17.07.2026
Einstein Telescope: Lausitz und Sardinien besiegeln gemeinsame Bewerbung
In Nuoro (Sardinien) unterzeichneten Vertreterinnen und Vertreter von deutschen und italienischen Wissenschaftseinrichtungen die Kooperationsvereinbarung, darunter Prof.in Angela Rösen-Wolff, Prorektorin Forschung und Technologietransfer der TUD, Dario Eickhoff (KIT), Fabio Florindo (Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia), Prof. Antonio Zoccoli (Istituto Nazionale di Fisica Nucleare), Prof. Roberto Ragazzoni (Istituto Nazionale di Astrofisica).
Die Kandidatenregionen Lausitz und Sardinien gehen ihren gemeinsamen Weg zum Einstein Telescope (ET) konsequent weiter: Führende deutsche und italienische Wissenschaftseinrichtungen haben am 17. Juli 2026 in Nuoro (Sardinien) eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und damit eine gemeinsame Bewerbung für die europäische Forschungsinfrastruktur beschlossen. Auf deutscher Seite wird die Kooperation von der Technischen Universtität Dresden (TUD) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) getragen. Zu den italienischen Partnern gehören das Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN), das Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) sowie das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV).
Die Vereinbarung bildet die Grundlage für die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen der sogenannten „Doppel-L“-Konfiguration, bei der das Einstein Telescope künftig aus zwei komplementären L-förmigen Interferometern bestehen soll – einem in der Lausitz und einem auf Sardinien.
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: „Es ist ein weiterer Schritt unserer Partnerschaft als Standortbewerber bei der Realisierung des europäischen Großprojekts Einstein Telescope. Sardinien und Sachsen arbeiten zusammen an einer Vision für diese einzigartige Forschungsinfrastruktur. Die zwischen führenden italienischen und deutschen Wissenschaftseinrichtungen besiegelte Vereinbarung unterstützt unsere gemeinsame Kandidatur für ein geteiltes unterirdisches Gravitationswellen-Messgerät und fördert die Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg.“
Prof.in Ursula M. Staudinger, Rektorin der TU Dresden: „Die Kooperationsvereinbarung ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Lausitz hin zu einem Standort für das Einstein Telescope. Sie unterstreicht den europäischen Gedanken dieses einzigartigen Forschungsprojekts und steht für unseren Anspruch, wissenschaftliche Exzellenz über Ländergrenzen hinweg zu gestalten. Als Exzellenzuniversität bringt die TUD ihre Stärken in den Bereichen Hochleistungsrechnen, KI-gestützte Datenanalyse, Optoelektronik und Präzisionsmesstechnik ein. Zugleich bietet das ET die große Chance, diese Schlüsseltechnologien wissenschaftlich und technologisch weiterzuentwickeln. Wir unterstützen diese gemeinsame europäische Bewerbung mit ganzer Kraft.“
Prof. Christian Stegmann, wissenschaftlicher Co-Leiter der Machbarkeitsstudie für das zukünftige Einstein Telescope in der Lausitz an der TU Dresden: „Wir werden künftig in Europa beim Einstein Telescope noch enger zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit reicht weit über die eigentliche Forschungsinfrastruktur an den beiden Standorten in der Lausitz und auf Sardinien hinaus. Sie verbindet Wissenschaft, Innovation und Menschen in ganz Europa."
Prof. Antonio Zoccoli, Präsident des INFN: „Wir sind überzeugt, dass die Umsetzung des Einstein Telescope in Form von zwei L-förmigen Interferometer-Detektoren die besten Voraussetzungen für den Erfolg des Projekts schafft. Diese Vision geht über die Zusammenarbeit der beiden Kandidatenstandorte hinaus und ebnet den Weg für eine wirklich europäische Forschungsinfrastruktur, die alle Partner in den Aufbau eines bedeutenden verteilten Netzwerks für die Gravitationswellenforschung einbindet.“
Für die TUD unterzeichnete Prorektorin Prof. Angela Rösen-Wolff die Kooperationsvereinbarung.
An der Unterzeichnung nahmen auf deutscher Seite neben Christian Stegmann auch Staatssekretärin Heike Graßmann vom SMWK und Prof.in Angela Rösen-Wolff, Prorektorin Forschung und Technologietransfer der TUD teil. Die italienische Delegation wurde von Alessandra Todde, Präsidentin der Autonomen Region Sardinien begleitet.
Außerdem wohnten auch Hubertus Rietscher, Bürgermeister der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal, sowie Emanuele Fenu, Bürgermeister der Stadt Nuoro und Mario Calia, Bürgermeister der Gemeinde Lula der Unterzeichnung bei. Ihre Kommunen zählen zu den potenziellen ET-Standorten in der Lausitz und auf Sardinien. Die Bürgermeister unterstützen das wissenschaftliche Vorhaben und wollen es künftig durch gemeinsame gesellschaftliche Aktivitäten begleiten.
Mit der Vereinbarung setzen die Partner ein deutliches Signal für den gemeinsamen Aufbau einer europäischen Spitzenforschungsinfrastruktur. Das Einstein Telescope zählt zu den wichtigsten Forschungsinfrastrukturvorhaben Europas und ist zugleich eines der priorisierten Großvorhaben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Die Kooperationsvereinbarung knüpft an die Absichtserklärung an, die der Freistaat Sachsen und die Autonome Region Sardinien im Januar 2026 unterzeichnet haben.
Hintergrund: Einstein Telescope
Das Einstein Telescope (ET) ist die geplante europäische Forschungsinfrastruktur der nächsten Generation zur Beobachtung von Gravitationswellen. Mit einer gegenüber heutigen Detektoren deutlich höheren Empfindlichkeit soll es neue Einblicke in die Entstehung Schwarzer Löcher und Neutronensterne, die Entwicklung des Universums sowie grundlegende physikalische Fragestellungen ermöglichen. Für den Bau der Forschungsinfrastruktur gibt es derzeit drei international anerkannte Kandidatenregionen: die Lausitz, Sardinien sowie die Euregio Maas-Rhein. Die Standortentscheidung wird für die zweite Hälfte des Jahres 2027 erwartet.