Das Katastrophen Curriculum
Schule in Ausnahmezeiten gemeinsam gestalten
Inhaltsverzeichnis
- Was ist das Katastrophen Curriculum?
- Wo kann ich es herunterladen?
- Wer hat das Katastrophen Curriculum entwickelt?
- Aus welcher (fachlichen) Perspektiv wurde das Curriculum entwickelt?
- Ein Katastrophen Curriculum - Ist das nicht viel zu alarmistisch?
- Gibt es sowas nicht längst?
- Ist es nicht viel zu spät für ein Materialangebot, wenn die Katatstrophe da ist?
- Was hat Sie dazu gebracht dieses Pojekt zu starten?
- Was sagen eigentlich die am Projekt beteiligten Studierenden zu ihren Erfahungen bei der Entwicklung des Curriculum?
In einer Zeit, in der Krisen und Katastrophen – von Pandemien über Extremwetter bis hin zu Krieg und Desinformation – immer häufiger den Schulalltag beeinflussen, stellt sich eine zentrale Frage: Wie kann Schule in solchen Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben?
Was ist das Katastrophen Curriculum?
Mit dem Projekt „Katastrophen-Curriculum“ haben wir ein alternatives Bildungsangebot entwickelt, das im Fall einer akuten Krise aktiviert werden kann – flexibel, solidarisch und gemeinschaftsstärkend. Dabei geht es nicht um Notfallpläne im klassischen Sinne, sondern um ein pädagogisches Rahmenkonzept, das Orientierung gibt, Gemeinschaft stärkt und das Lernen in schwierigen Zeiten ermöglicht.
Zentral für das Projekt ist seine partizipative Entwicklung: Das Katastrophen-Curriculum wurde nicht am Schreibtisch entworfen, sondern gemeinsam mit Studierenden, dem Landesschülerrat, Eltern sowie Schulleiter*innen und Lehrkräften entwickelt. Erfahrungen aus Schule, Studium und Bildungsverwaltung flossen kontinuierlich in die Konzeption ein. Ziel war es, reale Perspektiven, Bedürfnisse und Konfliktlagen sichtbar zu machen und ernst zu nehmen – insbesondere die der Schüler*innen.
Das Katastrophen Curriculum besteht aus drei Teilen: Dem eigentlichen Lehrplanteil, einer pädagogischen Handreichung und einem Notfallschulheft, das sich direkt an Schülerinnen und Schüler richtet.
Wo kann ich es herunterladen?
Sie können alle drei Teile des Katastrophen Curriculum über den Download-Link auf dieser Seite kostenferei herunterladen - sobald diese redaktionell fertiggestellt wurden. Das wird voraussichtlich Ende März 2026 der Fall sein. Bis dahin haben wir einige Arbeitsproben für sie vorbereitet, damit Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen können.
Das Katastrophen Curriculum (das Inhaltsverzeichnis der vorläufigen Fassung)
Die pädagogische Handreichung (erste 40 Seiten der vorläufigen Fassung)
Notfallschulheft vorläufige Fassung
Wer hat das Katastrophen Curriculum entwickelt?
Das Material wurde von einer Projektgruppe an der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Dr. Anja Besand in einem partizipatorischen Lehr-/Forschungsprojekt entwickelt. Beteiligt am Entwicklungsprozess war eine Gruppe von Studierenden, der Landesschülerrat Sachsen, eine Gruppe Schulleiter:innen aus Grund- und Oberschulen, sowie Schulleitungen aus Gymnasien und beruflichen Schulen, die im Rahmen von Anhörungen eingebunden waren.
Aus welcher (fachlichen) Perspektiv wurde das Curriculum entwickelt?
Wir haben das Curriculum an der Professur für Didaktik der politischen Bildung entwickelt und diese Perspektive ist im Projekt auch die dominierende. Warum haben wir das getan? Zum einen haben wir beobachtet, dass sich Schulen in Krisensituationen gern auf Haupt- oder Prüfungsfächer konzentrieren. Das ist im Rahmen eines Notbetriebs oft scheinbar naheliegend. Als Menschen, die im Feld der politischen/demokratischen Bildung arbeiten, schmerzt uns diese fachliche Engführung. Wir sind davon überzeugt, dass politische und demokratische Bildung gerade in Krisenzeiten zu den wichtigsten Bildungsbereichen zählt, weil sie helfen kann, Konfliklagen zu verstehen und solidarisch zu handeln.
Ein Katastrophen Curriculum - Ist das nicht viel zu alarmistisch?
Diese Frage stellt man uns immer wieder. Angesichts der derzeitigen Lage der Welt glauben wir das ehrlich gesagt aber nicht. Oder sagen wir es so: Wenn wir uns die ganze Arbeit umsonst gemacht haben und unser Material nie nötig sein wird - dann freuen wir uns natürlich. Es geht uns nicht darum, Recht zu haben oder Panik zu verbreiten, sondern ganz im Gegeteil im Falle einer Krise besonnen und vorbereitet handeln zu können.
Gibt es sowas nicht längst?
Nach unseren Recherchen gibt es durchaus Nofallpläne, die von Kultusministerien oder Landesschulbehörden entwickelt wurden und als offene Handreichungen in den Schulen zur Verfügung stehen. Die Notfälle, von denen diese Handreichungen ausgehen, beziehen sich auf Ereignisse wie Amokläufe, Todesfälle z.B. im Rahmen von Klassenfahrten und Ähnliches. Sie enthalten organisatorische Hinweise wie Meldeketten und Hinweise zur psychosozialen Betreuung. Wir haben bislang kein Material entdecken können, mit dessen Hilfe Schulen sich auf komplexe gesellschaftliche Krisenlangen vorbereiten. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass wir etwas übersehen - solche Papiere sind zumeist nicht öffentlich.
Ist es nicht viel zu spät für ein Materialangebot, wenn die Katatstrophe da ist?
Die ehrliche Antwort ist: Natürlich wäre es toll, wenn sich Schulen schon vor einem gesellschaftlichen Krisenereignis mit der Frage beschäftigen würden, wie sie ihre Rolle und Aufgabe in einem solchen Fall verstehen möchten. Aber angesichts der vielfältigen Herausforderungen, vor der Schulen stehen und dem immer noch ungelösten Problem des Fachkräftemangels auch an Schulen, glauben wir nicht, dass das flächendeckend zu erwarten ist. An was wir aber wirkich fest glauben ist, dass Schulen verantwortungsvoll handeln WOLLEN und sich in Lagen (von denen wir heute noch nichts wissen) in Windeseile nach vorliegenden Konzepten umschauen werden. Genau das war unsere Motivation an der TU Dresden gemeinsam mit Studierenden in Ruhe über diese Fragen nachzudenken und damit jetzt schon in die Stabilität unserer Gesellschaft und ihren Zusammenhalt zu investieren.
Was hat Sie dazu gebracht dieses Pojekt zu starten?
Im Vorfeld des Projekts stehen einige theoretische Vorarbeiten. Zum einen haben wir einige Jahre zur Bedeutung von Emotionen in der politischen Bildung gearbeitet. Der Sammelband Politische Bildung mit Gefühl (erschienen bei der Bundeszentrale für politische Bildung) kann hier einen guten Einblick liefern. Im Jahr 2020 erschien zudem ein vielbeachteter Artikel von Anja Besand mit dem Titel The crisis as an opportunity to learn. Or: ‘Collateral civic education’ in the context of the COVID-19 pandemic und in 2025 kam es schließlich zu einer explorativen Untersuchung der Handlungsstrategie russischer und ukrainischer Lehrkräfte in Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Überlegungen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, wurden zusammengefasst in folgender digitalen Lecture:
Politische Bildung im Krieg - JODDID Abendschule
Was sagen eigentlich die am Projekt beteiligten Studierenden zu ihren Erfahungen bei der Entwicklung des Curriculum?
An der Entwicklung der drei Materialteile, die zu diesem Currciulum gehören, war im Wintersemester 2025/26 eine studentische Projektgruppe beteiligt, die mit hohem Engagement an Texten und Bildern gearbeitet hat und sich über Wochen hochkonzentriert zu Redaktionssitzungen getroffen hat. Die Studierenden haben umfangreiche Rückmeldungen zu ihren Erfahrungen bei der Entwicklung des Projekts gegeben, die sie über diesen Link einsehen können.