08.12.2025
Bleibt neugierig und probiert euch aus!
Dr. Stefan Rothe ist der Absolvent des Monats Januar 2026 – hier vor seinem Multimodefaserverstärker an der Yale University
(interviewt im Jahr 2025)
Thomas Scheufler
Dr. Stefan Rothe wußte früh, dass er ein Ingenieurstudium aufnehmen wollte – aber lange nicht, in welcher Disziplin. Erst spät im Elektrotechnikstudium fand er seine Spezialisierung – und forscht seitdem an der Programmierung von Lichtwellen. Zur Entwicklung abhörsicherer Datenkommunikation – oder leistungsstarken Glasfaserlasern. Zuerst an der TUD – jetzt in Yale.
| Profil von | Dr. Stefan Rothe |
| Studiengang | Elektrotechnik |
| Fakultät | Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik |
| Studienzeit |
Diplomstudium (2012 – 2018) Promotion (2019 – 2023) |
| Aktuelle Tätigkeit | Postdoc in Yale, Connecticut (USA) |
Warum haben Sie sich für ein Studium an der TU Dresden entschieden?
Ich habe mich nach dem Abitur recht schnell für ein Ingenieurstudium entschieden. Damals (und soweit ich weiß auch heute noch) war die TUD eine der wenigen Institutionen in Deutschland, an denen man noch den Diplomstudiengang findet. Obwohl ich glaube, dass zwar inhaltlich im Vergleich zu den modularisierten Bachelor/Master-Studiengängen anderer Universitäten nicht Vieles anders ist, hat mir damals besonders gefallen, dass man den Diplomingenieur noch an der TUD bekommt.
Wieso haben Sie gerade diese Studienrichtung gewählt?
Ich habe mich tatsächlich damals schwer getan, mich auf eine Ingenieursdisziplin festzulegen. Ich kann mich aber noch an ein Gespräch mit meinem Bruder erinnern, der mir die folgende Frage stellte: „Stell’ dir vor du hast einen Schaltkreis in der Hand und stehst gleichzeitig vor einer Turbomaschine. Was begeistert dich mehr?“. Ich habe mich dann für den Schaltkreis entschieden, witzigerweise später aber recht schlecht in Schaltungstechnik abgeschnitten.
Wer aus Forschung und Lehre hat Sie in Ihrer Studienzeit am meisten geprägt?
Bei hohen optischen Leistungen sind optische Systeme leichter anfällig gegenüber Umgebungsrauschen, weshalb der Multimodefaserverstärker Verdeckungen zur Isolation während des Betriebs benötigt.
Die breite Fächerung des Elektrotechnikstudiums habe ich damals bereits als Fluch und Segen zugleich empfunden. Im Laufe des Studiums lernt man ohne Zweifel viele interessante und ungemein diverse Technologien und deren Charakteristika kennen. Ich hatte aber bis spät in mein Studium hinein (siebtes Semester) noch überhaupt keine Ahnung, in welcher Branche ich später wirklich arbeiten möchte. Ich habe mich irgendwann für die Spezialisierung Automatisierungs-/Mess- und Regelungstechnik entschieden, weil mir die Klausuren bis zum vierten Semester dort am ehesten zugesagt hatten, aber ob ich später mal wirklich dieses Handwerk in meinem Berufsleben haben möchte, war mir noch völlig unklar. Mein erstes Fachpraktikum in der Industrie im Bereich Automation war bspw. die reinste Katastrophe, was ich auch nach wenigen Wochen wieder beendet habe. Ich habe mich dann tatsächlich erst mit der Studienarbeit (im Diplomstudium das Äquivalent zur Bachelorarbeit) näher mit den einzelnen Lehrstühlen und deren Forschung beschäftigt. Bei den ausgeschriebenen Themen haben mir die aktuellen Forschungsthemen vom damaligen Doktoranden Daniel Haufe in der Messtechnik gefallen. Er hat mich sehr freundlich und aufgeschlossen zu einem Gespräch eingeladen und mir sein aktuelles Forschungsthema näher erklärt. Er programmierte Lichtwellen, die er durch eine Glasfaser sendet, um haarünne Mikroendoskope zu bauen. Ich weiss noch heute wie ich damals fast vom Glauben abgefallen bin, dass man so was wirklich machen kann – ich war sofort gefesselt von dem Thema. So sehr, dass ich mittels Lichtwellenprogrammierung auf dem Thema „Abhörsichere Glasfaserkommunikation“ promoviert habe – und es sogar heute noch behandle. Heute baue ich mittels Lichtwellenprogrammierung Glasfaserlaser. Vor allem aber hat mir Herrn Haufes besonders freundlicher und respektvoller Umgang mit mir gefallen, was ich damals als Student eher selten empfunden habe. Im grossen Hörsaal hat man doch das Gefühl, dass eine grössere Distanz zwischen Dozent und einem selbst herrscht.
Wo sind Sie heute beschäftigt, und in welcher Verantwortung?
Ich forsche heute seit etwas mehr als einem Jahr an der Yale University. Wir nutzen programmierte Lichtwellen um besonders starke Glasfaserlaser zu bauen. Ich habe meine Chefin zwar auch in drei Vorlesungen vertreten, aber eigentlich bin ich hier ausschliesslich in der Forschung tätig.
Was würden Sie den heutigen Studienanfängerinnen und -anfängern mit auf den Weg geben?
Den Prüfungsämtern wird das zwar nicht gefallen, aber: Stresst euch nicht und geniesst so gut es geht die Studienzeit an der Uni! Es schadet euch nicht, bewusst die Zeit ein wenig in die Länge zu ziehen mit bspw. Auslandssemestern (mein ERASMUS-Semester in England hat mir super viel Spass gemacht), oder auch mit dem einen oder anderen Praktikum. Da Viele ohnehin gezwungen sind, neben der Uni zu arbeiten, da das Bafoeg nicht reicht, kann man die Studienzeit auch bewusst strecken, um sie besser geniessen zu können. Etwas mehr Semester auf dem Konto zu haben, ist nicht schlimm!
Und wenn ihr im Laufe des Studiums nicht wisst, was ihr damit später mal machen wollt, versucht neugierig zu bleiben und so Vieles auszuprobieren, wie ihr nur könnt. Geht auch den kleinsten Interessen nach – es schadet nicht, auch mal eine Pause einzulegen und vielleicht in einem Praktikum oder als Werkstudent eine Zeit lang zu arbeiten oder evtl. auch zeitweise mal die Stadt zu wechseln, um neue Eindrücke zu sammeln.
Woran erinnern Sie sich besonders gern in Ihrer Studienzeit?
In den ersten Semstern hat die Zeit in der Neustadt einen besonders positiven Eindruck bei mir hinterlassen. Später hat mir die forschungsorientierte Zeit in den höheren Semestern, also alles rund um Studienarbeit, Oberseminar, Diplomarbeit besonders großen Spass gemacht. Gerade das Experimentieren im Labor und dazu passende Simulationen programmieren hat mir super viel Freude bereitet.
Wo war Ihr Lieblingsort an der Uni?
Wir mussten für viele technische Praktika im Grundstudium Einiges in unseren Gruppen vorbereiten. Da die meisten in der Stadt verstreut gewohnt haben, haben wir versucht, uns an einem zentralen Ort zu treffen. Wir haben uns dann im Eingangsbereich der SLUB an diese langen Tischen gesetzt. Leider kamen auch sehr viele Andere auf diese Idee. Gerade dieser Bereich in der SLUB war immer überfuellt, total laut und manche haben aufgrund der vielen Arbeit fast die Nerven verloren – an diese Zeit erinnere ich mich noch gerne zurück.
Bei einem Ausflug nach New York City, am berühmten Dumbo Fotospot.
Dann gab es eine Zeit während meiner Diplomarbeit, in der ich häufig vor der Arbeit im Labor in der Zebradiele an der Alten Mensa alleine gefrühsückt habe. Genrell finde ich den Sitzbereich auf den belederten Bänken sehr gemütlich und man kann das morgendliche Treiben gut beobachten. Dort sitzt man dann mit Filterkaffee und einem belegten Brötchen und hat den Handwerkern und Bauarbeitern zugesehen, wie sie Bockwurst und Soljanka gefrühstückt haben. Der Gedanke daran löst heute noch bei mir heimelige Gefühle aus.
Wovon profitieren Sie noch heute/ hätten Sie sich mehr gewünscht?
In der Forschung trifft man häufig auf viele komplizierte Zusammenhänge. Auch gerade technische Systeme können überaus komplex sein. Dort nicht den Faden zu verlieren, kann einem durchaus mal schwer fallen. Mir hilft dann häufig die Denkphilosophie, die wir an der Fakultät E&I gelehrt bekommen haben: Denken in Systemen. Ich stelle mir dann immer das, was da gerade vor mir liegt - sei es irgendein physikalisches Phänomen oder technisches Detail - als Black Box vor: Irgendwas geht rein, irgendwas kommt raus und dann versuche ich mich schrittweise dem zu nähern, was dazwischen passiert. Diese Abstraktion der Realität hilft mir manchmal sehr.
Ich hätte gerne früher mit modernen und relevanten, aber WENIGER Themen aus der Forschung gearbeitet. Teilweise mussten wir 16 Versuche im Semester aus drei verschiedenen Fachrichtungen vorbereiten. Inklusive dem eigentlichen Thema (Worum geht‘s eigentlich?), dem Eingangstest (Man kann da durchfallen?!) und dem Protkoll geht so viel Zeit im Voraus drauf, dass man am Ende das Hirn auf Durchzug stellt und kaum etwas mitnehmen kann. Was ist nochmal ein Gyrator?
Wie gelingt ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche?
Der Einstieg in die Forschung beginnt mit einem spannenden Promotionsthema. Ein guter Einstieg steht und fällt meist mit zwei wesentlichen Dingen. Erstens muss einen das Thema begeistern können. Im Lauf der Promotion werden früher oder später Phasen eintreten, in denen es einem schwer fällt, am Ball zu bleiben. Zweifeln gehört aber dazu und zeigt auch, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt! Aber gerade da ist es wichtig, dass das Thema als spannend genug empfunden wird, dass man wieder gerne den Weg zurück an den Labortisch oder ins Büro findet. Zweitens ist die Betreuung immens wichtig. Eine gute Betreuung kann einem nicht nur auf den eben genannten, steinigeren Strecken des Weges helfen, sondern einen auch gut auf die Postdoc-Phase vorbereiten. Hier kann man darauf achtgeben, ob man im persönlichen Gespräch mit der Betreuungsperson einen guten Eindruck gewinnt und ob auf beiden Seiten Begeisterung für das Forschungsthema herrscht. Auch eine internationale Ausrichtung des Lehrstuhls (internationales Team, englischsprachige Paper, Ko-Autorinnen und -Autoren aus dem Ausland, Besuch internationaler Konferenzen) kann bereits Aufschluss darüber geben, wie vernetzt die Lehrstuhlinhaberin oder der Lehrstuhlinhaber ist, und wie viel Unterstützung man bspw. beim Besuch von internationalen Konferenzen oder der nächsten Postdoc-Stelle im Ausland erhält.
Was verbindet Sie heute mit der TU Dresden?
Die TUD nimmt einen ganz zentralen Ort in meinem Leben ein, da ich knapp elf Jahre Zeit meines bislang noch recht jungen Lebens an ihr verbacht habe. Davon gingen sechs Jahre für’s Studium und knapp fünf für Promotion mit erstem Postdoc drauf. Schliesslich habe ich an der TU Dresden nicht nur eine sehr gute Bildung und Ausbildung erhalten, sondern auch meinen Traumberuf gefunden. Aber auch Abseits des Akademischen habe ich eine großartige Zeit in Dresden gehabt. Ich habe in der gesamten Zeit in Dresden wundervolle Freundschaften geschlossen, mit großartigen Kolleginnen und Kollegen zusammengearbeitet, malerische Landschaften mit dem Rennrad befahren, zauberhafte Momente auf Konzerten erlebt, spannende Football-Matches der Monarchs gesehen und viele tolle Ausstellungen, Märkte und Museen besucht.
Update 2026:
Seit 2025 arbeite ich nun an der University of Twente an kleineren Leistungen und forsche an photonisch integrierten Schaltkreisen. Einerseits bauen wir Chips, die auf Basis von Einzelphotonenpaaren verschränkte Quantenzustände bilden, und andererseits versuche ich die Technologien, die ich bei meinen Forschungen an der TU Dresden und der Yale University entwickelt habe, auf kleine programmierbare Chips zu gießen. Die University of Twente, und insbesondere die Gruppe an der ich arbeite, ist mit Reinraumzugang sowie der erforderlichen Expertise ausgestattet. Hierdurch ergibt sich ein für mich hervorragendes Ecosystem, auf das ich zugreifen kann, um mit meinen Forschungen den nächsten Schritt zu gehen.
Kontakt
Dr. Stefan Rothe
Yale University
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