04.04.2025
Prof. Hannes Ziegler – Neuer Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit
Seit Oktober 2024 ist Hannes Ziegler Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der TU Dresden. Zuvor hat er in München und Edinburgh Geschichte und Ethnologie studiert und im Anschluss in München als Assistent bei Arndt Brendecke seine Doktorarbeit geschrieben. Seit 2016 war er für annähernd fünf Jahre am DHI London und kehrte im Anschluss mit einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe nach München zurück. Von dort aus, und nachdem er sich 2022 habilitiert hatte, wurde er vergangenes Jahr an die TU Dresden berufen.
Nach seinem ersten Semester an der TUD erzählt er nun im Portrait mehr darüber, was ein gutes Projekt ausmacht und welche Lehren er aus seiner Dissertation ziehen konnte:
Name: Prof. Hannes Ziegler
Position/Professur: Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit
Institut/Fakultät: Institut für Geschichte, Philosophische Fakultät
Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte und Forschungsinteressen?
Mein Schwerpunkt liegt in den letzten Jahren, und sicher auch künftig, im Bereich der englischen und britischen Geschichte der Frühen Neuzeit, d.h. im Zeitraum von ca. 1500 bis 1800. Aber auch mit der deutschen Geschichte habe ich mich intensiv befasst, daneben – methodisch – mit der Geschichte der Emotionen. In der Lehre versuche ich, diese Themen recht breit abzudecken, um Studierenden eine Übersicht ebenso zu vermitteln wie die Möglichkeit, einzelne Themen bei Interesse über Seminare zu vertiefen.
Was war Ihr interessantestes bzw. spannendstes Forschungsprojekt?
Das spannendste und interessanteste Projekt war meine Doktorarbeit. Es ging darin um die Frage, ob und wie die politischen Beziehungen der Frühen Neuzeit durch den Faktor Vertrauen bestimmt waren und, noch wichtiger für mich, auf welchem methodischem Wege man das aus heutiger Sicht untersuchen kann.
Das Thema ist aber grundsätzlich beliebig. Es war das spannendeste und interessanteste Projekt, weil die Dissertation eine Phase des akademischen Arbeitens ist, in der man sich beweisen muss. Vor anderen, aber mehr noch vor sich selbst: Kann man das eigentlich, eine Dissertation schreiben? Es ist, bis zu einem gewissen Grad, eine sehr existenzielle Erfahrung und ich glaube, dass sich Themen, die so eng mit dem eigenen Lebensweg verbunden sind, tief ins Gehirn graben. Das Kuriose ist: Für Außenstehende sind, was für einen selbst so spannend ist, oft sehr gewöhnliche, manchmal langweilige Fragen. Auch das ist eine wichtige Erfahrung.
An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell?
Ich würde mich – ganz ohne Koketterie – als „between projects“ bezeichnen. Die Qualifikationsarbeiten sind abgeschlossen, einzelne Publikationsprojekte beschäftigen mich (beispielsweise und u.a. eine Überblicksdarstellung zur englischen Geschichte und eine Einführung in mein Fachgebiet) und ich bin viel damit beschäftigt, mich in der neuen Rolle und den neuen Aufgaben zurecht zu finden und wohlzufühlen. Projekte kann man auch gar nicht erzwingen: Ein gutes Projekt überfällt einen und lässt einen dann für eine ganze Zeit nicht mehr los. Um sie zu zuzulassen, muss man sich allerdings manchmal zurücklehnen.
Was darf auf Ihrem Schreibtisch auf keinen Fall fehlen?
Eine Tasse starker Darjeeling mit Milch – what the English call „builder’s brew“.
Haben Sie ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches und von wem ist es?
„Die Ökonomie der Logik, die abverlangt, nicht mehr Logik einzusetzen, als für die Bedürfnisse der Praxis nötig ist, bewirkt, daß das Universum des Diskurses, in bezug auf welches diese oder jene logische Klasse (also sein Komplementär) gebildet wird, implizit bleiben kann, weil es in jedem einzelnen Fall in und durch das praktische Verhältnis zur Situation impliziert definiert wird.“ – Pierre Bourdieu [just kidding]
Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
„The Crow Road“ von Iain Banks
Weitere Infos über Sie gibt es auf...
...den Seiten der Professur: https://tu-dresden.de/gsw/phil/ige/fnz/die-professur/professor-prof-dr-hannes-ziegler