13.04.2026
„Berufsbezeichnungen ändern sich – Dynamiken bleiben gleich.“
Prof. Katharina Bühn ist die Alumna des Monats Juni 2026
(interviewt im Jahr 2026)
Thomas Scheufler
„Informationen einordnen, Quellen kritisch prüfen und Argumente sauber herleiten –
das sind Fähigkeiten, die ich in meinem Studium erworben habe und die mir bis
heute bei meiner Tätigkeit helfen.“
Prof. Katharina Bühn hat an der TUD Psychologie studiert und promoviert. Sie leitet
heute die Duale Hochschule Sachsen am Standort Bautzen und lehrt dort als
Professorin für BWL/Personalmanagement und Mitarbeiterführung. Am Anfang ihres
Studiums wollte sie Menschen verstehen – heute nutzt sie ihre Kompetenzen, um
Teams, Entscheidungen und Kommunikation zwischen Menschen zu verbessern.
Rückblickend erwies sich ihr Studienfach als universeller Werkzeugkasten für das
„echte Leben“.
| Profil von | Prof. Dr. Katharina Bühn |
| Studiengang | Psychologie |
| Fakultät | Mathematik und Naturwissenschaften |
| Studienzeit | 2000 bis 2007 |
| Aktuelle Tätigkeit | Direktorin der Dualen Hochschule Sachsen und Professorin für BWL, insbes. Personalmanagement und Mitarbeiterführung |
Wo sind Sie heute beschäftigt und in welcher Verantwortung?
Ich bin Professorin für BWL, insbes. Personalmanagement und Mitarbeiterführung an der Dualen Hochschule Sachsen (Standort Bautzen). Seit April 2025 bin ich dort auch als Direktorin gewählt. Damit verbinde ich zwei Rollen, die gut zusammenpassen: Zum einen arbeite ich wissenschaftlich und in der Lehre mit den Themen Führung, Zusammenarbeit und Organisation. Zum anderen gestalte ich genau diese Strukturen auch ganz praktisch im Hochschulalltag mit – von strategischen Entscheidungen bis hin zur Weiterentwicklung des Studienangebots. Ebenso erinnere ich mich an Statistik und Mathematik: Diese Fächer haben mir analytisches Denken beigebracht – auch wenn man das während des Studiums nicht immer sofort zu schätzen weiß. Sehr eindrücklich war außerdem die berufsorientierte Vertiefung (BOV), weil dort Theorie erstmals unmittelbar in reale Situationen übersetzt wurde. Schon damals habe ich mich für arbeitsgezogene Gesundheit sowie Stress /Stressmanagement interessiert.
Erste feierliche Immatrikulation der Amtszeit von Nancy Böhning am 1. Oktober 2025 im Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen.
Wovon profitieren Sie noch heute, wovon hätten Sie sich mehr gewünscht?
Sehr nachhaltig geprägt hat mich die intensive (offline-)Recherchearbeit während des Studiums. Sie war zwar zeitaufwendig, hat aber strukturiertes Denken trainiert: Informationen einordnen, Quellen kritisch prüfen und Argumente sauber herleiten – Fähigkeiten, die mir bis heute in meiner Tätigkeit helfen. Auch mündliche Prüfungen sehe ich heute rückblickend positiv: Sie fördern spontanes Denken, Argumentationsfähigkeit und echte Durchdringung von Themen – Kompetenzen, die im Berufsleben entscheidend sind. Mehr gewünscht hätte ich mir damals zusätzliche Angebote zur praktischen Anwendung wissenschaftlicher Inhalte, etwa im Sinne von anwendungsnahen Transferformaten oder Projektarbeiten. Auch Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten an sich, wie sie heute im Rahmen von AQUA-Modulen gelehrt werden, kamen etwas kurz. Die erste Seminararbeit war eher „learning by doing“.
Warum haben Sie sich für ein Studium an der TU Dresden entschieden?
Zum einen war die räumliche Nähe zu meiner Heimat Bautzen ein praktischer Faktor. Entscheidend war aber vor allem der frühe Kontakt zur Universität: Schon als Gymnasiastin habe ich mehrfach den Hochschultag im Januar besucht. Dadurch entstand nicht nur ein konkretes Bild vom Studium, sondern auch das Gefühl, dass dieser Ort erreichbar und passend für mich ist. Zudem begannen viele Freunde, die mit mir gemeinsam das Abitur abgelegt haben, ebenfalls ein Studium in Dresden.
Wieso haben Sie gerade diese Studienrichtung gewählt?
Am Anfang wollte ich Menschen verstehen. Ich wollte nachvollziehen, warum sie sich in bestimmten Art und Weisen verhielten und warum sie psychisch erkranken. Heute nutze ich es, um Teams, Entscheidungen und Kommunikation besser zu machen. Psychologie war rückblickend weniger ein Studienfach als ein Werkzeugkasten fürs echte Leben.Technische Probleme sind meistens lösbar. Schwieriger sind die menschlichen dahinter – deshalb war Psychologie für meine Karriere rückblickend die logischste Entscheidung. Ich habe Psychologie studiert, weil letztlich jede Branche am Ende mit Menschen zu tun hat. Die Berufsbezeichnung ändert sich – die Dynamiken bleiben gleich.
Wer aus Forschung und Lehre hat Sie in Ihrer Studienzeit am meisten geprägt?
Besonders prägend waren Lehrveranstaltungen bei Prof. Winfried Hacker, dem Mitbegründer der bekannten Handlungsregulationstheorie. Diese Lehrveranstaltungen haben bereits früh meinen Blick auf Arbeitsgestaltung und menschliches Verhalten im beruflichen Kontext geschärft. Ebenso erinnere ich mich an Statistik und Mathematik: Diese Fächer haben mir analytisches Denken beigebracht – auch wenn man das während des Studiums nicht immer sofort zu schätzen weiß. Sehr eindrücklich war außerdem die berufsorientierte Vertiefung (BOV), weil dort Theorie erstmals unmittelbar in reale Situationen übersetzt wurde. Schon damals habe ich mich für arbeitsgezogene Gesundheit sowie Stress /Stressmanagement interessiert.
Was würden Sie den heutigen Studienanfängerinnen und -anfängern mit auf den Weg geben?
Besuch Energiefabrik Knappenrode im Rahmen einer Mitarbeiterveranstaltung
Nutzen Sie die Informationsangebote der Universität aktiv – auch schon vor Aufnahme eines Studiums. Das erhöht die Chance, dass Sie einen Studiengang finden, der gut zu Ihnen passt. Bezogen auf das Fach Psychologie kann ich raten: probieren Sie verschiedene Richtungen aus. Ich selbst wollte anfangs unbedingt klinische Psychologin werden – im Hauptstudium und mit meiner ersten Stelle an der Uniklinik Leipzig habe ich aber schnell gemerkt, dass mein Herz eher für die Arbeits- und Organisationspsychologie schlägt. Als es dann mit einer Promotionsstelle an der TU Dresden geklappt hat, habe ich mich sehr gefreut. Umorientierung gehört zum Leben dazu. Lesen Sie auch viel! Das wissenschaftliche Schreiben kommt meiner Meinung nach zum großen Teil vom Lesen.
Und genauso wichtig: Genießen Sie bewusst das Studentenleben. Fachliches Wissen ist zentral, aber Netzwerke, gemeinsame Lernerfahrungen und informelle Gespräche prägen den späteren Weg oft mindestens genauso stark.
Woran erinnern Sie sich besonders gern in Ihrer Studienzeit?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Gemeinschaft. Obwohl über hundert Studierende im Studiengang gleichzeitig immatrikuliert wurden, entstanden schnell feste Gruppen und Freundschaften – Menschen, mit denen man gemeinsam gelernt, gezweifelt und schließlich Prüfungen geschafft hat. Natürlich gehören auch die klassischen studentischen Momente dazu: Partys, Konzerte und saisonale Veranstaltungen wie die Nikolausvorlesung mit Feuerzangenbowle. Unvergessen der Auftritt der Sportfreunde Stiller beim Campusfest im Sommer. Diese Mischung aus intensiver Arbeit und gemeinsamen Erlebnissen macht die Studienzeit im Rückblick einzigartig.
Wo war Ihr Lieblingsort an der Uni?
Die Alte Mensa war für mich ein zentraler Treffpunkt – nicht nur zum Essen, sondern genauso zum Austausch. Sie wurde gemeinsam mit der Cafeteria „Schummel“ im Schumannbau während des Promotionsstudiums ein sozialer Dreh- und Angelpunkt für mich und viele Kolleginnen und Kollegen. Zum konzentrierten Arbeiten dagegen die SLUB und Bibliotheken: Orte, an denen aus Stoff langsam Verständnis wurde.
Wie gelingt ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche?
Ein guter Berufseinstieg gelingt vor allem durch die Verbindung aus Fachwissen und praktischer Erfahrung. Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Projekte helfen, theoretische Modelle auf reale Situationen anzuwenden. In der Arbeit mit Menschen zählen außerdem Kommunikationsfähigkeit, Selbstreflexion und die Bereitschaft, Perspektiven zu wechseln. Wer nicht nur Methoden kennt, sondern auch zuhören kann, startet deutlich leichter. Generell ist die Branche enorm vielfältig und hier fällt es schwer, eine pauschale Antwort zu geben. Man sollte sich während des Studiums klarwerden, welche Richtung einem liegt – ist es eher die Klinische Psychologie, geht es eher in Richtung Arbeits- und Organisationspsychologie, interessieren mich Führungsthemen oder Pädagogik? Oder kann es auch eine wissenschaftliche Karriere sein?
Besuch des Wissenschaftsministers Sebastian Gemkow an der DHSN, Standort Bautzen – er wird einem „Stresstest“ mittels Biofeedback unterzogen
Was verbindet Sie heute mit der TU Dresden?
Bis heute bestehen enge Verbindungen – sowohl zu ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus der Promotionszeit als auch zu Professorinnen und Professoren, die inzwischen am Standort Bautzen lehren oder in Berufungsverfahren mitwirken. Die TU Dresden ist für mich daher nicht nur Studienort der Vergangenheit, sondern weiterhin Teil meines beruflichen Netzwerks. Nicht zuletzt habe ich meinen Ehemann an der TU Dresden während meines Promotionsstudiums kennengelernt. Inzwischen arbeiten wir gemeinsam am Standort Bautzen der Dualen Hochschule Sachsen. Nachhaltiger kann eine Verbindung zur TUD nicht sein!
Kontakt:
Prof. Katharina Bühn
TUD-Filmclips zum Studium der Psychologie:
Psychologiestudium © TUD 2022
Psychologiestudium © TUD 2022