19.03.2026
Tropische Forstwirtschaft beim Nachhaltigkeits-Original studieren
Dagmar Möbius
Den englischsprachigen Masterstudiengang „Tropical Forestry” gibt es seit 30 Jahren in Tharandt. Dies wurde im Herbst mit einem Symposium gefeiert. Wie Lukas Gießen, seit 2020 Professor für Tropische und Internationale Forstwirtschaft, neue Impulse setzt.
Prof. Lukas Gießen möchte, dass seine Studenten sich auf Augenhöhe mit ihm fühlen.
„Korrekt heißt es Tropical and International Forestry, denn wir arbeiten quasi nur international“, sagt Lukas Gießen. Seit Oktober 2020 ist der gebürtige Wiesbadener Inhaber der Professur für Tropische und Internationale Forstwirtschaft am Institut für Internationale Forst- und Holzwirtschaft der TUD. Wer mit ihm spricht, spürt schnell, er gehört einer jüngeren Generation an. Der Professor als Allmacht ist nicht sein Ding. „Ich muss nicht jedes Komma korrigieren, dafür habe ich meine Mitarbeiter.“ Das ist nicht arrogant, sondern konsequent und ein Zeichen moderner Führung, die er auch seinen Studierenden vermittelt. Er möchte, dass junge Leute eine Chance bekommen, sich zu profilieren und auch sichtbar zu werden, neben dem Professor.
Ältester forstwissenschaftlicher Campus der Welt
Seit mehr als 60 Jahren werden am Institut Studiengänge in Forstwirtschaft für Menschen aus aller Welt angeboten. Zu DDR-Zeiten, seit 1963, auf Deutsch, ab 1995 auf Englisch. Doch gelehrt wird in Tharandt schon viel länger. Im Jahr 1811 begann Heinrich Cotta mit der systematischen forstlichen Ausbildung in seiner privaten Forstlehranstalt, die damit die weltweit älteste ist. Diese wurde fünf Jahre später als Königlich-Sächsische Forstakademie vom Staat übernommen. 1929 wurde sie an die damalige Technische Hochschule Dresden angeschlossen. Heute gehört die Fachrichtung Forstwissenschaften zur Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden.
Die aktuellen Masterstudierenden von Tropical Forstry im Tharandter Wald
Von Bewährtem zu Neuem
Lukas Gießen spricht mit viel Respekt und Demut über die historische Entwicklung seines Instituts. Die Arbeit teilt sich in die Bereiche Forschung, Lehre und internationale Hochschulnetzwerke auf. Als Hochschullehrer hat er eigene Schwerpunkte und deshalb ein neues Curriculum mit neuen Kursen entwickelt, das seit Oktober 2025 gelehrt wird. Während in der Vergangenheit sozioökonomische Schwerpunkte gesetzt wurden, fokussiert Lukas Gießen seine Lehre auf politische und menschenzentrierte Steuerungsfragen im Umgang mit Wäldern weltweit. Er sieht sich eher in der Führungskräfteausbildung für künftige Entscheidungsträger. Der DAAD fördert mit Stipendien und Programmen.
Studierende aus aller Welt wollen das Original studieren
Die Nachfrage nach den Studienplätzen ist sehr hoch. Aus jährlich etwa 700 eingehenden Bewerbungen aus aller Welt werden 30 bis 40 Studierende, fast alle Mittzwanziger mit Bachelorabschluss, manche mit Master, andere bereits mit Praxiserfahrungen, ausgewählt. Für Professor Lukas Gießen ist das folgerichtig: „Die jungen Leute wollen das Original studieren.“ Das heißt „Nachhaltige Fortwirtschaft“ aus Sachsen, nach ihrem Begründer Hans Carl von Carlowitz und fortentwickelt in Tharandt von Heinrich Cotta und Kollegen. Bei der Auswahl der besten Master-Studierenden schaut er auf die individuellen Lebensgeschichten und auf Karrierepläne. „Ich bin nicht so der Vorlesungsonkel“, lacht er. „Ich will die Leute aus der Komfortzone holen. Am schönsten ist es für mich, in motivierte Gesichter zu blicken, die etwas aus sich machen wollen.“ Hinterfragen ist bei ihm willkommen. Ambitionierte Nachwuchsforstwissenschaftler:innen fördert er aktiv: durch Mentoring-Module, Teilnahme an Exkursionen oder Mitnahme zu Tagungen.
Die aktuellen Studierenden von Tropical Forestry beim Symposium im Herbst 2025.
Forschung und Netzwerke
Aktuell bestehen an der Professur fünf durch erfahrene Postdoktoranden geleitete Forschungsgruppen. Diese beschäftigen sich mit Wald im Multilateralismus, Wald und internationaler Entwicklung, Macht für nachhaltige Waldwirtschaftsergebnisse, sozioökonomischen Studien in tropischer Fortwirtschaft, sowie der kritischen Entwicklung internationaler Hochschullehre.
- International Forest Governance & Multilateralism
- Forest Institutions and International Development (FIID)
- Power for Sustainable Forest Management Outcomes (PSFMO)
- Socio-Economics in Forestry
- Landscapes in critical development perspective
Zudem engagiert sich das Institut für internationale Hochschulkooperationen. „In diesen Netzwerken wird keine eigene Forschung betrieben, sondern wir tauschen uns mit Hochschulen weltweit über mögliche Verbesserungen der Lehrangebote aus“, sagt Professor Lukas Gießen.
Kontakt:
TU Dresden
Fakultät Umweltwissenschaften, Fachrichtung Forstwissenschaften
Institut für Internationale Forst- und Holzwirtschaft
Professur für Tropische und Internationale Forstwirtschaft
Prof. Lukas Gießen
Tel: +49 351 463-31824
Nach dem Gespräch mit Prof. Gießen wurde bekannt, dass er den Ruf auf eine W3-Professur für Forstpolitik und Landnutzungs-Governance an die Georg-August-Universität Göttingen angenommen hat.