16.02.2026
Lehramtsoptimierte MINT-Studiengänge der TU Bergakademie Freiberg eröffnen neue Wege ins Lehramt
Erste Befunde der wissenschaftlichen Begleitung durch das ZLSB der TU Dresden liegen vor.
Der Lehrkräftemangel in Sachsen ist je nach Region, Schulart und Unterrichtsfach unterschiedlich stark ausgeprägt. Im ländlichen Raum, an Oberschulen und in naturwissenschaftlichen Fächern ist der Bedarf besonders hoch. Genau dort setzt das Kooperationsprojekt „Lehramt4you“ der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TUBAF) und der TU Dresden an. Zwei sogenannte lehramtsoptimierte Bachelorstudiengänge der TUBAF – Angewandte Naturwissenschaft und Angewandte Informatik – richten sich an eine naturwissenschaftlich interessierte und regional verbundene Personengruppe. Die Studieninhalte sind so gestaltet, dass nach Abschluss sowohl ein Übergang in einen grundständigen Lehramtsstudiengang als auch ein Seiteneinstieg in den Schuldienst möglich sind. Die wissenschaftliche Begleitung durch das ZLSB hat unter anderem zum Ziel, das Potential der neuen Studiengänge zur Gewinnung einer neuen Zielgruppe für den Lehrerberuf zu identifizieren.
Im Herbst 2025 wurden hierfür Studierende der lehramtsoptimierten Studiengänge zu einer Befragung eingeladen, an denen sich 52 Personen und damit knapp ein Drittel der Studierenden beteiligten. Um zu überprüfen, inwiefern mit den lehramtsoptimierten Studiengängen der TUBAF eine Zielgruppe für das Lehramt adressiert wird, die bislang nicht für die klassischen Lehramtsstudiengängen gewonnen werden kann, wurden die Befragungsbefunde mit den Ergebnissen einer Studieneingangsbefragung in den Lehramtsstudiengängen der TU Dresden verglichen.
Der Einführung der lehramtsoptimierten Studiengänge lag die Erwartung zugrunde, dass es Studieninteressierte in der Region Freiberg gibt, die einen Studienort nahe des Heimatortes bevorzugen und sich daher nicht für ein Lehramtsstudium in Leipzig oder Dresden entscheiden. Die neuen Studiengänge der TUBAF ermöglichen ein Studium in der Region, welches die Zuwendung zum Lehramt zu einem späteren Zeitpunkt offenhält.
Die vorliegenden Befunde zeigen, dass die TUBAF-Studiengänge tatsächlich eine überwiegend regionale Studierendenschaft erreichen. Nur wenige Studierende kommen für das Studium aus anderen Bundesländern nach Freiberg. Die aus Sachsen stammenden TUBAF-Studierenden zeichnen sich allerdings nicht durch eine besondere Heimatverbundenheit aus. Im Vergleich zu den Studienanfänger:innen in den Lehramtsstudiengängen der TU Dresden äußern sie sogar deutlich seltener die feste Absicht, nach dem Studium in Sachsen zu bleiben. Sie zeigen sich also tendenziell besonders mobil.
Die Nähe des Studienortes zum Heimatort spielt sowohl für die Lehramtsstudierenden der TU Dresden als auch die Studierenden der untersuchten TUBAF-Studiengänge eine wichtige Rolle. Während die Lehramtsstudierenden darüber hinaus häufig familiäre und persönliche Gründe sowie die Attraktivität der Stadt Dresden als Motive für die Studienortwahl anführten, äußerten die Studierenden der TUBAF-Studiengänge für Angewandte Naturwissenschaft und Angewandte Informatik häufig studiengang- und hochschulbezogene Motive.
Fragt man die Studierenden der lehramtsoptimierten Studiengänge der Bergakademie nach möglichen zukünftigen Berufsfeldern, zeigt sich, dass sich nur wenige Befragte eine Tätigkeit als Lehrkraft im Schuldienst vorstellen können. Unter den Studierenden der Angewandten Informatik ist das Interesse am Lehramt etwas weiter verbreitet als im Studiengang der Angewandten Naturwissenschaft. Eine Tätigkeit in der Wissenschaft oder im Bereich der angewandten Forschung scheint für die angehenden Naturwissenschaftler:innen deutlich attraktiver zu sein. Die Informatikstudierenden können sich hingegen häufig eine Anstellung in Industrie- oder Dienstleistungsunternehmen vorstellen.
Diese ersten Befunde der Studierendenbefragungen deuten darauf hin, dass die in den Studiengängen angelegte Option einer Lehramtskarriere für die Mehrheit der Immatrikulierten bislang keine große Rolle spielt. „Regional verwurzelte oder gebundene Studierende, die das Lehramt bereits während des Studiums an der TUBAF konkret als Berufsoption in Erwägung ziehen, sind in den untersuchten Jahrgängen selten“, resümiert Sebastian Thiele, der im ZLSB der TU Dresden für die Begleitforschung im Projekt „Lehramt4you“ zuständig ist. „Das Ziel der lehramtsoptimierten Studiengänge ist es, den Studierenden die Berufsoption Lehramt durch die besondere Studienstruktur offen zu halten. Zielgruppe sind gerade jene Studierenden, die nicht von Anfang an den Berufswunsch der Lehrkraft erschließen.“
Dieses Studienmodell besonders jenen Studieninteressierten in der Region nahezubringen, die sich ein wohnortnahes Studium mit vielfältigen Anschlussoptionen wünschen, wird ein Schwerpunkt der künftigen Maßnahmen zur Studierendengewinnung sein.
© S. Thiele
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
NameHerr Sebastian Thiele M. A.
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Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB)
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