10.09.2026
Prof. Philipp Lorenz-Spreen – neuer Professor für Computational Social Science
Philipp Lorenz-Spreen ist seit September 2026 Professor für Computational Social Science am Institut für Kommunikationswissenschaft und dem Center Synergy of Systems (SynoSys) der TU Dresden. Er studierte Physik an der LMU München (B.Sc. 2013, M.Sc. 2016 mit Schwerpunkt komplexe Systeme) und wurde 2018 an der TU Berlin in theoretischer Physik promoviert, mit einer Arbeit über empirische Methoden und Modelle zur Dynamik und Beschleunigung kollektiver Aufmerksamkeit auf sozialen Netzwerken. Anschließend forschte er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin (Center for Adaptive Rationality) zum individuellen und kollektiven Informationsverhalten in online Umgebungen. In Dresden leitet er eine Forschungsgruppe zu Computational Social Science, die untersucht, wie die Digitalisierung öffentliche Diskurse und Politik weltweit verändert und entwickelt Prinzipien denen demokratische Plattformlogiken in Zukunft folgen könnten. Für seine Arbeit erhielt er 2021 den Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und 2024 den Rising-Star-Award der Association for Psychological Science.
Name: Prof. Philipp Lorenz-Spreen
Position / Professur: Professur für Computational Social Science
Institut: Institut für Kommunikationswissenschaften / Synergy of Systems (SynoSys)
Fakultät/Einrichtung: Philosophische Fakultät / Center for Interdisciplinary Digital Sciences (CIDS)
Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte und Forschungsinteressen?
Ich untersuche, wie digitale Medien, Online-Plattformen und algorithmische Systeme Gesellschaft und Demokratie verändern. Im Mittelpunkt stehen politische Diskurse, Meinungsbildung, Polarisierung, kollektive Aufmerksamkeit und die Verbreitung von Informationen, also das Zusammenspiel von menschlichem Verhalten, sozialen Netzwerken und der Gestaltung digitaler Plattformen. Methodisch verbindet meine Forschung Kommunikationswissenschaft, Sozialwissenschaft und Komplexitätsforschung: Ich arbeite mit Online-Experimenten, Feldstudien, großen Plattformdatensätzen und Computersimulationen und nutze dafür Netzwerkanalyse, Zeitreihenanalyse, kausale Inferenz, agentenbasierte Modellierung und computergestützte Textanalyse. Ein weiteres Ziel ist es, digitale Räume so zu gestalten, dass sie informierte Entscheidungen, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Debatten besser unterstützen.
Was war Ihr bisher interessantestes bzw. spannendstes Forschungsprojekt?
Am spannendsten war für mich immer noch die Studie aus meiner Doktorarbeit zur Beschleunigung kollektiver Aufmerksamkeit („Accelerating dynamics of collective attention“, Nature Communications 2019). Wir haben über sehr unterschiedliche Datenquellen hinweg, von Twitter-Hashtags über Google-Suchanfragen und Wikipedia-Zugriffe bis hin zu Jahrhunderte alten Buchkorpora, gezeigt, dass einzelne Themen die öffentliche Aufmerksamkeit immer schneller erobern und ebenso schnell wieder verlieren. Faszinierend war, dass sich dieses Muster mit einem relativ einfachen Modell reproduzieren lässt: Wenn mehr Inhalte um eine begrenzte Aufmerksamkeit konkurrieren, verkürzen sich die Aufmerksamkeitszyklen zwangsläufig. Für mich war das der Moment, in dem simple Modellierung und gesellschaftliche Fragestellung wirklich zusammengefunden haben.
An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell?
Zwei Stränge beschäftigen mich derzeit besonders. Zum einen nutzen wir, gemeinsam mit den Juristinnen der TU Dresden, Katharina Kaesling und Anne Lauber-Rönsberg, Artikel 40 des Digital Services Act, um Zugang zu Plattformdaten zu bekommen, die der Forschung bislang verschlossen waren: etwa zur Funktionsweise der Algorithmen und dazu, welche Inhalte in welchen Bevölkerungsgruppen tatsächlich ausgespielt werden.
Zum anderen bauen wir eigene Experimentierumgebungen, entweder als vollständige Social-Media-Mock-ups oder auf offenen Plattformen wie Eurosky. Dort können wir mit alternativen Algorithmen experimentieren und testen, ob sich digitale Räume so gestalten lassen, dass sie konstruktive Debatten fördern statt polarisierende Inhalte zu belohnen.
Was darf auf Ihrem Schreibtisch auf keinen Fall fehlen?
Vor allem ein guter Kaffee, ansonsten brauche ich nicht viel.
Haben Sie ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches und von wem ist es?
David Bowie im Interview mit Jeremy Paxman, BBC Newsnight, 1999:
„I think the potential of what the Internet is going to do to society, both good and bad, is unimaginable. I think we're actually on the cusp of something exhilarating and terrifying.“
Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
„The Politics of Language“ von David Beaver und Jason Stanley
Weitere Infos über Sie gibt es bei ...
... SynoSys: https://synosys.github.io/team/philipp-lorenz-spreen/
... LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/philipp-lorenz-spreen-56805ba5/
... Bluesky: https://bsky.app/profile/lorenzspreen.eurosky.social