10.07.2018

Deutschlandweite Beteiligung am Wettbewerb um den besten 99 €-Bioreaktor

Zwei Studenten stehen vor einem kleinen Bioreaktor und schauen ihn genau an. © Kirsten Mann Zwei Studenten stehen vor einem kleinen Bioreaktor und schauen ihn genau an. © Kirsten Mann

Der Bioreaktor des Studierenden-Teams "H.E.A.T." der Universität Stuttgart gewinnt den 1. Platz.

Zwei Studenten stehen vor einem kleinen Bioreaktor und schauen ihn genau an.

Der Bioreaktor des Studierenden-Teams "H.E.A.T." der Universität Stuttgart gewinnt den 1. Platz. © Kirsten Mann

Vom 5. bis 6. Juli 2018 standen zehn Studierenden-Teams von Universitäten aus ganz Deutschland vor der Herausforderung, mit einem Budget von 99 Euro einen funktionstüchtigen Bioreaktor zu bauen. Alle Teams bekamen die Aufgabe, mittels des Bakteriums Anoxybacillus flavithermus ein gelbes Pigment aus der Klasse der Carotenoide, vielen bekannt aus der Möhre, zu produzieren. Gewonnen hat das Team „H.E.A.T.“ der Universität Stuttgart.

Die Entwicklung neuer biotechnologischer Produkte und effizienterer Technologien erfordern den Einsatz vielseitiger Mikroorganismen, die auch in Grenzbereichen effektiv arbeiten können. Dazu zählen unter anderem die sogenannten „Extremophilen“ - Mikroorganismen, die beispielsweise bei sehr hohen Salzgehalten, extremen pH-Werten oder sehr hohen Temperaturen leben und arbeiten können. Häufig isoliert aus heißen Quellen, Salzseen oder der Tiefsee ermöglichen sie durch ihre Anpassung an diese unwirklichen Bedingungen Reaktionen, die für die klassische Biotechnologie nicht möglich wären. Ein solcher „Allroundr“ ist der Anoxybacillus flavithermus, dessen Enzyme und namensgebendes Pigment eine hohe Thermostabilität aufweisen. Die Herausforderung beim Einsatz von extremophilen Mikroorganismen besteht in der technischen Kultivierung, sprich den Organismus außerhalb seines natürlichen Habitats zu vermehren und dessen Eigenschaften beizubehalten - eine Herausforderung, die es im diesjährigen 99 €-Bioreaktorwettbewerb zu lösen galt.

Bereits zum 5. Mal wurde an der Professur für Bioverfahrenstechnik der Technischen Universität Dresden unter der Leitung des Vereins „Netzwerk Bioverfahrenstechnik Dresden e.V.“ der Wettbewerb veranstaltet. Diesmal mit einem neuen Teilnehmerrekord: Zehn Teams aus ganz Deutschland traten gegeneinander an. Studierende der TU Kaiserslautern, der Hochschule Mittweida, der HTW Dresden, der TU Berlin, der TU Hamburg-Harburg, der TU Braunschweig, der HSA Köthen, der Uni Stuttgart und der TU Dresden stellten sich der spannenden Aufgabe.

Ein Student fotografiert mit seinem Handy einen kleinen Bioreaktor. © Kirsten Mann Ein Student fotografiert mit seinem Handy einen kleinen Bioreaktor. © Kirsten Mann

Der Bioreaktor des Studierenden-Teams der TU Dresden.

Ein Student fotografiert mit seinem Handy einen kleinen Bioreaktor.

Der Bioreaktor des Studierenden-Teams der TU Dresden. © Kirsten Mann

An zwei Tagen traten die Teams mit ihren Reaktoren nach langem Tüfteln und basteln gegeneinander an. „Es ist spannend, die Prozesse und die Regelungstechnik, die man theoretisch in den Vorlesungen kennenlernt, umzusetzen und zu sehen, wie es funktioniert.“, begründet ein Studierender seine Teilnahme am Wettbewerb. Das Team „H.E.A.T.“ der Universität Stuttgart überzeugte mit seinem Bioreaktor und erhielt den 1. Preis für den höchsten Pigmentgehalt. Platz 2 ging an das Team „Starbact’s – Drop it like it’s hot“ der TU Berlin für den höchsten Biomassegehalt. Den technisch innovativsten Bioreaktor stellte das Team „Fässchenbauer“ der HTW Dresden vor und belegte damit Platz 3. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 1.500 Euro vergeben.

Prof. Thomas Walther, Inhaber der Professur für Bioverfahrenstechnik an der TU Dresden schwärmt: „Es ist toll, die Studierenden bei der Arbeit an den Bioreaktoren zu beobachten und ihre Motivation und Ehrgeiz beim Lösen der Probleme zu spüren. Dass mittlerweile Studierende aus allen Landesteilen zu uns kommen und an diesem Wettbewerb teilnehmen, zeigt, dass diese Leidenschaft ansteckend ist.“

Sen.-Prof. Thomas Bley hat vor fünf Jahren den Wettbewerb mit ins Leben gerufen. Für ihn ist es Biotechnologie zum Anfassen und Selbermachen: „Die Studierenden waren in den vergangenen Wettbewerben begeistert, wie spannend es ist, als junge Forscher praktisch auszuprobieren, was sie im Studium gelernt hatten.“ Der Wettbewerb gibt den Teilnehmern die Möglichkeit Gelerntes praktisch umzusetzen. Nicht nur Kreativität und Teamarbeit wird gefördert, sondern auch das Entwickeln neuer Ideen sowie das bewusste Überwinden eingefahrener Herangehensweisen und Standardlösungen.

Ansprechpartner für Journalisten:
Dr.-Ing. Susanne Steudler

Technische Universität Dresden
Institut für Naturstofftechnik
Professur für Bioverfahrenstechnik
Tel:  +49/351/463-34882
E-Mail: susanne.steudler@tu-dresden.de

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Katja Lesser
Letzte Änderung: 10.07.2018