27.04.2026
Trauer um Prof. Mutschler
Just zu Beginn des neuen Semesters ereilte uns eine Nachricht, die wir zunächst nicht glauben wollten, dass nämlich die Ära Fritz-Heiner Mutschlers zu Ende gegangen ist. Der Begründer des Instituts für Klassische Philologie an der Technischen Universität Dresden verstarb für uns unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit am 13. April 2026 im Alter von achtzig Jahren. Der Aufbau einer Pflanzstätte für die Alten Sprachen seit 1992 und deren Etablierung auf hohem Niveau gehören zum äußerst vielseitigen Lebenswerk des Hochschullehrers.
Seine Vita war die eines Kosmopoliten, der neben Latein und Griechisch etliche moderne Fremdsprachen beherrschte. Nach dem Studium in Heidelberg und Berlin wurde er im Jahr 1973 mit einer Arbeit zu Caesars Kommentarien promoviert. Einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent, ab 1982 nach seiner Habilitation (über die poetische Kunst Tibulls, 1985 erschienen) als Professor auf Zeit bzw. als außerplanmäßiger Professor in Heidelberg, zudem zeitweiliger Forschung und Lehre in Pittsburgh, Lyon sowie vierjähriger Gastdozentur in China folgte schließlich die Berufung auf die neugeschaffene Latinistik-Professur in Dresden.
Die Einrichtung des Studienbetriebs, der Aufbau einer Fachbibliothek, mehrfache Bekleidung des Prodekanats, zahlreiche Mitgliedschaften und Kontaktknüpfungen und vieles mehr zählten zu den Pionierleistungen in neuer Umgebung. Mit der Zeit betreute er eine wachsende Anzahl an Dissertationen. Aus mehreren Forschungsprojekten unter seiner Leitung erwuchsen in der Wissenschaftswelt anerkannte Sammelbände, so zum mos maiorum oder zum Themenkomplex Institutionalität und Geschichtlichkeit.
Daneben befasste er sich intensiv mit komparatistischer Geschichtsschreibung, die keinen geringeren Anspruch hatte, als die drei Weltkulturen der Griechen, Römer und Chinesen miteinander zu vergleichen, ein Forschungsfeld, das global kaum repräsentiert war und dem Herr Mutschler zeit seines Lebens treu blieb. In diesem Zuge vermittelte er westlich-antikes Gedankengut auch durch Übersetzungsarbeit. Schwerpunkte setzte er neben der Historiographie in den ebenso komplexen Gebieten der Augusteischen Dichtung, der römischen Philosophie sowie sozialen Werten und literarischer Kommunikation in Rom.
Am Ende seiner Dienstzeit zog es ihn noch einmal nach Norwegen, wo er zusammen mit Øivind Andersen einen Band über Happiness in Ancient Literature and Art herausgab. Auch danach ruhte seine wissenschaftliche Tätigkeit keineswegs, er nahm Anteil an der Entwicklung des Instituts für Klassische Philologie, erschien zu Vorträgen und Feiern, folgte mehrfachen Einladungen nach China, darunter einer Berufung an die Pekinger Universität von 2011 bis 2016 als Chair Professor an dem damals neu gegründeten Center for Classical Studies, heute erweitert zum Center for Classical and Medieval Studies.
Seine Energie verdankte er sicherlich auch der hohen Sportlichkeit, die ihn als Jugendlichen selbst in diesem Gebiet Meriten hatte erwerben lassen. Der Cellospieler war im Umgang von einem unverwechselbaren Humor, bei Einladungen und Spendenaktionen ausgesprochen großzügig und immer wieder auch medial präsent. Nun ist die prägende Figur von uns gegangen. Fritz-Heiner Mutschler wird in unserem Gedächtnis bleiben.