21.09.2026
MILA.mobility gestartet – Gemeinsam vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb
Mit dem offiziellen Projektauftakt am 21. September 2026 in Berlin ist das bundesweite Forschungs- und Entwicklungsprojekt MILA.mobility gestartet. Auch die Technische Universität Dresden ist Teil des 30 Partner umfassenden Konsortiums. Gemeinsam arbeiten Partner aus Verkehrsunternehmen, Industrie, Wissenschaft und Verbänden daran, autonome Mobilität über einzelne Pilotprojekte hinaus in den öffentlichen Personennahverkehr zu integrieren.
Autonome Fahrzeuge allein machen noch keinen autonomen ÖPNV. Entscheidend ist, dass Fahrzeuge verschiedener Hersteller zuverlässig mit Leitstellen, Dispositions- und Buchungssystemen sowie der vorhandenen Infrastruktur zusammenarbeiten können. Genau an dieser Stelle setzt MILA.mobility an. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stellt beim Projektstart deshalb den Schritt vom Pilotprojekt in Richtung Regelbetrieb in den Mittelpunkt.
MILA steht für „Middleware-Integration von Leitstellen- und Dispositionssystemen für Autonome Mobilität“. Im Projekt wird dabei nicht ein weiteres autonomes Fahrzeug entwickelt. Vielmehr soll eine offene, herstellerneutrale digitale Plattform entstehen, die autonome Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller mit den bereits vorhandenen Systemen des ÖPNV verbindet.
Damit adressiert MILA eine wesentliche Herausforderung für die Skalierung autonomer Mobilitätsangebote: In bisherigen Pilotprojekten entstehen häufig projektspezifische Lösungen. Fehlende gemeinsame Schnittstellen erschweren die Zusammenarbeit zwischen Fahrzeugen, Leitstellen und Softwaresystemen verschiedener Anbieter und erhöhen den Integrationsaufwand. MILA soll hierfür eine übertragbare technische Grundlage schaffen und den Übergang in den späteren Regelbetrieb erleichtern.
Vom virtuellen Labor auf die Straße
Die Entwicklung und Erprobung erfolgt in drei aufeinander aufbauenden Zyklen. Zunächst werden Komponenten und Schnittstellen in einem virtuellen Labor untersucht und erprobt. Anschließend werden die Ergebnisse schrittweise in fünf Testfeldern unter realen Bedingungen weiterentwickelt:
- Leipzig
- Region Hannover
- Region München
- Ludwigslust-Parchim
- Rhein-Main-Gebiet
Die Testfelder bilden unterschiedliche Einsatzbedingungen des öffentlichen Verkehrs ab. Dabei soll insbesondere gezeigt werden, dass Fahrzeuge, Leitstellen und Dispositionssysteme verschiedener Anbieter zuverlässig zusammenarbeiten können. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen fortlaufend in die Weiterentwicklung von Architektur, Software und Prüfverfahren ein.
Forschung für skalierbare autonome Mobilität
Für uns als Professur für Fahrzeugmechatronik stellt das Projekt MILA die konsequente Fortsetzung unserer Projekte ABSOLUT II und SIAS-ÖV zur Automatisierung des öffentlichen Verkehrs dar, da es auf die Standardisierung der Schnittstellen und damit die freie Kombination u.a. von Kundenapp, Leitstelle, Fahrzeug und Automatisierungssystem abzielt. Unsere Arbeiten in MILA umfassen neben der fahrzeugseitigen Schnittstellenintegration in das Open-Source Automatisierungsframework Autoware die Bereitstellung eines digitalen Zwillings unseres automatisierten VW e-Crafters für die Projektpartner sowie den Realbetrieb im Testfeld Leipzig.
Mit MILA rückt nun insbesondere die herstellerübergreifende Integration und Skalierbarkeit in den Mittelpunkt: Wie können unterschiedliche Fahrzeuge und bestehende ÖPNV-Systeme so miteinander verbunden werden, dass Lösungen nicht auf einzelne Demonstratoren beschränkt bleiben, sondern auf andere Betreiber und Regionen übertragbar werden?
MILA.mobility in Zahlen
An MILA.mobility arbeiten 30 Projekt-partner. Die Konsortialführung liegt bei den Leipziger Verkehrsbetrieben. Das Projekt läuft über 44 Monate bis zum 31. März 2030 und verfügt über ein Gesamtvolumen von rund 57 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben mit rund 33,8 Millionen Euro.
Neben der technischen Entwicklung und Erprobung spielt auch die Standardisierung eine zentrale Rolle. Zu den geplanten Ergebnissen gehören technische Referenzen und Testverfahren, Vorschläge für Standards sowie Betriebs- und Geschäftsmodelle und rechtliche Empfehlungen. Ziel ist eine Lösung, die über die einzelnen Testfelder hinaus für den gesamten ÖPNV nutzbar und auf andere Regionen übertragbar ist.
Weitere Informationen
- MILA.mobility beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV): VDV – Autonomes Fahren im ÖPNV / MILA.mobility
- Beitrag zum Projektstart auf LinkedIn: VDV auf LinkedIn – MILA.mobility startet
- Vorheriges Forschungsprojekt Fahrzeugmechatronik: ABSOLUT II erfolgreich abgeschlossen