30.10.2026
„Die spannendsten Herausforderungen unserer Zeit liegen meist zwischen den Disziplinen.“
Der Alumnus des Monats November kommt aus der Wirtschaftsinformatik.
(interviewt im Jahr 2026)
Thomas Scheufler
„Die TU Dresden hat mich gelehrt, komplexe Probleme interdisziplinär zu betrachten und systematisch zu lösen. Dieses Denken prägt mich bis heute in Industrie, Forschung und Lehre.“
Prof. Uwe Wieland hat an der TU Dresden im Fach Wirtschaftsinformatik promoviert, arbeitet heute als Senior Director für Software-Produktentwicklung und KI-gestützte Lösungen bei der Volkswagen AG und Honorarprofessor für Wirtschaftsinformatik an der HTW Dresden an der Schnittstelle von Industrie, Forschung und Bildung.
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Profil von |
Prof. Uwe Wieland |
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Studiengang |
Wirtschaftsinformatik (Promotion) |
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Fakultät |
Wirtschaftswissenschaften |
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Studienzeit |
2012-2015 |
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Aktuelle Tätigkeit |
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Wo sind Sie heute beschäftigt und in welcher Verantwortung?
Ich arbeite heute an der Schnittstelle von Industrie, Forschung und Bildung. Beruflich verantworte ich bei der Volkswagen Group die Entwicklung AI-basierter Softwareprodukte für die industrielle Transformation. Darüber hinaus engagiere ich mich als Honorarprofessor an der HTW Dresden, im Forschungsbeirat Industrie 4.0 sowie als Aufsichtsrat des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Besonders am Herzen liegt mir dabei die Frage, wie Menschen, Organisationen und Technologien gemeinsam Zukunft gestalten können. Aus diesem Gedanken heraus ist auch die gemeinnützige Initiative matchIO entstanden, mit der wir generationsübergreifendes Lernen und den Austausch zwischen Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft fördern.
Wovon profitieren Sie noch heute, wovon hätten Sie sich mehr gewünscht?
Bis heute profitiere ich vom analytischen Denken und der wissenschaftlichen Arbeitsweise. Noch stärker hätte ich mir einen frühzeitigen Austausch zwischen Studierenden, Unternehmen und gesellschaftlichen Akteuren gewünscht – genau diesen Gedanken verfolgen wir heute mit matchIO.
Warum haben Sie sich für ein Studium an der TU Dresden entschieden?
Prof. Uwe Wieland arbeitet auch als Honorarprofessor an der HTW Dresden
Im Rahmen meines MBA-Studiums an der Dresden International University wurde ich von Prof. Andreas Hilbert angesprochen, ob ich mir eine Promotion vorstellen könnte. Mich hat die Möglichkeit begeistert, praktische Erfahrungen aus Industrie und Digitalisierung mit wissenschaftlicher Forschung zu verbinden. Die TU Dresden bot dafür ein exzellentes Umfeld und die Chance, Fragestellungen mit wissenschaftlicher Tiefe zu bearbeiten, die mich auch in der Praxis täglich beschäftigt haben.
Wieso haben Sie gerade diese Studienrichtung gewählt?
Die Wirtschaftsinformatik verbindet für mich drei Welten, die heute untrennbar zusammengehören: Technologie, Organisation und Menschen. Mich hat schon immer die Frage fasziniert, warum manche Technologien enorme Wirkung entfalten und andere trotz großer Investitionen scheitern. Die Wirtschaftsinformatik liefert genau die Werkzeuge, um diese Zusammenhänge zu verstehen und zu gestalten.
Wer aus Forschung und Lehre hat Sie in Ihrer Studienzeit am meisten geprägt?
Prof. Andreas Hilbert hat mich besonders geprägt. Er hat wissenschaftliche Exzellenz mit einem klaren Blick für die praktische Relevanz von Forschung verbunden. Von ihm habe ich gelernt, dass Forschung dann ihren größten Wert entfaltet, wenn sie nicht nur neue Erkenntnisse schafft, sondern konkrete Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft lösen hilft. Diese Sichtweise prägt mich bis heute. Viele meiner aktuellen Aktivitäten beschäftigen sich mit der Frage, wie aus Erkenntnissen, Strategien und Technologien tatsächlich wirksame Umsetzung entsteht. Die Verbindung von wissenschaftlicher Analyse, fundierten Entscheidungen und erfolgreicher Umsetzung bildet heute den Kern meines Verständnisses von Decision & Execution Engineering.
Was würden Sie den heutigen Studienanfängerinnen und -anfängern mit auf den Weg geben?
Versucht nicht nur Fachwissen aufzubauen. Lernt, Probleme zu verstehen, mit Menschen zusammenzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Die spannendsten Herausforderungen unserer Zeit liegen meist zwischen den Disziplinen. Wer Technik, Wirtschaft und Menschen verbinden kann, wird auch in einer Welt voller KI und Automatisierung einen Unterschied machen.
Woran erinnern Sie sich besonders gern in Ihrer Studienzeit?
Besonders gern erinnere ich mich an die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis. Während meiner gesamten Promotionszeit war ich parallel bei Robotron tätig und konnte viele wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis übertragen. Gemeinsam mit Prof. Andreas Hilbert und Ulf Heinemann, die ich bereits aus meiner Zeit an der Dresden International University kannte, entstand ein intensiver Austausch zwischen Professur und Industrie. Daraus entwickelte sich bei Robotron sogar ein neuer Geschäftsbereich. Für mich war das ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Forschung und Wirtschaft voneinander profitieren können.
Wo war Ihr Lieblingsort an der Uni?
Tatsächlich die Alte Mensa. Dort ging es für mich nie nur ums Essen. Der Campus rund um die Alte Mensa war ein Ort der Begegnung. Wirtschaftswissenschaftler, Maschinenbauer, Informatiker und viele andere Disziplinen kamen dort zusammen. Es gab immer gutes Essen, schöne Plätze zum Verweilen und vor allem viele interessante Gespräche. Rückblickend sind genau diese ungeplanten Begegnungen oft genauso wertvoll gewesen wie manche Vorlesung.
Wie gelingt ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche?
Fachwissen ist die Eintrittskarte, aber langfristig entscheiden Neugier, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Wer versteht, wie Technologie, Organisation und Menschen zusammenwirken, wird auch in einer Welt voller KI und Automatisierung erfolgreich sein. Mein Rat: Nicht nur nach dem ersten Job suchen, sondern nach Problemen, die es wert sind, gelöst zu werden.
Vorlesung an der HTW Dresden
Was verbindet Sie heute mit der TU Dresden?
Neben der wissenschaftlichen Exzellenz sind es vor allem die Menschen, die mich bis heute mit der TU Dresden verbinden. Über die Jahre sind daraus viele wertvolle Beziehungen und gemeinsame Projekte entstanden. Besonders beeindruckend finde ich zu sehen, wie sich Talente entwickeln. So war Prof. Patrick Zschech bereits während meiner Promotionszeit ein außergewöhnlich engagierter Student an unserer Professur. Heute hat er selbst eine Professur inne – eine Entwicklung, auf die die Fakultät stolz sein kann. Auch mit Prof. Susanne Strahringer verbindet mich bis heute der fachliche Austausch. Gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Richard Rößler publiziere ich weiterhin zu Themen der Wirtschaftsinformatik, unter anderem in der HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik. Darüber hinaus schätze ich den regelmäßigen Austausch mit Persönlichkeiten wie Prof. Udo Buscher, Prof. Lars Hornuf oder Prof. Steffen Ihlenfeldt. Mit ihm durfte ich inzwischen sogar meinen ersten Doktoranden betreuen – ein besonderer Moment für mich und gleichzeitig ein Zeichen dafür, wie sich der Kreis zwischen Industrie, Forschung und Nachwuchsförderung über die Jahre geschlossen hat. Genau diese Menschen und die Offenheit zur Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg machen für mich einen wesentlichen Teil der TU Dresden aus.
Kontakt:
Prof. Uwe Wieland
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