06.08.2026
„Unter Druck entstehen Diamanten“
(porträtiert im Jahr 2026)
Dagmar Möbius
Als Kind zerlegte Daniel Fleischer alle Geräte, die ihn interessierten. Alles, was mit Technik zu tun hatte, faszinierte ihn. Für das Studium der Elektrotechnik entschied er sich trotzdem in letzter Minute. Heute führt der 45-Jährige ein Unternehmen für Sondermaschinenbau.
In Großschirma nahe Freiberg in Sachsen, damals Dorf, heute Stadt, wuchs Daniel Fleischer auf. „In 30 Sekunden ist man durch den Ort durchgefahren“, lacht er. Unbeschwert erinnert er seine Kindheit. Alles, was mit Technik zu tun hatte, interessierte ihn. Er schraubte an Mopeds und verbaute die Motoren an Seifenkisten. Über seinen späteren Beruf machte er sich „nicht wirklich einen Kopf“. Was mit Technik sollte es sein, so viel war klar. Erst kurz vor der Immatrikulation wurde der Plan konkret. Daniel Fleischer schrieb sich im Herbst 2002 für Elektrotechnik, Vertiefung Feinwerktechnik, an der Technischen Universität Dresden ein. Die räumliche Nähe zur Heimat und der sehr gute Ruf überzeugten ihn.
Viel Praxis, viel Bauen
„Die ersten Wochen waren hart“, erinnert er sich. „Man hat sich schon gefragt, was man in der Schule eigentlich gelernt hat. In Physik und Mathe wurde sehr viel vorausgesetzt.“ Und dann der Klassiker: Theoretische Elektrotechnik – sehr schwer. Feinwerktechnik Mechanik/Konstruktion war schon besser. Nicht zufällig kristallisierte sich das als sein Schwerpunkt heraus. Großes Breitenwissen wurde vermittelt. „Vieles braucht man nicht, aber das analytische Denken bilden eine fantastische Grundlage.“ Bei Dr. Alfred Kamusella lernte Daniel Fleischer FEM Simulation und Konstruieren. „Da kamen sehr kreative Lösungen heraus“, lacht er. Ein damals gebautes Modell steht heute in seinem Büro und funktioniert noch. In der TUD-Werkstatt lernte er CNC-Fräsen. „Viel Praxis, viel Bauen, eine sehr gute praktische Grundlage“, fasst er zusammen. Das Studium eigne sich gut für Technikaffine und „nach dem Studium öffnen sich damit viele Türen.“
Beruflich in Richtung Halbleiterindustrie
Daniel Fleischer beschritt seinen späteren berufliche Weg schon kurz nach Studienbeginn. Doch das wusste er damals noch nicht. Durch einen Ferienjob bei Infineon kam er erstmals mit der Halbleiterbranche in Berührung. Ein Semester von fünfeinhalb Studienjahren verbrachte er im Rahmen des Erasmus-Programms in Lausanne (Schweiz). In seiner von Dr. Holger Neubert, heute Abteilungsleiter Intelligente Materialien und Systeme beim Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS, betreuten Diplomarbeit nutze er unter anderem eine spezielle Simulationsanwendung. Nach dem Studium stieg Daniel Fleischer 2008 bei der Feinmess Dresden, heute Steinmeyer Mechatronik, ein. Er erzählt von spannenden Projekten und einem guten Draht zur Geschäftsführung. Trotzdem kündigte er nach zwei Jahren – in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, kurz nach dem Börsencrash – und arbeitete freiberuflich weiter. Indirekt an Themengebieten für Siemens Dresden, danach unter anderen für lokale Halbleiterfertiger. Nach viereinhalb Jahren wurde er Mitgesellschafter einer Firma für Automation, übernahm die Leitung der Konstruktion und war so „endgültig in der Halbleiterbranche drin“.
Konstruktion eines Messkopfes, auf dem Bildschirm sind Sensoren für Distanz, Shore Härte und ein QR Code Reader zu sehen.
Gefühlt bessere Freiberuflichkeit
Im Januar 2023 gründete Daniel Fleischer mit zwei Kollegen ein neues Unternehmen für Sondermaschinenbau. Die meisten der Projekte befassen sich aktuell mit Messtechnik für die Halbleiterbranche. Von der Kundenanforderung über das Konzept bis zum fertigen Produkt, das Leistungsspektrum des Unternehmens deckt bis auf die Fertigung nahezu alles ab, was dazu gehört. „Wir hatten von Anfang an zu tun“, freut er sich. „Ich hätte mir auch einen Job suchen können, aber wenn man einmal selbstständig war, fällt es schwer, wieder als Angestellter in eine große Firma zu gehen“, sagt der Ingenieur. Rapidon mit Sitz in Dresden-Coschütz entwickelt Automatisierungslösungen für die Halbleiterindustrie und „maßgeschneiderte Motion- und Handling-Systeme für hochpräzise Produktionsumgebungen“. Ein Beispiel ist das Substrate Thickness Measurement System. Vereinfacht erklärt: „Mit dem Tool wurde ein vormals manueller Prozess in einen vollautomatischen, Messprozess überführt. Die Benefits für den Kunden sind eine signifikante Zeitersparnis, die nahtlose Integration in die Produktionsumgebung und die Anlageninfrastruktur.“
Bei den Silicon Saxony Days, die im Juli 2026 in Dresden zum 20. Mal stattfanden, hat Rapidon ein neues Gerät für die reflektometrische Schichtdicken-Messung vorgestellt. „Es wird zur Qualitätskontrolle eingesetzt und vereint viel Knowhow verschiedener Fachgebiete und Techniken. „Zum Beispiel Linearachsen, Steuerung, Optik und Kamerasysteme“, beschreibt Daniel Fleischer.
Wunsch: mehr Zeit zum Experimentieren
Natürlich gebe es deutlich stressfreiere Jobs, sagt der Geschäftsführer. Die Arbeitslage ist sehr gut. Er arbeitet viel, schätzt aber die Freiheit und empfindet es so „gefühlt besser“. Er lobt sein kleines derzeit fünfköpfiges Team, das in Spitzenzeiten von Freelancern und Werkstudierenden unterstützt wird. Wenn er sich etwas wünschen könnte, wäre das ein Zeitbudget für eine Miniforschungsabteilung. „Zeit zum Experimentieren“, nennt Daniel Fleischer das. Zeit, in der er gern Sachen ausprobieren würde, um zu sehen, was man zukünftig sinnvoll in Maschinen einsetzen kann. Ambitionen für einen Prototyp eines speziellen Gerätes hatte der auch als ehemaliger Vorsitzender des Fördervereins der Schule seiner Töchter Fungierende vor Jahren entwickelt. „Die Idee entstand im Zuge der dort praktizierten Altpapiersammlung. Bei 400 Schülern kann man nicht permanent bei der Abgabe dabei sein. Ich habe eine ToF-Kamera zur Volumenbestimmung eingesetzt, mit der in Verbindung mit dem Gewicht an der Waage die Abgabe der Menge automatisch erfassbar war.“ Der damit verbundene und für die Schüler geplante Workshop zur eingesetzten Technik kam aus organisatorischen Gründen leider nicht zustande, aber Wissen und Technikbegeisterung weiterzugeben, liegt dem Ingenieur am Herzen. Ansonsten gilt für ihn ein Spruch weiter, den er einst im Studium kassierte, weil er stets kurz vor der Angst lernte, die Ergebnisse aber gut waren: „Unter Druck entstehen Diamanten“.
Ein eigenes Unternehmen zu gründen, empfiehlt er kompletten Newcomern jedoch nicht. Besser erst ein paar Jahre Erfahrung in möglichst mehr als einem Unternehmen sammeln und Kontakte aufbauen.
Kontakt:
Daniel Fleischer, Geschäftsführer / CTO
Rapidon GmbH
Tel: +49 176 48 73 60 90
E-Mail:
Internet: https://rapidon.de