Interview mit Alexander Adler
Meine Namensgebärde geht so [Hand weg vom Kopf]. Diese Gebärde wurde mir von anderen Personen gegeben, weil meine Haare nach vorne abstehen.
Das ist ganz abhängig von der Person. Es gibt Personen, die super motiviert sind, schnell lernen und große Fortschritte machen. Andere Personen brauchen länger, auch wenn sie sich anstrengen. Das ist das gleiche wie im Englisch-Unterricht: Manche lernen schneller, andere langsamer
Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) und die Deutsche Lautsprache sind extrem unterschiedlich. So wie die Lautsprache ihrem festen Satzbau folgt, so hat die DGS ihre eigene Grammatik und ist anders als diese aufgebaut. Im Deutschen sagt man „Wie geht’s?“ – in DGS ist es dagegen „GEHT GUT?“. Dazu ist die Mimik ein wichtiger Teil der Gebärdensprache.
Einem schriftlichen Text würde man in der Lautsprache genauso folgen, wie er geschrieben ist. In DGS hingegen kann derselbe Text oft schneller wiedergegeben werden, da viele Informationen parallelgeschaltet sind und gleichzeitig übermittelt werden können. Das wirkt auf dem ersten Blick kompakter, trotzdem gehen dabei natürlich keine Details verloren!
Wenn ich einer anderen tauben Person begegne, zum Beispiel aus Frankreich, können wir nicht einfach unsere eigene Sprache verwenden. Taube Franzosen nutzen LSF (Langue des signes française), ich hingegen DGS (Deutsche Gebärdensprache) und diese Sprachen sind sehr unterschiedlich.
In diesem Fall greifen wir stattdessen auf einfachere Kommunikationsmittel zurück: Wir bauen Bilder auf und nutzen viele ikonische Gebärden – etwa die Gebärde für ‚Trinken‘, die universell verständlich ist.
Wollen wir tiefergreifende Gespräche führen, verwenden wir International Sign – eine stark visuelle Kommunikationsform, die sich hervorragend für den Austausch mit anderssprachigen Personen eignet.
Ja, tun wir. Toll ist es, wenn die Lehrkraft ASL beherrscht und damit dann Englisch vermitteln kann. Hat die Lehrkraft leider keine ASL-Kompetenz, wird in DGS gebärdet und dazu Englisch schriftlich vermittelt. Es läuft also parallel mit Deutsch und Englisch.
Ja, ich träume in Bildern und wenn Menschen im Traum vorkommen, gebärden diese. So ganz genau kann ich mich an meine Träume nicht erinnern, das ist ein bisschen schwammig, aber es kommen auf jeden Fall Gebärden vor!
Meine ganze Familie ist hörend, deswegen bin ich es sehr gewohnt, dass wenig Kommunikation zwischen uns passiert. Familienfeiern sind für mich beispielsweise super langweilig, mir werden höchstens einfache Fragen wie „Wie geht’s dir?“ gestellt, über andere Themen wird sich mit mir nicht unterhalten und Gespräche zwischen anderen Personen gehen komplett an mir vorbei.
Auch in der Gehörlosenschule war nicht alles rosig, denn nicht alle Lehrer:innen hatten eine gute Gebärdensprachkompetenz vorzuweisen. Sie versuchten sich mit einer Mischung aus halb Sprechen und halb Gebärden zu verständigen. Im Alltag, wenn ich z. B. zum Bäcker gehen möchte, stoße ich ebenfalls auf Kommunikationsbarrieren und muss mich mit Gestik oder mit Stift und Papier verständigen.
Wünschenswert wäre wenn mehr hörende Menschen die Gebärdensprache lernen würden. Vielleicht auch mal Veranstaltung besuchen würden, sich kennenlernen, austauschen, Gebärden üben. In Dresden gibt es viele Sportvereine oder soziale Vereine für Taube. Dort vielleicht einfach mal vorbeigehen und Hallo sagen.
Also mein Ziel ist es, dass alle Gebärdensprache beherrschen. Wenn hörende Kinder bereits frühzeitig in der Schule die Deutsche Gebärdensprache im Unterricht erlenen würden, könnte dann das Bewusstsein entstehen, dass es eine weitere Sprache ist, die man parallel zur eigenen Muttersprache benutzen kann, von der man profitiert. Das wäre toll!
Und auch die Vorstellung, dass es Roboter gibt, die Gebärdensprache können. Natürlich müssen sie gut programmiert werden und lernen, wie Mimik eingesetzt und Handbewegungen ausgeführt werden. Aber das wäre auch toll
Also große Hindernisse gibt es zum Beispiel am Bahnhof. Je nach Bahnhof findet man nicht immer moderne, digitale Anzeigetafeln vor. Wenn ich am Gleis stehe, kann ich mir nicht immer sicher sein, ob der Zug kommt oder ausfällt, da diese Informationen über Lautsprecherdurchsagen mittgeteilt werden, die ich natürlich nicht hören kann. Ähnlich ergeht es mir im Zug, wenn er nicht zur eigentlichen Abfahrtszeit losfährt. Im Zug werden aktuelle Informationen zu Fahrtenänderungen via Lautsprecherdurchsage verkündet und ich bekomme es nicht mit.
Das ist schon eine große Barriere. Und wenn ich dann zum Informationsschalter gehe, um nachzufragen, ist die Kommunikation sehr mühsam und kaum möglich. Das ist schwierig.
Also wenn ich von einem Verbesserungsvorschlag träumen würde, dann, dass einfach alle Menschen gebärden können. Egal wo ich dann hingehe oder einen Termin habe, ich kann mich ganz einfach in Gebärdensprache verständigen. Oder wenn ich einen Vortrag besuchen würde und einfach alles in Gebärdensprache ablaufen würde. Damit würde ich mich natürlich sehr gut und wohl fühlen.
Ich kann den Film "Coda" empfehlen. Wer mehr über die Filmhandlung erfahren möchte und Interesse an dieser Thematik hat, der sollte sich ihn unbedingt anschauen. Ein Buch, dass ich auch empfehlen kann, nennt sich "Handbuch Deutsche Gebärdensprache". Man findet auch viele Informationen im Internet, zum Beispiel auf der Seite "Taubenschlag".
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Habt ihr Interesse bekommen an der Tauben Community? Wir haben eine Menge Witze auf Lager! Wenn ihr die Deutsche Gebärdensprache lernt und euch stetig verbessert, kann ich euch vielleicht irgendwann Witze erzählen und ihr werdet euch köstlich amüsieren!