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Soziologische Theorien und Kultursoziologie studieren

Wer sich mit soziologischen Theorien beschäftigt stellt fest, dass es nicht eine einzige (von allen Soziologinnen und Soziologen akzeptierte) soziologische Theorie gibt, sondern verschiedene Zugänge, konkurrierende Modelle und von den Umständen ihrer Formulierung abhängige Diagnosen. Wer kultursoziologisch arbeitet stellt bald fest, dass "Kultur" kein eindeutig definierbarer Gegenstand ist, sondern von theoretischen Prämissen, Zeitumständen und oft normativen Vorstellungen abhängig ist. In der Lehre möchten wir die Fähigkeit vermitteln, sich in beiden Gebieten mit Hilfe eigener Fragestellungen und wachem Verstand zu bewegen.

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Soziologische Theorien und Kultursoziologie studieren

Zentral für das Verständnis der Aufgaben der Lehre an der Professur ist, dass Fähigkeiten und Erkenntnisse in der soziologischen Theorie und der Kultursoziologie – sowohl in Hinblick auf spätere Tätigkeiten in der wissenschaftlichen Forschung als auch in außeruniversitären Berufsfeldern (wie im Journalismus, in Kreativberufen, in der Politikberatung etc.) – nicht in der Form verschulter Wissenspartikel vermittelt werden können. Die Expertise, die wir vermitteln wollen, zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass die zu analysierenden Gegenstände immer schon Sinndeutungen sind oder in komplexe Deutungsmuster eingebettet sind, deren historische und soziale Kontexte zu erkennen, einzuordnen und mitzureflektieren sind. Das dazu erforderliche Hintergrundwissen sowie die begrifflichen, theoretischen und methodischen Analysestrategien sind dabei vom konkreten Fall, dem eigenen Erkenntnisinteresse sowie von den die Analyse initiierenden Fragestellungen und Fremderwartungen abhängig. Es gilt, die dem Phänomen Relevanz verleihenden Problematiken zu erkennen, um es theoretisch einzuordnen und analytisch aufzuschließen.

Die Auswahl der in der Lehre verwendeten Texte und der Seminarstil in den stärker theorieorientierten Lehrveranstaltungen trägt dem dadurch Rechnung, dass großer Wert auf eine Vielfalt unterschiedlicher, teilweise miteinander konkurrierender theoretischer Ansätze gelegt wird und der Umgang mit einer Mehrzahl möglicher Analyseoptionen vermittelt wird. Zudem ist es ein wichtiges Anliegen, dass die in der Lehre verwendeten wissenschaftlichen Texte in ihrer Bezogenheit auf die sie prägenden gesellschaftlichen Umstände betrachtet werden, dass insbesondere die Problembezüge dieser Texte und das in ihnen zum Ausdruck kommende Erkenntnisinteresse nachvollzogen und mit anderen Deutungsoptionen verglichen wird. Schließlich ist es ein Merkmal der Lehre, dass den theoriegeschichtlichen Hintergründen auch aktueller kultursoziologischer Arbeiten großes Gewicht beigemessen wird, so dass deren Verhältnis zu „klassischen“ Fragestellungen und Begriffen kontinuierlich präsent ist. Die den Studierenden zu vermittelnde Kompetenz ist es also weniger, die bloßen Inhalte wissenschaftlicher Texte wiedergeben zu können, sondern diese in gesellschaftliche Bezüge und in Vergleichsperspektiven zu anderen Ansätzen einordnen zu können.

In der Zeitschrift "Kultursoziologie" (Heft 2/2016) wurde die kultursoziologische Lehrkonzepte und Forschungsschwerpunkte an ausgewählten deutschen Universitäten vorgestellt. Auch die "Kultursoziologische Forschung und Lehre an der Technischen Universität Dresden" wird in einem Beitrag von Dominik Schrage, Tino Heim und Ingo Blaich ausführlicher vorgestellt als dies hier an dieser Stelle möglich bzw. sinnvoll ist. Wir danken der Zeitschrift "Kultursoziologie" für die Erlaubnis, diesen Beitrag hier zur Verfügung stellen zu dürfen!