18.03.2026
Marcelo Rezende aus Brasilien
(interviewt im Jahr 2026)
Thomas Scheufler
Marcelo Rezende leitet bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in Rom die Kapazitätsentwicklung und das Wissensmanagement für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Trockengebieten.
Ein kurzer Überblick über Ihr Studium an der TU Dresden:
„Das multikulturelle und multidisziplinäre Umfeld, das ich an der TUD erlebt habe, ist etwas, das ich seit meinem Abschluss aktiv zu pflegen versuche. Der Wechsel von einem geografisch begrenzten und hochspezialisierten Hintergrund in der Forstwirtschaft hin zu einem ganzheitlicheren Verständnis, das auch soziopolitische Überlegungen auf globaler Ebene umfasst, hat mich grundlegend auf die Herausforderungen vorbereitet, denen ich in meiner Karriere als Mitarbeiter der Vereinten Nationen begegnen würde.“
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Profil von |
Marcelo Rezende |
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Studiengang |
Tropical Forestry and Management |
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Fakultät |
Fakultät Umweltwissenschaften |
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Studienzeit |
2012 – 2014 |
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Derzeitige Tätigkeit |
Beauftragter für natürliche Ressourcen bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen |
Warum haben Sie sich für ein Studium an der TU Dresden entschieden?
Deutschland hat eine lange Tradition der Exzellenz in der Forstwirtschaft. Als ich nach einem Ort suchte, an dem ich mein Studium fortsetzen könnte, standen Dresden, Freiburg und Göttingen auf meiner Liste. Dresden stach hervor als Stadt mit schöner Architektur, interessanter Geschichte und Kultur, und gleichzeitig umgeben von Natur. Als ich mir die TUD näher ansah, stieß ich auf den Fachbereich Forstwissenschaften und die dort geleistete hervorragende Arbeit und Forschung. Das überzeugte mich, dass dies der ideale Ort wäre, um meinen beruflichen Horizont zu erweitern. Und so war es auch!
Marcelo Rezende mit den Projektteams des „Drylands Sustainable Landscapes Impact Program“ für das südliche Afrika.
Wieso haben Sie gerade diese Studienrichtung gewählt?
Die Forstwirtschaft ist meine Leidenschaft. Seit ich herausgefunden habe, dass man Bäume und Wälder zum Beruf machen kann, war ich mir sicher, dass dies genau das ist, was ich in meinem Leben machen möchte. Ich war schon immer ein sehr neugieriges Kind und habe meine Spielsachen auseinandergenommen, um zu verstehen, wie sie funktionieren. Ich glaube in der Forstwirtschaft sind die Möglichkeiten für Forschungsarbeiten und Entdeckungen unbegrenzt. Es gibt kaum ein Buch über Bäume, Wälder und ihre Beziehung zu uns und anderen Ökosystemen, das mich nicht fasziniert.
Wer aus Forschung und Lehre hat Sie in Ihrer Studienzeit am meisten geprägt?
Ich bin vielleicht nicht besonders diplomatisch, aber ich habe eine klare Erinnerung an diejenigen, die mich stark geprägt haben. Prof. Norbert Weber weiß vielleicht gar nicht, wie sehr er meine berufliche Laufbahn beeinflusst hat. Da ich wusste, wie beschäftigt er war, bin ich ihm um so dankbarer, dass er sich bereit erklärt hat, meine Abschlussarbeit zu betreuen. Ein brasilianischer Förster aus der Privatwirtschaft, der sich mit der Umweltpolitik in kleinen Inselentwicklungsländern befassen wollte: Allein schon das Vertrauen, das er mir entgegenbrachte, verdient Anerkennung. Aber erst in den wenigen, aber äußerst produktiven Gesprächen, die wir führten, lernte ich die Tiefe seines Wissens, seine beruflichen Prinzipien und seine echte Liebe zur Forstwirtschaft schätzen. Die Betreuung war außergewöhnlich, ich hatte außerordentliche Freude an meiner Forschung und kann nur hoffen, dass etwas von seinem Fachwissen auf mich abgefärbt hat. Mein Dank gilt auch dem Koordinator des Masterstudiengangs, Prof. Jürgen Pretzsch. Er widmete seine Karriere der Institutionalisierung, Finanzierung und Qualitätsverbesserung des Studiengangs Tropische Forstwirtschaft. Als Student war mir nicht bewusst, wie anspruchsvoll diese Aufgabe war. Aber wenn ich heute mit reiferen Augen zurückblicke, finde ich sein Engagement und seine Hingabe für das Programm einfach inspirierend.
Marcelo Rezende und die Fachgruppe nehmen an einer Exkursion im Rahmen der Tagung der Interregionalen Technischen Plattform für Wasserknappheit (iRTP) in Tunesien im Jahr 2025 teil.
Wo sind Sie heute beschäftigt, und in welcher Verantwortung?
Ich arbeite seit zehn Jahren für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Ich arbeite in der Abteilung Forstwirtschaft und bin dafür zuständig, den Mitgliedsländern fachliche Unterstützung in allen Fragen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu leisten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Wechselwirkung zwischen Wäldern und anderen Arten der Landnutzung in Trockengebieten liegt.
Was würden Sie den heutigen Studienanfängerinnen und -anfängern mit auf den Weg geben?
Der beste Rat, den ich geben kann, ist, etwas zu tun, für das man sich begeistert. Wenn man sich für ein Thema oder einen Studienbereich entscheidet, der einen wirklich interessiert, werden alle Aspekte des Berufslebens leichter zu bewältigen und angenehmer.
Woran erinnern Sie sich besonders gern in Ihrer Studienzeit?
Es ist unmöglich, all die schönen Erinnerungen an mein Leben in der WG im Herzen der Neustadt zusammenzufassen. Das Essen, die Freundschaften, die Sprachen, die Partys und die langen Nächte, in denen wir gelernt haben – diese Zeit werde ich immer in guter Erinnerung behalten.
Wo war Ihr Lieblingsort an der Uni?
Der Campus der Fachrichtung Forstwissenschaften in Tharandt steht aufgrund seiner wunderschönen Grünanlagen und der umliegenden Hügel an erster Stelle meiner Favoritenliste. Nichts ist schöner als ein malerisches Dorf in einem bewaldeten Tal. Die SLUB in Dresden liegt knapp dahinter auf Platz zwei.
Marcelo Rezende leitet eine Veranstaltung zur Einbindung von Interessengruppen während des Regionaltreffens des „Drylands Sustainable Landscapes Impact Program“ in Blantyre, Malawi. 2024.
Wovon profitieren Sie noch heute/ hätten Sie sich mehr gewünscht?
Die Netzwerke und Beziehungen, die ich während meiner Zeit an der TUD aufgebaut habe, sind für mich auch heute noch sehr wichtig. Als DAAD-Alumni und Carlo-Schmid-Stipendiat engagiere ich mich weiterhin in verschiedenen Veranstaltungen, Newslettern und Zusammenkünften, wodurch das Netzwerk aktiv bleibt. Leider hat die aktuelle sozioökonomische Turbulenz in der Welt auch Auswirkungen auf die Alumni, beispielsweise durch die Einstellung des Wissenschaftlichen Literaturprogramms. Ich hoffe, dass wir uns in Richtung größerer Investitionen bewegen können, um die Alumni-Netzwerke weiter zu stärken und zu nutzen.
Wie gelingt ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche?
Offenheit, Neues zu lernen. Die Schnittstelle zwischen dem Management natürlicher Ressourcen und der Entwicklung ist ein fruchtbarer Boden für Vielfalt. Vielfalt an Herausforderungen, Lösungen, Strategien, Denkweisen und mehr. Seien Sie zu Beginn Ihrer Karriere offen dafür, Ihr Wissen anzupassen und durch die Anregungen anderer zu wachsen.
Was verbindet Sie heute mit der TU Dresden?
Ich habe das Glück, weiterhin enge Beziehungen zur TUD und zum Institut in Tharandt zu pflegen. Seit einigen Jahren bin ich Gastdozent im Studiengang Tropical Forestry und habe die Möglichkeit, den Studierenden unsere Arbeit bei den Vereinten Nationen vorzustellen und ihnen mögliche Karrierewege aufzuzeigen.
Kontakt:
Marcelo Rezende