17.09.2026
„Wer forscht hier eigentlich mit?“ Neue Ausstellung im COSMO zeigt transdisziplinäre Forschung
Eröffnung der COSMO-Ausstellung „Zusammen.Denken.“
Was entsteht, wenn Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft gemeinsam forschen? Die neue COSMO-Ausstellung „Zusammen.Denken. Wer forscht hier eigentlich mit?“ zeigt ab sofort im Kulturpalast Dresden acht Projekte aus Dresden und Sachsen, in denen Forschende gemeinsam mit Menschen aus Praxis und Gesellschaft an konkreten Fragestellungen arbeiten. Sie machen sichtbar, was entstehen kann, wenn wissenschaftliches Wissen und praktische Erfahrung von Beginn an zusammenkommen. Die Ausstellung ist bis zum 26. November 2026 zu sehen. COSMO ist ein interaktives Wissenschaftsforum in Dresden, das aktuelle Forschung in Veranstaltungen und interaktiven Ausstellungen vermittelt. Betrieben wird das COSMO vom Department Speculative Transformation der Technischen Universität Dresden (TUD), dem Barkhausen Institut und dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR).
Wenn Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft zusammentreffen
Die COSMO-Ausstellung „Zusammen.Denken.“ im Kulturpalat Dresden.
Dass verschiedene Fächer zusammenarbeiten, ist nicht neu: Interdisziplinäre Forschung verbindet unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen wie Biologie und Physik oder Informatik und Medizin. Transdisziplinäre Forschung geht darüber hinaus. Sie bezieht Menschen außerhalb der Wissenschaft als gleichberechtigte Partnerinnen und Partner in den Forschungsprozess ein. Stadtverwaltungen, Patientinnen und Patienten, Pflegende, Unternehmen, Feuerwehrleute, Künstlerinnen und Künstler oder Bürgerinnen und Bürger bringen ihr Wissen und ihre Erfahrungen in die Entwicklung von Forschungsfragen und Lösungen ein.
Das kann anspruchsvoll sein: Unterschiedliche Sprachen, Arbeitsweisen und Zeithorizonte treffen aufeinander. Zugleich können gerade daraus Lösungen entstehen, die keine der beteiligten Seiten allein entwickelt hätte.
Gemeinsam forschen – ganz konkret: Von der Kühle-Orte-Karte bis zum Wasserprobensammler
Wie die Zusammenarbeit in der Forschung konkret aussieht, zeigen acht Projekte aus unterschiedlichen Bereichen – von Klimaanpassung und Medizin über nachhaltiges Design bis zur künstlerischen Forschung. Exponate, Filme und interaktive Stationen machen sichtbar, wie die Beteiligten gemeinsam an Forschungsfragen und Lösungen arbeiten.
Gemeinsam gegen Hitze: Im europäischen Projekt Time2Adapt entwickeln Dresden, Lille, Middelburg und Barcelona neue Ansätze für die Anpassung an den Klimawandel. In Dresden entstand gemeinsam mit Bürger:innen unter anderem eine Kühle-Orte-Karte, die zeigt, wo an heißen Tagen kostenfrei Abkühlung zu finden ist – etwa in Parks, Bibliotheken oder auf verschatteten Plätzen.
Wasserproben, wenn der Pegel steigt: Forschende der HTW Dresden haben gemeinsam mit einer Umweltbehörde einen automatisierten Wasserprobensammler entwickelt. Das Gerät hängt direkt im Gewässer und füllt sich, wenn das Wasser steigt. Ist die Probe voll, sendet ein smarter Sensor eine Benachrichtigung. So lassen sich Kontrollfahrten reduzieren. Die Baupläne werden als Open-Source veröffentlicht und können von anderen Behörden, Forschungsgruppen oder Umweltinitiativen weitergenutzt und angepasst werden.
Verstehen ist Teil der Behandlung: Im Bereich der Patientenkommunikation entwickeln Forschende gemeinsam mit Ärzt:innen und Patient:innen visuelle Behandlungspläne, die medizinische Abläufe mit Bildern und Symbolen verständlich machen. Dabei bringen Patient:innen ihre Erfahrungen ein und geben Hinweise: Welche Darstellung ist zu komplex? Was erzeugt Unsicherheit? Was gibt Orientierung?
Warnkleidung, die repariert werden kann: Im Forschungsprojekt ZIRTEX entsteht gemeinsam mit Unternehmen und Akteur:innen aus der Textil- und Warnschutzbranche (z. B. Autobahnmeisterei) ein reparierbares Design, bei dem verschlissene Reflexstreifen künftig ausgetauscht werden können. Das soll die Lebensdauer von Warnbekleidung verlängern und das Recycling erleichtern.
Blick in die COSMO-Ausstellung „Zusammen.Denken.“
Darüber hinaus geht es in der Ausstellung auch um einen dreidimensional verformbaren Holzwerkstoff, einen Forschungsfilm über die Beziehung zwischen Mensch und Zebrafisch sowie um Projekte zur Unterstützung pflegender Angehöriger und zur klimaangepassten Stadtentwicklung.
„Wir wollen zeigen, dass Forschung nicht erst dann mit der Praxis in Kontakt kommt, wenn die Ergebnisse schon feststehen“, erläutert Prof. Jens Krzywinski, Direktor Department Speculative Transformation. „Die spannendsten Fragen und oft auch die besseren Lösungen entstehen, wenn Menschen mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen von Anfang an beteiligt sind.“
Eva Jähnigen, Umweltbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden, ergänzt: „Alle Dresdnerinnen und Dresdner müssen sich darauf einstellen, dass wir zukünftig vermehrt Wetterextreme erleben werden. Die Spannbreite reicht von sehr heißen Tagen bis Starkregen - zwei sehr unterschiedliche Klimafolgen - darauf müssen wir uns in Dresden gleichermaßen und kurzfristig einstellen. Wir brauchen dafür nicht nur gute Konzepte, sondern auch Angebote, die im Alltag der Menschen ankommen. Mit der Karte der kühlen Orte und dem 3D-Starkregenportal haben wir zwei Tools geschaffen, die den Menschen und Unternehmen helfen, ihre Betroffenheit bei solchen Extremwettereignissen besser einschätzen zu können. So können sie sich optimalerweise darauf vorbereiten und Schutzmaßnahmen einleiten. Wir laden die Dresdnerinnen und Dresdner ein, sich - ganz im Sinne der transdisziplinären Forschung, die über wissenschaftliche Forschungs- und Fächergrenzen hinausgeht und Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Bereichen einbezieht - aktiv einzubringen und diese beiden Lösungen noch zu verbessern."
Forschung kennenlernen und mit Forschenden ins Gespräch kommen
Die Ausstellung bietet zudem Gelegenheiten, die Menschen hinter den Projekten kennenzulernen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forschende ganz nah“ kommen Besuchende direkt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Projektbeteiligten ins Gespräch. Den Auftakt bildet am 17. September ein Gespräch mit der Künstlerin und Forscherin Carolyn Kirschner über ihr Filmprojekt „There Is No Such Thing as a Fish“, das sich damit auseinandersetzt, wie Zebrafische unser Bild vom eigenen Körper und unser Verhältnis zur nicht-menschlichen Welt verändern.
Weitere Termine und Informationen zum Begleitprogramm sind auf der Website des COSMO Wissenschaftsforums zu finden.
Wer hinter der Ausstellung steht
Die Ausstellung „Zusammen.Denken.“ wird vom Department Speculative Transformation (DST) des Centers for Interdisciplinary Digital Sciences (CIDS) der TU Dresden veranstaltet. Beteiligt sind unter anderem Forschende und Partner aus der Technischen Universität Dresden (TUD), der HTW Dresden, dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) und der Landeshauptstadt Dresden.
Zu den beteiligten Einrichtungen und Projekten gehören das Center for Open Digital Innovation and Participation (CODIP), die S+T+ARTS Ec(h)o Residency der Kustodie der TUD sowie die TUD-Professuren für Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie, für Technisches Design und die Professuren für Wasserwesen und für Informationsmanagement an der HTW Dresden.
Ausstellung auf einen Blick
„Zusammen.Denken. Wer forscht hier eigentlich mit?“
15. September bis 26. November 2026
COSMO Wissenschaftsforum, Schloßstraße 2, 01067 Dresden
Dienstag bis Donnerstag, 13:00–18:00 Uhr (außer an Feiertagen) – Eintritt frei
Gruppenführungen sind auf Anfrage auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten möglich. Die Führungen werden auf Deutsch oder Englisch angeboten, dauern etwa eine Stunde und sind ab zehn Personen möglich. Anfragen an:
Weitere Informationen und das Veranstaltungsprogramm:
https://www.cosmo-wissenschaftsforum.de/zusammen-denken/
Pressekontakt:
Maria Matthes
Koordinatorin Department Speculative Transformation (DST), TU Dresden
E-Mail:
Telefon: 0351 - 463 35755