Dr. Elisabeth Ansel
Dr. Elisabeth Ansel forschte an der Professur für Kunstgeschichte der TUD und vertrat die Professur im Wintersemester 2024/25. In ihrer Forschung verbindet sie Kunst mit Geschichte und Politik, wobei es ihr ein Anliegen ist, die komplexe Funktions- und Wirkweise von Kunst im gesellschaftlichen und politischen Kontext zu untersuchen. Die Faszination für Kunstgeschichte liegt für sie in der Auseinandersetzung mit visuellen Kulturen: von Bildern, Skulpturen und Performances bis hin zu Werbung und Film. Ihre Forschung wird durch eine kritische Perspektive geprägt: Kunstgeschichte wird dabei nicht nur als Beschäftigung mit Ästhetik betrachtet, sondern als ein Teil von Wirklichkeitskonstruktionen. In ihren bildwissenschaftlichen Forschungen geht sie Machtstrukturen, Genderfragen und postkolonialen Kontexten nach.
Nicht nur ihre Arbeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach ihrem Studium motivierte Ansel, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Ihr Interesse, sich intensiv mit Bildern und Kunstwissenschaft auseinanderzusetzen, ebenso wie ihre Freude an der Forschung und am Austausch mit Studierenden und Wissenschaftler:innen, führten sie schließlich zu einer Karriere in der Wissenschaft. Ein weiterer Antrieb war für sie der Wunsch, Wissen nicht nur zu schaffen, sondern auch nach außen zu vermitteln. Denn Wissenschaft lebt vom Austausch und entsteht nicht isoliert am Schreibtisch.
Schlüsselmomente ihrer wissenschaftlichen Laufbahn waren unter anderem Auslandsaufenthalte in den USA, Australien und Irland, die ihren Werdegang nachhaltig prägten. Auch die Verleihung des Dissertationspreises der Kulturstiftung Dresden im Jahr 2022 sowie die Auszeichnung mit dem Lehrpreis für diversitätssensible Lehre der TUD im Jahr 2025 bestärkten sie darin, weiterhin zu lehren und zu forschen.
Herausforderungen im akademischen Umfeld aufgrund ihres Geschlechts erlebte Dr. Ansel zwar meist subtil, dennoch waren sie spürbar. In einer männlich dominierten Disziplin bestand eine besondere Herausforderung darin, eigene Perspektiven zu entwickeln und sich Gehör zu verschaffen.
Im Umgang mit diesen Herausforderungen konzentrierte sie sich auf die Inhalte ihrer Arbeit und ihre eigenen Kompetenzen und schöpfte Selbstbewusstsein aus ihrer Expertise. Insbesondere Unterstützungsstrukturen und der Austausch mit anderen Frauen waren dabei essenziell. Auch Netzwerke, in denen ähnliche Erfahrungen geteilt wurden, gaben Dr. Ansel ein Gefühl von Solidarität, und stärkten sie in ihrem weiteren Weg.
Darüber hinaus spielten Vorbilder für Dr. Ansel eine wichtige Rolle. Gerade für junge Nachwuchswissenschaftlerinnen seien sie von großer Bedeutung, betont sie. Vorbilder zeigten, dass eine akademische Laufbahn möglich ist, und stärkten durch ihr Beispiel das Selbstbewusstsein anderer. Besonders in der Kunstgeschichte habe sie der Zugang zu selbstbewussten weiblichen und queeren Persönlichkeiten inspiriert.
Jungen Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben, gibt Dr. Ansel einen klaren Rat: „Für das eigene Thema brennen und sich nicht beirren lassen.“ Wichtig sei es, eine eigene Stimme zu finden, Netzwerke aufzubauen und Menschen zu suchen, die Unterstützung bieten. Hürden sollten als Herausforderungen betrachtet werden, die es zu überwinden gilt. Besonders wichtig sei es jedoch, sich gegen Rollenklischees zu stellen und sich selbst treu zu bleiben.
Für die Zukunft wünscht sich Dr. Ansel, dass Frauen in der Wissenschaft ebenso selbstverständlich und sichtbar vertreten sind wie Männer. Sie sollten den akademischen Diskurs angstfrei mitgestalten, und unterschiedliche Lebensentwürfe sollten selbstverständlich gelebt werden können, ohne dass private Entscheidungen die Wahrnehmung als Wissenschaftlerin bestimmen.
Dr. Ansel ermutigt Frauen, ihre Perspektiven einzubringen und ihre Stimme im akademischen Diskurs selbstbewusst einzubringen. Zugleich sieht sie die wissenschaftlichen Strukturen in der Verantwortung, diese Vielfalt ernsthaft zu fördern. Empowerment und Sichtbarkeit spielen dabei eine zentrale Rolle – für eine Wissenschaft, die gleichberechtigt und inklusiv ist.