May 27, 2026
Bericht: Erstes Netzwerktreffen „Teaching Democracy. Kasuistische Demokratiebildung im Lehramt“
Projektteam "Teaching Democracy. Kasuistische Demokratiebildung im Lehramt"
Am Mittwoch, dem 6. Mai 2026, fand ab 18:30 Uhr das erste öffentliche Netzwerktreffen des Projekts „Teaching Democracy. Kasuistische Demokratiebildung im Lehramt“ („Frei.Raum“) statt. Ziel der Veranstaltung war es, Projektbeteiligte, Studierende sowie Partner:innen aus Universität und Zivilgesellschaft miteinander zu vernetzen.
Das Projekt beschäftigt sich mit der demokratischen Bildung im Lehramt. Im Mittelpunkt stehen Fallbeispiele aus dem Schulalltag, die durch erzählerische Mittel ansprechend und zugänglich aufbereitet werden. Durch verschiedene Inszenierungsformen werden die Fälle einer Diskussionsgruppe vorgestellt – im Anschluss folgt die gemeinsame Auseinandersetzung mit den kritischen Momenten des präsentierten Falls. Die Studierenden sollen lernen, kontroverse Themen im Spannungsfeld von Religion und Politik zu analysieren, unterschiedliche Perspektiven von Akteur:innen nachzuvollziehen und strukturierte Diskussionen zu moderieren (→ https://tu-dresden.de/gsw/phil/ikt/religionspaed/die-professur/news/kasuistische-demokratiebildung-im-lehramt-freiraum-projekt-startet-im-april).
Zu Beginn stellten Prof.in Dr.in Birte Platow von der evangelischen Religionspädagogik und PD Dr. Jan-Hendrik Herbst, Lehrstuhlvertreter der katholischen Religionspädagogik, die Ziele und Grundlagen des Projekts vor. Sie berichteten außerdem von ihrer Bildungsreise an die Harvard Graduate School of Education in den USA (→ https://tu-dresden.de/gsw/phil/ikt/religionspaed/die-professur/news/vortrag-an-der-harvard-university-und-us-reise). Dort erhielten sie Einblicke in das Programm „EdEthics | Justice in Schools“ (→ https://www.justiceinschools.org), dessen Fallarbeit als Inspiration für „Frei.Raum“ dient. Besonders hervorgehoben wurden die dortige Arbeitsweise sowie der Austausch mit internationalen Kolleg:innen. Außerdem nahmen beide an einer exemplarischen Falldiskussion nach dem Harvard-Diskussionsprotokoll teil, das künftig auch im Projekt eingesetzt werden soll (→ https://www.justiceinschools.org/protocols).
Im weiteren Verlauf erläuterten die Projektverantwortlichen die zentralen Lernziele des Projekts. Studierende sollen befähigt werden,
- Dynamiken religiöser Radikalisierung und Diskriminierung zu erkennen,
- unterschiedliche Perspektiven und Werte zu analysieren
- sowie kontroverse Diskussionen strukturiert zu moderieren.
Betont wurde zugleich, dass keine einfache Übernahme des US-amerikanischen Modells geplant ist. Vielmehr sollen eigene Formate und Fallbeispiele entwickelt werden, die auf den deutschen Schulkontext und dessen Anforderungen zugeschnitten sind. Dabei arbeitet das Projekt interdisziplinär und verbindet Ansätze aus der deutschsprachigen Kasuistik mit dem Ansatz der Normative Case Studies (NCS).
Durch den Abend führten Dr. Michael Rölver und Sarah Marie Neumann als wissenschaftliche Mitarbeitende des Projekts. Dabei wurden bisherige Entwicklungsschritte des Projekts vorgestellt. Zur Veranschaulichung diente das Bild einer Perlenkette: Einzelne Formate und Arbeitsschritte ergänzen sich nach und nach zu einem größeren Gesamtprojekt.
Im weiteren Verlauf des Abends berichtete Tina Hölzel-Chokharash (Jurymitglied und assoz. Dozierende, hierzu: https://tu-dresden.de/gsw/phil/ikt/religionspaed/die-professur/news/teaching-democracy-interdisziplinaer-assoziierte-lehre-in-verschiedenen-fachdidaktiken) von der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie (JoDDiD) aus dem Institut für Politikwissenschaft über eine hybride Schulung der Harvard Graduate School of Education, an der Projektmitarbeitende teilnahmen (→ https://tu-dresden.de/gsw/phil/ikt/religionspaed/die-professur/news/teilnahme-an-harvard-schulung-normative-case-study-course). Dort wurden Methoden der Normative Case Studies vermittelt und erste eigene Fälle entwickelt. Ein im deutschen Schulkontext angesiedelter Fall wurde von den amerikanischen Kolleg:innen besonders positiv aufgenommen. Dr. Michael Rölver stellte außerdem Bezüge zwischen dem Projekt und seiner eigenen Forschung zur Fallarbeit in der Sozialen Arbeit vor (→ https://tu-dresden.de/gsw/phil/ikt/religionspaed/die-professur/news/reisebericht-vortrag-und-teilnahme-an-der-european-conference-for-social-work-research-2026-in-aberdeen). Darüber hinaus informierte er über nationale und internationale Kooperationen mit weiteren Universitäten sowie über geplante Bildungsreisen und Vernetzungsangebote. Zudem wurde von Stefan Breuer (ebenfalls Jurymitglied, assoz. Dozierender und JoDDiD) und Sarah Marie Neumann auf eine bevorstehende Konferenzreise nach Madrid hingewiesen, bei der ein in der Harvard-Schulung selbst entwickelter Fall aus dem sächsischen Raum international diskutiert wird (→ https://www.amenetwork.org/2026).
Langfristig soll im Projekt eine digitale Fallsammlung entstehen, die Studierenden und Lehrenden zur Verfügung steht. Steve Lang, studentische Hilfskraft des Projekts, gab dazu einen ersten Einblick in die geplante digitale Infrastruktur.
Im praktischen Teil des Abends nahmen die Teilnehmenden an einer Falldiskussion zum Fall „Einen Streit ‚anzetteln‘!?“ (Originaltitel: „Putting up a fight?“) teil. Die Diskussion fand in Kleingruppen statt und vermittelte einen Eindruck von der geplanten Methodik des Projekts. Grundlage war ein Fall aus der Datenbank des „EdEthics“-Projekts, der ins Deutsche übersetzt und an den hiesigen Schulkontext angepasst wurde. Im Anschluss reflektierten die Anwesenden gemeinsame Diskussionsinhalte sowie aufgekommene Fragen.
Der Abend endete gegen 20:30 Uhr mit einem gemeinsamen Ausklang und Gesprächen bei einem kleinen Imbiss. Dabei wurden erste Eindrücke ausgetauscht und Anregungen für die weitere Entwicklung des Projekts gesammelt.
Bei Fragen zum Projekt oder sonstigen Anregungen melden Sie sich gerne bevorzugt per E-Mail bei den Projektmitarbeitenden:
Dr. Michael Rölver
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Religionspädagogik des Instituts für Katholische Theologie
michael.roelver@tu-dresden.de
Sarah Marie Neumann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Religionspädagogik des Instituts für Evangelische Theologie
sarah_marie.neumann@tu-dresden.de
Für den Bericht
Stefan Tischer und Josephine Throne