28.10.2026
Nachhaltige Materialien aus Pilzreststoffen: Neue Nachwuchsforscherinnengruppe „FUNgiSpace" an der TU Dresden
Detailaufnahme erster Materialproben, Pilzmyzel im Verbund mit Holzspänen und textilen Trägermaterialien
Mit „FUNgiSpace" startet zum 1. November 2026 eine Nachwuchsforscherinnengruppe an der TU Dresden, die aus Abfällen der Speisepilzproduktion innovative High-Tech-Werkstoffe entwickeln will. Bis zum 31. Oktober 2028 untersuchen Wissenschaftlerinnen der Professur für Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie sowie der Professur für Raumfahrtsysteme, wie aus diesen Reststoffen nachhaltige Materialien für den Leichtbau, die Verpackungsindustrie und sogar für den Einsatz im Weltall entstehen können. Ziel des Projekts ist es, ein bisher ungenutztes Abfallprodukt aufzuwerten und so einen Beitrag zur Ressourcenschonung zu leisten.
Pilze sind den meisten Menschen als schmackhafte Zutat aus der heimischen oder asiatischen Küche bekannt. In Pilzfarmen werden Speisepilze auf Holzsubstraten gezüchtet, die nach der Ernte der Fruchtkörper übrigbleiben. Allein in Deutschland fallen jährlich rund 10.000 Tonnen dieses Substrats an. Untersuchungen haben gezeigt, dass das leichte Material, ein fester Verbund aus Holzspänen und Pilzfäden, erstaunliche Eigenschaften besitzt: Es ist von Natur aus brandhemmend, wasserabweisend und dämmt Wärme wie Schall. Bisher wurde dieser wertvolle Rohstoff jedoch kaum genutzt, sondern meist entsorgt.
Im Rahmen von FUNgiSpace wollen die Forscherinnen diese Reststoffe als Ausgangsmaterial für völlig neue, sogenannte Myzelwerkstoffe nutzen. Dazu werden sie so weiterverarbeitet, dass sie auch in anspruchsvollen Hightech-Bereichen eingesetzt werden können. Denkbar sind leichte und stabile Bauteile für den Fahrzeuginnenraum, umweltfreundliche Barriereschichten für Verpackungen oder sogar Baustoffe, die Astronauten und Astronautinnen auf dem Mond oder dem Mars künftig direkt aus vor Ort vorhandenem Gestein (Regolith) und Myzel herstellen könnten. Durch die Verbindung von Bioökonomie, modernster Materialforschung und Raumfahrttechnik können funktionalisierte Materiallösungen entstehen, die nicht nur nachhaltig und biologisch abbaubar sind, sondern synthetische und nicht nachhaltige Materialien ersetzen können.
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die gezielte Förderung von sieben Nachwuchswissenschaftlerinnen, die umfassend in den Bereichen Nachhaltigkeit und Clean Technologies qualifiziert werden. Damit setzt das Vorhaben ein klares Zeichen für Gleichstellung, Chancengleichheit und Fachkräftesicherung in Sachsen. Das interdisziplinäre Kompetenznetzwerk vereint Expertise aus Materialwissenschaft, Bioökonomie, Raumfahrttechnik und Design und schafft so die Grundlage für innovative Lösungen.
FUNgiSpace ist nicht nur wissenschaftlich, sondern auch strategisch bedeutsam: Es trägt zur technologischen und wirtschaftlichen Stärkung der Europäischen Union bei, indem es ressourceneffiziente Technologien entwickelt, regionale und europäische Wertschöpfungsketten stärkt und strategische Abhängigkeiten reduziert.
Gefördert wird FUNgiSpace mit 1,4 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) des Freistaates Sachsen.
Kontakt:
© R. Windelband | TUD
Frau Dipl.-Ing. Rosa Windelband
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Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie | MAR 32
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