23.03.2026
Ausbildungserfolg in der sächsischen Lehrkräftebildung unter der Lupe.
Fachtag "Ausbildungserfolg und Schwund in der sächsischen Lehrkräftebildung" an der TU Dresden bringt Sachsens Hochschulen und Lehrerausbildungsstätten zusammen.
Wie viele junge Menschen, die ein Lehramtsstudium an einer sächsischen Hochschule beginnen, werden einige Jahre später Lehrkraft an einer sächsischen Schule? Welche Ursachen und Umstände führen dazu, dass sich angehende Lehrkräfte im Verlauf ihrer Ausbildung umorientieren, andere Wege einschlagen und nicht Lehrerin oder Lehrer werden? Diesen Fragen widmete sich eine Tagung, die das Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB) der TU Dresden am 16. März 2026 ausrichtete.
Der sächsische Staatsminister für Wissenschaft Sebastian Gemkow unterstrich gleich zu Beginn des Fachtags die Bedeutung eines effektiven Ausbildungssystems für die Lehrkräfteversorgung an Sachsens Schulen; „In einem kleiner werdenden Bewerbermarkt können wir es uns nicht leisten, Talente auf dem Weg in den Schuldienst zu verlieren. Unser Ziel muss es sein, möglichst viele derjenigen, die sich für ein Lehramtsstudium entscheiden, erfolgreich bis zum Berufseinstieg zu begleiten.“
Bundesweit ist die Datenlage zu Studienerfolg und Studierendenschwund im Lehramt defizitär. Auch dazu, wie viele Referendarinnen und Referendare den Vorbereitungsdienst in der Schule erfolglos abbrechen, gibt es bislang kaum systematische Informationen. Mit dem Fachtag an der TU Dresden machen die Verantwortlichen für die Lehrkräftebildung in Sachsen nun einen großen Schritt hin zu einer differenzierten Bestandsaufnahme. Vertreterinnen und Vertreter der TU Dresden, der Universität Leipzig und des Landesamts für Schule und Bildung präsentierten ihren Kenntnisstand zu Studien- und Ausbildungsverläufen im Lehramt.
Durch den Tag führte Prof. Falk Radisch von der Universität Rostock, der sich als Bildungsforscher eingehend mit Bildungsverläufen in der Lehrkräftebildung befasst. Er betont: „Aus meiner Sicht ist es mit diesem Fachtag erstmals gelungen, die Institutionen und Personengruppen aus Forschung, Hochschulleitung, Bildungsadministration und Bildungspolitik zusammenzuführen. Das birgt gehörige Chancen.“
Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Brigitte Latzko (Universität Leipzig), Prof. Dr.-Ing. Niels Modler (TU Dresden), Dr. Georg Ronny Müller (LaSuB), Dr. Ralf Schlöffel (LaSuB) und Prof. Dr. Falk Radisch (Universität Rostock) (von links nach rechts)
Die präsentierten Befunde machen deutlich, dass Studienerfolg und Studierendenschwund in den Studiengängen für verschiedene Lehrämter und Unterrichtsfächer sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Im Vergleich der Hochschulen zeigen sich dagegen große Ähnlichkeiten. Während die Erfolgsquoten im Grundschullehramt und im Lehramt Sonderpädagogik sehr hoch sind, zeigt sich insbesondere in den Studiengängen für das Lehramt an Oberschulen sowie das Lehramt an berufsbildenden Schulen ein deutlicher Studierendenschwund, der unter anderem in naturwissenschaftlichen Studienfächern besonders stark ausgeprägt ist. Prof. Axel Gehrmann, der als Direktor des Zentrums für Lehrkräftebildung die Verlaufsanalysen zu den Lehramtsstudiengängen der TU Dresden verantwortet, weist allerdings darauf hin, dass das vorzeitige Verlassen eines bestimmten Studienganges nicht in jedem Fall ein persönlicher Misserfolg für den betreffenden Studierenden und ein Verlust einer angehenden Lehrkraft für Sachsen ist. Einem Studiengang- oder Hochschulwechsel folgt häufig ein erfolgreicher Abschluss in einem anderen Unterrichtsfach, einem anderen Lehramt oder an einer anderen Hochschule. „Obwohl nicht jeder Fall von Schwund problematisch ist, gibt es doch in einigen Studiengängen und Studienfächern Handlungsbedarf, um den Studienerfolg zu erhöhen“, fasst Axel Gehrmann zusammen.
Die Gründe für Studienwechsel und Studienabbruch sind sehr vielfältig, wie Studien der Universität Leipzig und des ZLSB der TU Dresden zeigen. So hängt Studienerfolg einerseits von den persönlichen Voraussetzungen der Studierenden und ihrem Studierverhalten ab. Zugleich lassen sich aber auch Merkmale der Studiengänge identifizieren, die zu Abbruch- und Wechselentscheidungen beitragen.
Der Fachtag in Dresden diente dem Austausch über den Kenntnisstand zum Ausbildungserfolg und Schwund in der Lehrkräftebildung über die beteiligten Institutionen hinweg. Auf dieser Basis – darüber waren sich die Anwesenden einig – sollen in den kommenden Monaten gemeinsam gezielte Maßnahmen zu Erhöhung des Ausbildungserfolgs entwickelt werden.
Kontakt: Dr. Rolf Puderbach, ZLSB (rolf.puderbach@tu-dresden.de)