02.04.2026
#98 "Wir-Bike" statt Bierbike
Wer kennt es nicht - die warmen Jahreszeiten stehen endlich vor der Tür und die Junggesell*innenabschiede rollen auf großen überdachten Tischen mit befestigten Fahrradsätteln auf Rollkonstrukten durch die Stadt - manchmal auch Bierbikes genannt.
Nicht selten sitzen auf diesen Bikes leicht bis stärker angetrunkene Personen, die grölend durch die Stadt fahren. Sehen wir ein solches Bike in der Stadt, dann haben wir meistens eine bestimmte Erwartung an das Verhalten dieser Gruppe, die da entlang rollt. Keine angenehme Erwartung, wenn wir ehrlich sind. Assoziationen wie toxische Männlichkeit, normativ einengende Beziehungskonstrukte, Sucht und Alkoholkonsum kommen in den Sinn.
Dabei ist das Objekt an sich doch eigentlich genial. Man kann sich mit anderen Menschen spaßig durch die Stadt bewegen, gemeinsam feiern, quatschen, lachen und ein Abenteuer erleben. Das schweißt zusammen, man muss als Gruppe schließlich wirklich zusammenarbeiten, um mit diesem Gefährt nicht vom Weg abzukommen. Wie wäre es, wenn man das Objekt etwas mit spielerischen Gesprächsimpulsen anreichert, die beispielsweise die gerade genannten Themen aufgreifen. Ebenso gut könnte natürlich auch über Verkehrspolitik diskutiert oder wichtigen biografischen Orten politischer Sozialisation der Teilnehmenden ein Besuch abgestattet werden. Der Charme dieser Idee liegt unserer Meinung nach in der gemeinsamen Aktivität und dem Erleben im öffentlichen Raum.
Es muss nicht immer der gemeinsame Suff auf dem Bierbike sein, vielleicht machen wir mal ein "Wir-Bike" draus.