13.05.2026
Forschungsmethoden für die Unischulkids – Studierende erstellen Lernmaterialien
Die Universitätsschule Dresden kennenlernen können Lehramtsstudierende der TU Dresden auch im Sommersemester 2026. Wie ermöglicht das Konzept, mit der Projektmethode als didaktischem Kern, das Lernen im eigenen Tempo und geleitet an den Interessen der Schülerinnen und Schüler? Mit welchen Lernmaterialien wird dies im Schulalltag umgesetzt und wie entstehen sie? Diese Fragen beantworten zukünftige Lehrkräfte im Seminar „Forschungsmethoden - Lernmaterial mit Schüler:innen entwickeln und erproben“ bei Hospitationen und ganz praktisch bei der Lernmaterialerstellung und -erprobung. Die von Studierenden erstellten Darbietungskonzepte gehen in den Materialpool der Universitätsschule Dresden ein.
Bereits erstellt und erprobt haben Studierende Materialien zu den Methoden ‚ Mindmap erstellen‘ und ‚Stichpunkte erstellen‘, die nun an der Universitätsschule Dresden eingesetzt werden. Die Seminarteilnehmer:innen fokussierten sich im letzten Durchlauf auf die Mittelstufe. Hier lernen die Kinder in jahrgangsgemischten Gruppen von den Jahrgangsstufen 4 bis 6.
Nun stehen mit Materialien zum ‚Informationen aus digitalen Texten entnehmen‘ und ‚Informationen aus Videos entnehmen‘ zwei Themen zur digitalen Recherche auf dem Wunschzettel der Mittelstufe. Außerdem sollen auch für die Grundstufe (Jahrgangsstufen 1 bis 3) Materialien zum ‚Stichpunkte erstellen‘ entwickelt werden. Alle Themen entstanden in Absprache zwischen Lehrkräften und Seminarleiterin Dr. Marlis Pesch von der Forschungsstelle Universitätsschule ForUS.
Lernen im Reallabor zur Schule der Zukunft
Im Seminar lernen die Studierenden zunächst das Konzept der Universitätsschule Dresden sowie den Aufbau des Schulversuchs als Schule für Dresdner Kinder sowie als Forschungsprojekt und Ausbildungsstätte für angehende Lehrkräfte kennen. Während der anschließenden Hospitationen können sie die praktische Umsetzung des Konzepts, das die zunehmende Selbstständigkeit bei der Steuerung des individuellen Lernprozesses in den Blick nimmt, vor Ort erleben. So lernen sie die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Lernbegleiter:innen kennen, für die sie die Materialien erstellen.
In den Hospitationen erleben die Studierenden im Idealfall außerdem das Lernformat ‚Darbietung‘. Während einer Darbietung werden Lerninhalte – zum Beispiel fachliche oder methodische Themen –mit einer Gruppe von Lernenden erarbeitet. Das muss nicht die gesamte Stammgruppe – so heißen die „Klassen“ an der Universitätsschule Dresden, die jedoch keinen über mehrere Schuljahre festen Verband bilden – sein, sondern umfasst die Schülerinnen und Schüler, für die das Darbietungsthema in ihrer Projektarbeit relevant und sinnstiftend ist. Beispielsweise erarbeitet ein:e Lernbegleiter:in während der Darbietung zum Thema „Stichpunkte erstellen“ gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler, was Stichpunkte sind, worauf beim Verfassen von Stichpunkten zu achten ist und wie sie beim Lernen unterstützen können. Dies wird in der Darbietung auch gemeinsam geübt.
Lernformat Darbietung: hospitieren, entwerfen, erproben
Die Studierenden hospitieren im Projektunterricht aber auch bei verschiedenen Darbietungen in unterschiedlichen Fachbereichen und stellen den Schüler:innen und Lernbegleitenden Fragen zum Lernen in der Projektarbeit. Im Anschluss tauschen sich die Studierenden über ihre Beobachtungen aus und entwickeln erste Ideen für die Materialerstellung.
In den anschließenden Methodenwerkstätten werden diese ersten Ideen weiterentwickelt, wobei die Studierenden auch auf Ergebnisse aus den vorangegangenen Seminaren zurückgreifen können. Zur Materialentwicklung gehört, neben einer Darbietung inklusive Lernmaterialien und Anleitung zur Durchführung für die Lernbegleitenden, auch eine Folgeaufgabe, in der die Schüler:innen ihr erworbenes Methodenwissen noch einmal anwenden sollen. Die Studierenden vollziehen so die Materialerstellung im Rahmen des Seminars in derselben Art und Weise wie die Lehrkräfte der Universitätsschule, wenn sie Lernmaterial entwickeln: mit Peer-Feedback durch Kommiliton:innen, praktischer Erprobung der Materialien und Feedbackrunden mit den Lernenden.
Aus einer Idee wird ein Teil des Unischul-Materialpools
Besonders kreativ umgesetzt wurde die Darbietung ‚Stichpunkte erstellen‘ im vergangenen Seminardurchlauf in einer Detektivgeschichte: Im Süßwarenladen „Die Naschecke“ wurde eingebrochen. Um den Einbrecher zu finden, mussten für die Personenbeschreibung die wichtigsten Informationen in knappen Notizen festgehalten werden. Beim Vergleichen kamen die Schüler:innen gemeinsam zur Lösung.
Während im Lehramtsstudium nicht im Rahmen aller Lehrveranstaltungen die praktische Erprobung von Unterrichts- oder Lernmaterialentwürfen möglich ist, können im Seminar „Forschungsmethoden – Lernmaterial mit Schüler:innen entwickeln und erproben“ die Seminarteilnehmenden ihr Darbietungskonzept mit kleinen Schüler:innengruppen unterschiedlicher Stammgruppen ausprobieren. In den Erprobungen sind dadurch einerseits multiple Perspektiven und andererseits auch Rollenwechsel möglich: von der Durchführenden zur Hospitantin und umgekehrt. So kann auch die kollegiale Hospitation eingeübt werden, ebenso wie das Einholen und Auswerten von Schüler:innenfeedback.
In einem folgenden Schritt werden Darbietungskonzept, Lernmaterial und Folgeaufgabe vor diesem Kenntnishintergrund angepasst und in der überarbeiteten Form in den Materialpool der Universitätsschule Dresden übergeben. Dafür findet ein Darbietungstraining für die Lernbegleitenden mit den von den Studierenden erstellten Materialien statt. Im Mai 2026 stellte Seminarleiterin Dr. Marlis Pesch so die Materialien zu den Methoden ‚MindMap erstellen‘ und ‚Stichpunkte erstellen‘ aus dem Sommersemester 2025 vor.
Bildungsforschung und Praxiserprobung für zukünftige Lehrkräfte
Das Seminar „Forschungsmethoden – Lernmaterial mit Schüler:innen entwickeln und erproben“ ermöglicht so die Auseinandersetzung mit verschiedenen Methoden der empirischen Sozialforschung und deren Anwendung im schulischen Kontext. Die Studierenden setzen sich theoretisch und praktisch intensiv mit einem der innovativsten Lehr-Lernformate auseinander, die im „Reallabor zur Schule der Zukunft“ in Dresden für das stärker selbstregulierte Lernen eingesetzt werden. Darüber hinaus erhalten sie zahlreiche Einblicke in den Dresdner Schulversuch und reflektieren intensiv über das Rollenverständnis von Lehrkraft und Lernbegleitung, wie sie an der Unischule gelebt wird.
Über die Seminarleiterin
Dr‘in Marlis Pesch ist seit dem Start der Universitätsschule Dresden im Team der wissenschaftlichen Begleitung des Schulversuchs und arbeitet seit 2022 an der Forschungsstelle Universitätsschule ForUS mit dem Schwerpunkt Individuelle und Soziale Regulationsprozesse in der kooperativen Projektarbeit sowie der Entwicklung von lernunterstützenden Materialien. Zum Mitarbeiterinnenprofil.
In den News der Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Inklusive Bildung (EWIB) finden Sie eine Übersicht der Lehrveranstaltungen der Professur EWIB im Bereich Bildungsforschung im Sommersemester 2026.
Alle Möglichkeiten für Studierende der TU Dresden an der Universitätsschule als Ausbildungsschule werden auf der Projektwebseite zur Lehrer:innenbildung dargestellt.
Über die Universitätsschule Dresden
Die Universitätsschule Dresden ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt Dresden und der Technischen Universität. Sie ist eine öffentliche und kostenfreie Gemeinschaftsschule in städtischer Trägerschaft, an der unter wissenschaftlicher Begleitung innovative Formen des Lehrens und Lernens erprobt werden. Darüber hinaus ist sie Ausbildungsschule für zukünftige Lehrkräfte und künftig auch Weiterbildungsschule für Lehrer:innen. Wissenschaftlich begleitet wird der Schulversuch von der Forschungsstelle ForUS an der TU Dresden.
Informationen zum Forschungsprojekt an der TU Dresden: https://tu-dresden.de/gsw/unischule
Informationen zur Universitätsschule Dresden: http://universitaetsschule.org
Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen finden Sie unter @unischuleTUD Einblicke in das Forschungsprojekt und den Schulalltag: Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Neuigkeiten aus dem Projekt Universitätsschule Dresden gibt es regelmäßig im GSW-Newsletter.