13.03.2026
Dr. Pyi Soe Aung aus Myanmar
(interviewt im Jahr 2026)
Thomas Scheufler
Dr. Pyi Soe Aung entwickelt als Conservation Director des WWF-Myanmar-Programms Naturschutzstrategien in den Bereichen Wildlife, Forest Restoration, Freshwater, Climate und Inclusive Conservation.
Ein kurzer Überblick über Ihr Studium an der TU Dresden:
„Ich bleibe mit der TU Dresden in Verbindung, indem ich Online-Gastvorlesungen halte, Masterstudierende bei ihrer Feldforschung in Myanmar mitbetreue und mich aktiv an Alumni-Foren und Veranstaltungen beteilige. Mein Studium an der TUD hat mir eine solide wissenschaftliche Grundlage, ein umfangreiches internationales Netzwerk und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten in Forschung und Praxis aus aller Welt verschafft. Diese Erfahrungen kommen mir auch heute noch bei meiner beruflichen Tätigkeit zugute. Außerdem haben sie mir geholfen, mein Verständnis für die internationale Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar zu vertiefen, was mir in meiner derzeitigen Position dabei geholfen hat, mehrere Naturschutzprojekte erfolgreich zu akquirieren und durchzuführen.“
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Profil von |
Dr. Pyi Soe Aung |
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Studiengang |
Master in Tropical Forestry und Promotion in Forstwissenschaften |
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Fakultät |
Fakultät Umweltwissenschaften |
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Studienzeit |
2010 – 2012 Tropical Forestry (Master) und 2015 – 2019 Promotion |
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Derzeitige Tätigkeit |
Direktor für Naturschutz, WWF Myanmar |
Warum haben Sie sich für ein Studium an der TU Dresden entschieden?
Ich habe mich für ein Studium an der TU Dresden entschieden, weil zwischen Deutschland und Myanmars Forstwirtschaft eine starke historische Verbindung besteht. Im Jahr 1956 führte ein deutscher Förster namens Dr. Dietrich Brandis die moderne Waldbewirtschaftung in Myanmar ein. Als Absolvent der Forstwirtschaft aus Myanmar hat mich diese Geschichte motiviert, ein Aufbaustudium in Deutschland zu absolvieren. Mit seiner 200-jährigen Geschichte hat sich das Institut für Internationale Forst- und Holzwirtschaft in Tharandt weltweit einen hervorragenden Ruf unter den Forstfachleuten erworben. Auch viele ältere Kollegen berichteten nach Abschluss ihres Studiums von den positiven Erfahrungen, die sie dort gemacht haben. Dieser gute Ruf hat mich dazu bewogen, mich für ein Studium an der TU Dresden zu entscheiden.
Wieso haben Sie gerade diese Studienrichtung gewählt?
Mein Interesse an der Forstwirtschaft begann gegen Ende meiner Schulzeit, als ich zum ersten Mal begriff, wie schnell unsere Wälder verschwinden und wie wichtig sie für die Gesundheit unseres Planeten sind. Mir wurde klar, dass der Schutz dieser Wälder nicht nur eine wissenschaftliche Herausforderung ist, sondern auch eine Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Auch meine Liebe zur Natur spielte eine große Rolle. Ich war schon immer gerne wandern, habe gerne abgelegene Landschaften erkundet und die Tierwelt in der Nähe unseres Dorfes beobachtet. Diese Erfahrungen haben mich dazu motiviert, mich intensiver mit Forstwirtschaft zu beschäftigen, um einen Beitrag zum Erhalt der Wälder zu leisten, die ich in meiner Kindheit so sehr genossen habe.
Wer aus Forschung und Lehre hat Sie in Ihrer Studienzeit am meisten geprägt?
Von allen Lehrenden, die ich während meines Studiums kennengelernt habe, hatte Prof. Jürgen Pretzsch, der den Masterstudiengang Tropical Forestry gegründet hat, den größten Einfluss auf mich. Er war nicht nur mein Betreuer, sondern auch ein Mentor, der meine Sichtweise auf die tropische Forstwirtschaft geprägt hat. In seinen Vorlesungen und Diskussionen betonte er die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Wald und die Realitäten eines Arbeitsalltags in einem tropischen Land. Er hat mir geholfen zu verstehen, dass es bei der Waldbewirtschaftung nicht nur um Ökologie geht, sondern dass sie auch durch die Politik, lokale Lebensgrundlagen, Kultur und langfristige soziale Veränderungen geprägt ist. Diese Denkweise begleitet mich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn.
Gemeindeberatung zum Waldschutz in Nagaland, Myanmar
Wo sind Sie heute beschäftigt, und in welcher Verantwortung?
Ich arbeite derzeit für den World Wide Fund for Nature (WWF) als Direktor für Naturschutz im Myanmar-Programm. In dieser Funktion leite ich die gesamte Naturschutzstrategie und beaufsichtige fünf Schlüsselbereiche: Wildtierschutz, Wiederaufforstung, Süßwassermanagement, Klima und Energie sowie integrativer Naturschutz. Zusammen unterstützen diese Programme den Beitrag Myanmars zu wichtigen globalen Verpflichtungen wie den Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Globalen Biodiversitätsrahmen und das Pariser Klimaschutzabkommen. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, aber auch eine sehr bedeutsame, da ich damit direkt zum Schutz der Natur und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Myanmar beitragen kann.
Was würden Sie den heutigen Studienanfängerinnen und -anfängern mit auf den Weg geben?
An der TU Dresden zu studieren ist eine großartige Chance, und ich würde jedem empfehlen, das Beste daraus zu machen. Es ist wichtig, neugierig zu bleiben, offen für Neues zu sein und keine Angst davor zu haben, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das Universitätsleben bringt Herausforderungen und Frustrationen mit sich, aber diejenigen, die weitermachen und weiter lernen, sind diejenigen, die am meisten wachsen. Wenn Sie motiviert bleiben und die Chancen nutzen, die sich Ihnen bieten, kann Ihre Zeit an der TU Dresden Ihre Zukunft wirklich prägen.
Woran erinnern Sie sich besonders gern in Ihrer Studienzeit?
Eine der schönsten Erinnerungen an meine Studienzeit ist die starke Bindung, die ich zu meinen internationalen Kommilitonen aufgebaut habe. Wir kamen aus unterschiedlichen Kontinenten und hatten unterschiedliche Hintergründe, aber wir teilten die gleichen Herausforderungen und Freuden. Wir haben zusammen gelernt, uns in schwierigen Zeiten gegenseitig unterstützt und Dresden erkundet, wann immer wir die Gelegenheit dazu hatten. Diese Freundschaften wurden zu einem der besten Abschnitte meines Lebens, und viele von uns stehen noch heute in Kontakt.
Wo war Ihr Lieblingsort an der Uni?
Die SLUB war mein Lieblingsort an der Universität. Für mich war sie mehr als nur eine Bibliothek. Meine Freunde und ich haben dort gemeinsam gelernt, Ideen ausgetauscht, waren während der Prüfungszeit frustriert und haben kleine Erfolge gefeiert. Ich kann mich noch gut an die Ansage erinnern, dass die Bibliothek um Mitternacht schließt. Auch jetzt, viele Jahre später, weckt dieser Klang noch Erinnerungen an mein Studentenleben in Dresden.
Wovon profitieren Sie noch heute/hätten Sie sich mehr gewünscht?
Ich profitiere in vielerlei Hinsicht noch immer von meiner Zeit an der TU Dresden. Die wissenschaftlichen Grundlagen, die ich dort erworben habe, leiten mich noch immer jeden Tag in meiner Arbeit. Das Studium vermittelte nicht nur Theorie, sondern half mir auch zu verstehen, wie die Forstwirtschaft mit Menschen, Politik und langfristiger Entwicklung zusammenhängt. Auch das internationale Lernumfeld hatte einen großen Einfluss. Durch die enge Zusammenarbeit mit Mitstudierenden aus vielen Ländern habe ich gelernt, unterschiedliche Perspektiven zu schätzen und kulturübergreifend zu kommunizieren, was in meiner derzeitigen Position unerlässlich ist. Viele meiner Mitstudierenden sind mittlerweile langjährige Partner und Kollegen geworden, und unsere gemeinsamen Erfahrungen in Dresden verbinden uns auch heute noch in unserer beruflichen Arbeit. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist das fundierte Verständnis der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und der Arbeitsweise deutscher Institutionen in Myanmar. Dieses Wissen hat mir geholfen, stärkere Partnerschaften aufzubauen und Projekte, die von deutschen Organisationen unterstützt werden, souverän zu leiten. Es hat auch eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass der WWF Myanmar in den letzten Jahren mehrere Naturschutzprojekte akquirieren konnte. In vielerlei Hinsicht prägen die Fähigkeiten, Netzwerke und Erkenntnisse, die ich an der TU Dresden erworben habe, auch heute noch meine Entscheidungen und stärken meine Arbeit als Naturschutzbeauftragter.
Wie gelingt ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche?
Es gibt kein Patentrezept für einen guten Karrierestart, aber einige Grundsätze haben mir in meinen ersten Berufsjahren geholfen, und ich möchte drei davon gerne weitergeben. Der erste bestand darin, mich auf den Aufbau solider fachlicher Kompetenzen zu konzentrieren, weshalb ich ein Aufbaustudium an der TU Dresden anschloss. Der zweite war, Zeit in die Pflege von Netzwerken zu investieren. Ich habe versucht, sowohl von Menschen aus dem akademischen als auch aus dem beruflichen Umfeld zu lernen, und viele dieser Kontakte haben mir später Türen geöffnet. Der dritte war, bereit zu sein, neue Herausforderungen anzunehmen und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung auszuprobieren, auch wenn sie mir unsicher erschienen. Rückblickend haben mir diese einfachen Vorgehensweisen geholfen, Schritt für Schritt zu wachsen und schließlich die Position zu erreichen, die ich heute innehabe.
Was verbindet Sie heute mit der TU Dresden?
Seit meiner Promotion halte ich Gastvorlesungen für Studierende des Masterstudiengangs Tropical Forestry zum Thema Planung und Management von Schutzgebieten. Es hat mir immer Spaß gemacht, sowohl mein akademisches Wissen als auch meine praktischen Erfahrungen aus meiner Arbeit in den Schutzgebieten Myanmars weiterzugeben. Auch nach Abschluss meiner Promotion habe ich weiter unterrichtet und bin bis heute dabei geblieben. Außerdem betreue ich Studierende mit, die Feldforschung in Myanmar betreiben, wodurch ich mit der neuen Generation von Forstfachleuten in Kontakt bleibe. Alumni-Foren und -Treffen sind eine weitere wichtige Kontaktmöglichkeit für mich. Ich nehme nach wie vor an ihnen teil, wann immer es mir möglich ist, und sie bieten mir immer wieder die Gelegenheit, wieder mit meinen Professorinnen und Professoren sowie meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen in Kontakt zu kommen und viele Erinnerungen an meine Zeit in Dresden aufzufrischen.
Kontakt:
Dr. Pyi Soe Aung