18.05.2026
Michele Solimena mit der Paul-Langerhans-Medaille der DDG ausgezeichnet
Professor Solimena im Labor
Michele Solimena mit der Paul-Langerhans-Medaille der DDG ausgezeichnet
Prof. Dr. Dr. Michele Solimena vom Paul Langerhans Institut Dresden (PLID) von Helmholtz Munich am Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden wurde am 15. Mai 2026 mit der Paul-Langerhans-Medaille ausgezeichnet, der höchsten Ehrung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Mit der Auszeichnung werden seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen zum Verständnis der Zellbiologie insulinproduzierender Betazellen der Langerhans-Inseln sowie der molekularen Ursachen von Diabetes gewürdigt.
Diabetes entsteht, wenn die Insulinversorgung nicht ausreicht, um den Blutzuckerspiegel im gesunden Bereich zu halten. Da Betazellen die einzige Quelle für Insulin sind, ist ihr Verlust ein entscheidender Faktor bei der Entstehung der Erkrankung. Wie Betazellen funktionieren, wie sie sich an veränderte Stoffwechselanforderungen anpassen und warum sie bei Diabetes versagen, sind zentrale Fragen, denen sich Prof. Solimena in seiner Forschung widmet.
Seine Arbeiten basieren auf einer Vielzahl experimenteller Modellsysteme – von Zelllinien und Tiermodellen bis hin zu Gewebeproben lebender Spenderinnen und Spender nach einer Pankreasoperation. Dieser integrierte Forschungsansatz ermöglichte wegweisende Beiträge zum Verständnis der Regulation von Insulinproduktion, -speicherung und -freisetzung durch Betazellen als Reaktion auf erhöhte Blutzuckerwerte. Darüber hinaus lieferten seine Pionierarbeiten an chirurgischen Gewebeproben von Personen mit normalem Blutzuckerstoffwechsel, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes bislang einzigartige Einblicke in die molekularen Veränderungen von Betazellen im Verlauf der Krankheitsentwicklung. Dieses Wissen bildet eine wichtige Grundlage für neue Therapien, die gezielt die Ursachen des Betazellversagens adressieren und dadurch die Insulinproduktion schützen und wiederherstellen sollen.
Bereits während seiner Postdoc-Zeit im Labor von Pietro De Camilli entdeckte Solimena das Auftreten von Autoantikörpern gegen die Glutamat-Decarboxylase 65 (GAD65) bei Menschen mit Typ-1-Diabetes sowie beim Stiff-Person-Syndrom, einer seltenen neurologischen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Heute gelten Anti-GAD65-Autoantikörper als der weltweit am häufigsten eingesetzte Autoantikörper-Biomarker zur Klassifikation von Diabetes.
Einfluss auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene
Pamela Toledo von der National University of Quilmes und langjährige Kollaborationspartnerin beschreibt den Einfluss von Prof. Solimena wie folgt: „Während unserer zwölfjährigen Zusammenarbeit hatte Prof. Solimena immer wieder neue Ideen, die unsere Sicht auf insulinproduzierende Zellen grundlegend verändert haben. Seine kontinuierliche Unterstützung ermöglichte es mir als junge Wissenschaftlerin, Stipendien und Fördermittel einzuwerben, die meine wissenschaftliche Laufbahn entscheidend geprägt haben.“
„Seine ausgeprägte Bereitschaft zur Zusammenarbeit war auch für mich persönlich von unschätzbarem Wert – etwa durch den Austausch von Erkenntnissen über Autoantikörper bei Typ-1-Diabetes“, sagte Prof. Ezio Bonifacio, Wissenschaftler am PLID und am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden. „Darüber hinaus fungiert er als Botschafter der Dresdner Diabetesforschung und stärkt mit seiner internationalen Reputation die Sichtbarkeit des Standorts.“
„Mit der Verleihung der Paul-Langerhans-Medaille ehrt die Deutsche Diabetes Gesellschaft Prof. Solimena als Wissenschaftler, der unser Verständnis der Betazellbiologie entscheidend geprägt hat“, sagte Prof. Martin Hrabe de Angelis, Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). „Seine Arbeiten haben die Grundlage für neue Strategien zur Prävention und Behandlung von Diabetes geschaffen und damit weit über die Forschung hinaus Wirkung entfaltet.“
Zur Person
Prof. Michele Solimena absolvierte sein Medizinstudium an der Universität Mailand in Italien, wo er 1993 auch seine Promotion in Pharmakologie und Toxikologie abschloss. Anschließend wurde er Associate Professor an der Yale University School of Medicine in den USA und später Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Im Jahr 2003 wurde er zum Professor für Molekulare Diabetologie an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden berufen.
2009 wurde er Gründungsdirektor des Paul Langerhans Instituts Dresden (PLID) sowie einer von fünf Sprecherinnen und Sprechern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD e.V.), wo er zudem die Beta Cell Academy leitet. Seit 2015 ist er Direktor des Instituts für Pankreasinselzellforschung (IPI) bei Helmholtz Munich.