06.08.2026
CIPSEM-Alumni-Seminar fördert das Lernen im Bereich Klimaanpassung mithilfe des „Navigating Uncertainty“-Modells
Das CIPSEM-Alumni-Seminar 2026 befasste sich mit der Frage, was es bedeutet, Herausforderungen der Klimaanpassung gemeinsam und kontextübergreifend zu bewältigen. Zum ersten Mal nutzte das Seminar das Dialogmodell „Navigating Uncertainty“ in einem kompakten zweiwöchigen Online-Format und verwandelte es in einen gemeinsamen Lernraum für Systemdenken, den Austausch unter Gleichgesinnten und die gemeinsame Erforschung von Problemen.
Das Dialogmodell „Navigating Uncertainty“ und ausgewählte Instrumente, die eingesetzt werden, um vom Systemverständnis zum gemeinsamen Handeln zu gelangen.
Die Teilnehmenden brachten ein breites Spektrum an regionalen und beruflichen Perspektiven in das Seminar ein. Sie kamen aus Ländern wie Bolivien, Kamerun, Ghana, Guatemala, Indonesien, Nepal, Papua-Neuguinea, Peru, Trinidad und Tobago, der Ukraine und Simbabwe und waren in Bereichen wie öffentlicher Verwaltung, Kommunalverwaltung, Forschung, Zivilgesellschaft, Beratung und internationaler Zusammenarbeit tätig. Diese Vielfalt prägte das Seminar auf sehr praktische Weise, da die Teilnehmergruppe gemeinsam an drei von den Teilnehmern eingebrachten Fallbeispielen arbeitete und dabei sowohl etwas über drängende Anpassungsherausforderungen als auch über das Dialogmodell als praktische Methode lernte.
Das Seminar war um drei Fallbeispiele aus der Praxis herum aufgebaut, die von Teilnehmer*innen aus Ghana, Guatemala und Simbabwe vorgestellt wurden. Diese Herausforderungen bildeten den gemeinsamen Ausgangspunkt für die gesamte Gruppe, die mithilfe der Instrumente des Modells von ersten Beobachtungen zu tieferen Mustern, strukturellen Ursachen, der Dynamik der Akteur*innen und möglichen Handlungswegen gelangte. Auf diese Weise waren die Fallbeispiele nicht nur Diskussionsthemen, sondern auch Mittel zum gemeinsamen Lernen.
Ein Fallbeispiel konzentrierte sich auf die Abfallwirtschaft in Kumasi, Ghana. Es wurde von Eldad Kwaku Ackom, Leiter der Nachhaltigkeitsprogramme bei der JSO Group of Companies, vorgestellt und befasste sich mit der Frage, wie ein lineares und ineffizientes System in ein klimafreundliches, kreislauforientiertes und inklusives Modell umgewandelt werden könnte, das informelle Abfallarbeiter anerkennt und einbezieht. Während die Teilnehmergruppe den Fall durcharbeitete, ergaben sich aus der Diskussion weiterreichende Fragen zu sozialer Gerechtigkeit, öffentlicher Gesundheit, Überschwemmungen, Kreislaufwirtschaft und den Beziehungen zwischen Kommunen, Gemeinden, Recyclingunternehmen und dem informellen Sektor.
Ein zweiter Fall, vorgestellt von Issa Daniela Secaira Mancía, Beraterin für Klimawandel und Nachhaltigkeit bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank, konzentrierte sich auf die Herausforderung, verstreut lebende Kleinbauern in Guatemala mit tragfähigen Märkten, unternehmerischer Unterstützung und fördernden Institutionen zu vernetzen. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit diesem Fall verdeutlichte die Komplexität klimagefährdeter Ernährungssysteme und die Notwendigkeit, agroökologische Produktion mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit, Vertrauensbildung und stärkeren Verbindungen zwischen Produzenten, Verbrauchern und Institutionen zu verknüpfen.
Der dritte Fall stammte von Nkanyiso Ndlovu, Leiter der Abteilung für Abfallwirtschaft der Stadt Bulawayo und Mitglied des Klimaschutzausschusses der Stadt. Sein Fall befasste sich mit Wasserstress, Dürre und lokaler Resilienz in Bulawayo, Simbabwe, und löste eine breitere Diskussion über Grundwasseranreicherung, blau-grüne Infrastruktur, institutionelle Zusammenarbeit und Möglichkeiten zur Verringerung der übermäßigen Abhängigkeit von Niederschlägen unter zunehmend unsicheren klimatischen Bedingungen aus.
Das Seminar wurde durch thematische Vorträge bereichert, die den Blick über die drei Fallbeispiele hinaus erweiterten, dabei aber eng mit deren Anliegen verknüpft blieben. Adriana vom Wuppertal-Institut stellte das „EcoZones“-Konzept für gemeindebasierte und lokal gesteuerte Klimaanpassung vor und veranschaulichte, wie Bewertungen auf Nachbarschaftsebene, gemeinsames Kartieren und Mitgestaltung eine inklusivere städtische Klimaschutzarbeit unterstützen können. Nadia Frank John aus Trinidad und Tobago, Verkehrsplanerin in der Abteilung für öffentliche Infrastruktur und Verkehr des Tobago House of Assembly und leitende Forscherin bei der Caribbean Mobility and Resilience Initiative, zeigte am Beispiel von Schulzonen in Tobago, wie Fragen der Mobilität, der bestehenden Infrastruktur und der Klimaresilienz in der alltäglichen Planungspraxis zusammenwirken.
Eine zweite Diskussionsrunde richtete den Fokus auf Governance, Institutionen und Infrastruktur. Yamikani Harry Makwinya, ursprünglich aus Malawi stammend und derzeit in Deutschland als Doktorand am UNU-FLORES tätig, sprach über institutionelle Vernetzung, Klimafinanzierung und die Bedeutung der Verknüpfung formaler Systeme mit dem Wissen der Gemeinschaften und den gelebten Realitäten in sozioökologischen Systemen. Rupesh Shrestha aus Nepal, Architekt beim Kathmandu Valley Heritage Trust, lieferte Einblicke in die blau-grüne Infrastruktur und zeigte auf, wie adaptive und naturbasierte Stadtgestaltung dazu beitragen kann, wasserbezogene Risiken zu bewältigen, wobei jedoch auch eine unterstützende Planungskultur und politisches Engagement erforderlich sind.
Während des gesamten Seminars half das Dialogmodell „Navigating Uncertainty“ den Teilnehmenden, über isolierte technische Lösungen hinauszugehen und Beziehungen, Interessen, Strukturen und wiederkehrende Muster genauer zu betrachten. In der abschließenden Reflexion hoben die Teilnehmenden nicht nur hervor, was sie aus den Herausforderungen und Kontexten der anderen gelernt hatten, sondern auch das Vertrauen, das sie in die Anwendung des Modells in ihrer eigenen Arbeit gewonnen hatten. Ebenso wichtig war, dass das Seminar die Verbindungen innerhalb des Alumni-Netzwerks stärkte und zeigte, wie ein kompaktes Online-Format dennoch Vertrauen, gemeinsames Lernen und ein starkes Gefühl der Praxisgemeinschaft schaffen kann.
Eindrücke von Alumni des UNEP/UNESCO/BMUKN-Programms, die am Online-Dialog und Peer-Konsultationsprozess „Navigating Uncertainty“ Alumni Seminar 2026 teilgenommen haben.