt ein Museum, das schon sehr alt ist und demnächst auch umgebaut werden soll. Aber da bin ich tatsächlich regelmäßig.
Stephan Wiegand: Sehr schön. Und jetzt werden wir noch technisch. Also Mathe war nicht so ganz meine große Stärke, aber vielleicht hat sie auch gar nichts, also doch, es hat was mit Mathe zu tun, Herr Hentschel. Es geht in Ihre Richtung. Sie erwähnten den mathematischen Beweis der Funktionstüchtigkeit vernetzter Geräte. Wie soll das gehen? Vielleicht können Sie es so erklären, dass ich das auch verstehen kann.
Tim Hentschel: Genau. Also elektronische Geräte werden ja heutzutage meistens mit Software betrieben. Also ein großer Teil der Funktion ist Software. Und die Frage ist tatsächlich: Ist es möglich, dass man der Software, während man sie schreibt, auch mit auf den Weg gibt in einer ähnlichen Sprache, wie man es für Software macht, also man beschreibt das mit einer technischen Sprache, was die Software machen soll und danach wird quasi das Ergebnis gegen diese Forderung, gegen diese Spezifikation gegengehalten. Und das wird tatsächlich inzwischen auch technisch gemacht und alle gehen davon aus, dass das nicht mehr lange dauert, dass KI das machen wird. Und dann wird es möglich, auch diese große Menge an vernetzten Geräten irgendwann tatsächlich zu validieren.
Stephan Wiegand: Okay, ich habe es nicht ganz verstanden. Aber das klären wir vielleicht später. Ich habe auch noch eine Frage, und zwar: Welche Bedeutung haben die Großforschungszentren Ihrer Meinung nach für Sachsen? Ich glaube, da sind alle auf dem Podium gefragt.
Sebastian Gemkow: Das ist eine außergewöhnlich große Chance, die wir mit diesen Großforschungszentren bekommen haben. Es sind Volumina, die in den nächsten Jahren investiert werden können, in Forschungstanker, die entstehen, werden in das Deutsche Zentrum für Astrophysik, in das CDC, ein Großforschungszentrum, das sich mit dem Recycling von Chemie im Prinzip befasst. Und das Interessante ist, dass die Anknüpfungspunkte dieser Großforschungszentren in die Region ziemlich groß sind. Gerade beim CDC steckt das Potenzial darin, im Prinzip das alte mitteldeutsche Chemiedreieck wiederzubeleben, in eine ganz neue Ära zu führen. Und auch das DZA hat hervorragende Anknüpfungspunkte in den Halbleiterbereich zum Beispiel. Und das zeigt schon, was für ein Potenzial auch darin schlummert, wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen auszulösen. Aber wir sprechen auch hier nicht über Entwicklung von wenigen Jahren, sondern von Jahrzehnten. Und deswegen ist es eine so zukunftsgerichtete und kluge Investition, die wir hier vornehmen können. Und das ist außergewöhnlich. Und die Bedeutung ist tatsächlich nicht zu unterschätzen.
Marit Scheuringer: Wir haben ja jetzt bereits viel über das Potenzial von Sachsen geredet als Wissenschaftsstandort. Ich habe jetzt noch eine Frage: Wie schafft man es auch zukunftsträchtig das Ganze zu gestalten? Das heißt, wie schaffen Sie es, angehende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bzw. Schüler und Schülerinnen überhaupt erst mal für Wissenschaft zu begeistern und in verschiedene Bereiche zu integrieren?
Dorit Teichmann: Offen sein, frühzeitig einbinden, Formate schaffen. Also das versuchen wir in SaxoCell zumindest um verschiedenste Schnittstellen dort herzustellen und dort einfach offen zu sein und Neugier zu wecken.
Marit Scheuringer: Also machen sie auch Schüler Events, wo junge Menschen allen Alters hinkommen können.
Dorit Teichmann: Genau, genau. Wir beteiligen uns auch Lange Nacht der Wissenschaft Öffentlichkeitsformate. Also da versuchen wir schon im Rahmen der Möglichkeit, wir müssen ja auch noch forschen, aber im Rahmen der Möglichkeit und so offen wie möglich zu zeigen.
Marit Scheuringer: Einfach und als ganz Schlussfrage hätte ich mal an Sie drei noch eine. Und zwar: Welchen Rat würden Sie ganz kurz jungen angehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit auf den Weg geben? Jungen Menschen in der Wissenschaft.
Tim Hentschel: Offen zu sein? Das erwartet man eigentlich. Aber das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Und ja, mit den Füßen zu scharren und trotzdem, wenn es nicht so schnell geht, ein bisschen geduldig, weil es dauert einfach.
Sebastian Gemkow: Ja, da würde ich anknüpfen. Ich glaube, das ist gar nicht so wissenschaftsspezifisch, sondern wahrscheinlich auf jedem Lebensweg irgendwie so ein Rat, den man vielleicht beherzigen kann und sich selber immer wieder auch sagen sollte, durchzuhalten. Ich glaube, das ist wirklich der Schlüssel zum Erfolg, auch Niederlagen und Krisen zu überwinden und einfach weiter nach vorne zu gehen. Und dann kommen irgendwann auch die Erfolge.
Dorit Teichmann: Immer weiter nach vorne gucken und zu schauen, irgendwann löst man das Problem.
Marit Scheuringer: Okay, dann bedanke ich mich hiermit beim Publikum und bei unseren Gästen. Danke, dass Sie hier waren. Danke, dass Sie unsere Fragen beantwortet haben Und ja, ganz spontan mit uns hier als Podcast interagiert haben. Danke schön.
Dorit Teichmann: Gerne.
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Organisator Stephan Wiegand im Gespräch mit den Referierenden © SMWK/Ben Gierig
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Moderatorin Marit Scheuringer © SMWK/Ben Gierig
Referent Tim Hentschel © SMWK/Ben Gierig
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Referent Sebastian Gemkow (links) und Referentin Dorit Teichmann (rechts) © SMWK/Ben Gierig
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Our Advisors:
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Dorit Teichmann - Innovation Manager at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, Start-up Manager for Life Science topics at dresden|exists, actively supports the transfer of scientific inventions into applications for society as part of her work.
- Sebastian Gemkow - Saxon Minister of Science
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Dr. Tim Hentschel - Managing Director at the Barkhausen Institute
Moderation:
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Marit Scheuringer - Master student
-
Florian Salomon - PhD Student
Musical accompaniment:
- Jo Aldinger jochenaldinger.de
- Konni Behrendt
This project is funded by the Federal Ministry of Education
and Research (BMBF) and the Free State of Saxony as part of the Excellence Strategy of the
Federal and State governments.