13.10.2017

Das Gespenst des Populismus

Wissenschaft einmal anders: In der öffentlichen Abendveranstaltung zur Feierlichen Eröffnung des Sonderforschungsbereichs 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“ am 17. Oktober 2017 wird ab 19:00 Uhr das Gespenst des Populismus gejagt.

Im Zentrum der Vorträge des Literaturwissenschaftlers Prof. Albrecht Koschorke und des Poptheoretikers Georg Seeßlen sowie der anschließenden Performance des Kabarettisten Muhsin Omurca steht die Frage, wie die populistischen Erzählungen der Protagonisten der neuen politischen Bewegungen in Europa, Eurasien und Nordamerika funktionieren. Das Thema Populismus, mit dem sich der SFB 1285 im ersten Jahr intensiv auseinandersetzen will, wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven und in drei unterschiedlichen Formaten betrachtet.

Prof. Albrecht Koschorke fragt, was Menschen dazu bewegt, Personen des öffentlichen Lebens auf Internetforen und per E-Mail mit Beschimpfungen, Vergewaltigungs-, Zerstückelungs- und Mordfantasien zu überziehen, welches „wir“ dabei zur Sprache kommt und aus welchen Erzählungen über die Fremden und die Elite sich dieser Hass speist.

Im zweiten Vortrag analysiert Georg Seeßlen anhand von Bild- und Videobeispielen den Wandel der politischen Bildkultur und zeigt, wie dieser sich mit einem Blick in die Kunstgeschichte besser verstehen lässt. Woher rührt das „Modell Trump“ als Produkt der Kulturindustrie? Welche Rolle spielen mediale Vor-Bilder für populistische Politik?

Im Anschluss an die beiden Vorträge tritt der Cartoonist und Kabarettist Muhsin Omurca auf. Er schlüpft in die Rolle des „Kanakmän - Tags Deutscher, nachts Türke “ Hier gelingt dem Cartoon-Kabarettisten der Balanceakt zwischen dem Humor zweier Nationalitäten, die unterschiedlicher kaum sein können. „Kanakmän“ ist der Prototürke schlechthin. Er steht den Deutschen nicht feindselig gegenüber, er will so sein wie sie, will sich vollkommen assimilieren, um als Deutscher anerkannt zu werden. Dass er so seine Probleme damit hat, daraus bezieht Muhsin Omurca seine skurrile Komik, die seine Figur so sympathisch macht.

Der Sonderforschungsbereich 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert und hat seine Tätigkeit am 1. Juli 2017 an der TU Dresden aufgenommen. Er untersucht in zwölf Forschungsprojekten Formen, Funktionen und Folgen herabsetzender, verletzender Kommunikationsakte (d.h. Worte, Zeichen und Bilder) von der kleinen, möglicherweise subtilen Unhöflichkeit über die manifeste Schmähung bis hin zu verbalen Aggressionen an der Grenze zur physischen Gewalt in Gegenwart und Geschichte. Dabei reicht die historische Spannweite von der römischen Republik über das Zeitalter der Reformation und den Nationalsozialismus bis hin zur unmittelbaren Gegenwart. Die Reihe der untersuchten Medien umfasst Literatur und Malerei, Fernsehen und Film, Theater und Internet.

Weitere Informationen unter: https://tu-dresden.de/gsw/sfb1285

17. Oktober 2017
19:00 Uhr „Das Gespenst des Populismus – Drei Versuche einer Annäherung“
Deutsche Hygiene-Museum, Großer Saal, Öffentliche Veranstaltung, Eintritt frei

Information für Journalisten
Prof. Gerd Schwerhoff
Tel.: +49 (0) 351 463-35768
gerd.schwerhoff@tu-dresden.de

Dr. Antje Junghanß
Tel.: +49 (0) 351 463-33034
antje.junghanss@tu-dresden.de

Zu dieser Seite

Pressestelle
Letzte Änderung: 13.10.2017