31.08.2026
Dr. Kapteina beim Dialogforum „Unternehmen für Demokratie“ im Bundesfinanzministerium
BMF-Dialogforum 'Unternehmen für Demokratie'
Am 19. August 2026 hat Dr. Benedikt D. S. Kapteina, Postdoc an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Responsible Management, am Internationalen Hochschulinstitut (IHI) Zittau der TU Dresden, am Dialogforum „Unternehmen für Demokratie“ im Bundesministerium der Finanzen in Berlin teilgenommen. Eingeladen hatte Staatsministerin Elisabeth Kaiser, Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Die Einladung war an die Professur ergangen; Dr. Kapteina vertrat sie und brachte die Forschungsperspektive der Professur ein.
Hintergrund
Das Amt der Ostbeauftragten ist seit Mai 2025 im Bundesfinanzministerium angesiedelt und führt Demokratie und bürgerschaftliches Engagement als eigenes Themenfeld; das Forum reiht sich in eine Folge von Dialogformaten im Ministerium ein. Es fand in einem dichten Moment statt: drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und fünf Wochen vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Der Bericht der Ostbeauftragten 2025 beschreibt eine Region, die wirtschaftlich aufgeholt hat, in der aber Unterschiede fortbestehen, bis hin zur bis heute westdeutsch geprägten Besetzung von Führungspositionen.
Die Initiative
Das Forum knüpfte an die Initiative „Unternehmen für Demokratie“ an, die aus dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum hervorgegangen ist und von der ifok GmbH organisiert wird. Ende Juli 2026 veröffentlichten die beteiligten Unternehmen eine gemeinsame Erklärung zu Demokratie und sozialer Marktwirtschaft. Eine begleitende Studie des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik zeigt, dass nahezu alle Befragten die Demokratie unter Druck sehen, das unternehmerische Engagement selbst aber umstritten bleibt: Zustimmung, Ablehnung und Unentschiedenheit halten sich etwa die Waage, und entscheidend ist die Art der Maßnahme. Zugleich existieren bereits Strukturen, etwa der Business Council for Democracy mit rund zweihundert Unternehmen oder die Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost. Die Frage lautete deshalb weniger, ob Unternehmen tätig werden, sondern wie verstreute Aktivitäten zusammenfinden.
Programm
Das dreistündige Forum im Erzberger-Saal begann mit Begrüßungen durch Staatsministerin Kaiser und Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank, gefolgt von einem Impuls von Thomas Richter (Infineon Technologies) zu Führung in Zeiten von Populismus und Extremismus. Zwei Diskussionsrunden fragten, welche Akzente Führungskräfte angesichts anti-demokratischer Bewegungen setzen können und wie sich Demokratie in der Fläche durch engere Kooperation von Unternehmen, Initiativen und Politik wirkungsvoller unterstützen lässt. Auf dem Podium sprachen Henning Banthien (ifok), Sylvia Pfefferkorn (Wirtschaft für ein Weltoffenes Sachsen), Stefan Vogt (Freudenberg Stiftung) und Angela Papenburg (GP Günter Papenburg AG). Der Termin war als Auftakt einer fortlaufenden Zusammenarbeit angelegt.
Was die Forschung dazu zeigt
Dr. Kapteina untersucht, wie Unternehmen politisch handeln, wenn demokratische Institutionen unter Druck geraten, und wann dieses Handeln wirkt. Das Policy Paper zum CEO-Aktivismus zeigt, dass öffentlich sichtbare Positionierungen von Führungspersonen in ihrer Wirkung begrenzt bleiben. Unter dem Begriff Corporate Democratic Action bündelt er die Bedingungen, unter denen Unternehmen als demokratische Akteure handeln: Entscheidend ist weniger die Sichtbarkeit eines Bekenntnisses als seine Verankerung in Strukturen, Zuständigkeiten und Routinen. Damit trifft die Leitfrage des Forums, welche Maßnahmen tatsächlich wirken, unmittelbar auf diese Befunde.
Bearbeitet wird dieses Feld an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Responsible Management am IHI Zittau der TU Dresden im Team, unter anderem gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Scholz und PD Dr. Eckhard Burkatzki.