May 12, 2026
Hospitation am Evangelischen Schulzentrum Muldental
Am 24. April 2026 besuchte das Team der Grundschuldidaktiken des BQL‑Projekts das Evangelische Schulzentrum Muldental, um Einblicke in dessen innovatives Schul- und Unterrichtskonzept zu gewinnen. Der Besuch bot wertschätzende Begegnungen, spannende Einblicke in den Unterrichtsalltag und zahlreiche Impulse für die eigene Lehrpraxis. Die Hospitation zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und gemeinschaftlich Lernen gestaltet werden kann.
Der Besuch der Dozierenden ermöglichte, das innovative Schul- und Unterrichtskonzept des Evangelischen Schulzentrums Muldental kennenzulernen und Impulse für die eigene Lehrpraxis im Grundschulbereich zu gewinnen. Das Team nutzte die Gelegenheit, zentrale Elemente des pädagogischen Ansatzes, insbesondere die Organisation der freien Lernzeit, die Rolle der Pädagog:innen und die Gestaltung der jahrgangsgemischten Gruppen direkt im Unterricht zu beobachten und mit den Lehrkräften vor Ort in den fachlichen Austausch zu diesen Themen zu treten.
Das Evangelische Schulzentrum Muldental verbindet ein werteorientiertes Profil mit einem modernen pädagogischen Konzept. Die Grundschule arbeitet auf Grundlage christlicher Werte und legt besonderen Fokus auf Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und eine gelebte Kultur der Mitbestimmung. Vielfalt wird als Chance verstanden: Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen lernen gemeinsam in jahrgangsgemischten Stammgruppen und werden individuell gefördert.
Offene Lernformen wie freie Lernzeiten, in denen die Kinder individuell oder gemeinsam an ihren Wochenzielen arbeiten, projektorientiertes Arbeiten, Werkstätten und regelmäßiges außerschulisches Lernen in der Natur, in lokalen Einrichtungen, in kulturellen Angeboten oder bei projektbezogenen Partnern im Ort prägen den Schulalltag. Ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Fachkräften mit unterschiedlichen Kompetenzen – darunter Grundschullehrkräfte, Sonderpädagog:innen, Sozialpädagog:innen, pädagogische Fachkräfte im Ganztag sowie engagierte Ehrenamtliche begleitet die Kinder in einem rhythmisierten Ganztagskonzept.
Für ihre demokratische Schulkultur wurde die Schule 2025 mit dem Themenpreis Demokratiebildung des Deutschen Schulpreises ausgezeichnet. Die Jury würdigte insbesondere die konsequente Beteiligung der Schüler:innen, die hohe Beziehungsorientierung sowie das Leitmotiv: „Hauptfach Mensch“.
Die Hospitation begann um 08:00 Uhr mit dem „freien Ankommen“. In dieser Zeit steht es den Schüler:innen frei, wann sie erscheinen und wie sie die Zeit bis zum Unterrichtsbeginn um 08:30 Uhr gestalten wollen. Dafür stehen ihnen verschiedene Lernspiele, eine Leseecke und weitere pädagogische Materialien zur Verfügung. Das BQL-Team wurde währenddessen von Mitgliedern der Schulleitung begrüßt und erhielt eine kurze Einführung in den Tagesablauf. Anschließend verteilten sich die Dozierenden auf fünf Lerngruppen, um den Unterricht aus unterschiedlichen Perspektiven zu beobachten.
In jeder Lerngruppe fand ein eigener Morgenkreis statt, in dem die Schüler:innen ihre individuellen Lernziele der Woche reflektierten und ihren Tag strukturierten. Nacheinander stellten die Kinder ihre individuellen Ziele vor, stellten dar, wie sie an den Zielen gearbeitet haben und erhielten eine mündliche Einschätzung der Lehrkraft. Daran schloss sich die freie Lernzeit an, in der die Kinder selbstständig an Aufgaben arbeiteten, die sie in ihren Heftern vorfanden oder gemeinsam Lernspiele nutzten. Über alle Gruppen hinweg zeigte sich eine ruhige, konzentrierte Lernatmosphäre. Die Schüler:innen waren Hospitationen sichtbar gewohnt und ließen sich durch die Anwesenheit des Teams nicht ablenken.
In der großen Frühstückspause nahmen sich mehrere Pädagoginnen Zeit für ein vertiefendes Gespräch mit den interessierten BQL-Dozierenden. Sie erläuterten die zentralen Elemente des Schullebens und die dahinterstehenden pädagogischen Überlegungen. Besonders deutlich wurde, warum die Schule mit dem Demokratiepreis ausgezeichnet wurde. Die Weiterentwicklung der Schule sowie der tägliche Schulbetrieb werden als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden, an der Lehrkräfte, Schüler:innen, Eltern und engagierte Menschen aus dem Ort gleichermaßen beteiligt sind.
Der Schultag endete für das BQL-Team mit einer Verabschiedung von allen Lerngruppen und ihren Pädagog:innen. Im Anschluss werteten die Dozierenden die Beobachtungen aus und leiteten erste Erkenntnisse für die eigene Lehrpraxis ab:
Die Hospitation bot wertvolle Einblicke in den Umgang mit Heterogenität. In allen Lerngruppen wurde sichtbar, wie Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen selbstverständlich gemeinsam lernen. Die Schule zeigt eindrucksvoll, dass Inklusion – so wie sie im BQL‑Projekt vermittelt wird – im Alltag gelingen kann, wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen sind und das pädagogische Team diesen Ansatz konsequent trägt.
Intensiv diskutierte das Team die Struktur der freien Lernzeit. Die beobachteten offenen Lernformen boten vielfältige Gelegenheiten für individuelles Arbeiten und kooperative Lernprozesse. Gleichzeitig regten die Eindrücke eine fachliche Auseinandersetzung darüber an, welche organisatorischen und didaktischen Voraussetzungen notwendig sind, damit solche Formate ihr volles Potenzial entfalten können. Dazu zählen eine klare Strukturierung der verschiedenen Lernphasen, transparente Aufgabenverteilung und eine enge Begleitung durch das pädagogische Team.
Deutlich wurde zudem die Bedeutung multiprofessioneller Zusammenarbeit. Das Schulzentrum profitiert spürbar davon, dass Fachkräfte mit unterschiedlichen Kompetenzen gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Kinder in ihren individuellen Lernprozessen begleiten. Für die eigene Lehre im BQL‑Projekt bestätigt dies, wie zentral multiprofessionelle Teams für gelingende Inklusion und eine ganzheitliche Förderung sind.
Das Team der Grundschuldidaktiken im BQL‑Projekt bedankt sich herzlich beim Evangelischen Schulzentrum Muldental für die offene Aufnahme, die transparenten Einblicke in den Schulalltag und die Zeit, die sich zahlreiche Pädagog:innen für den gemeinsamen Austausch genommen haben. Die Hospitation lieferte wertvolle Impulse für die eigene Arbeit und zeigte, wie engagiert und gemeinschaftlich Schule gestaltet werden kann.
Wir freuen uns darauf, die gewonnenen Eindrücke in unsere Lehre einfließen zu lassen und den fachlichen Austausch mit dem Schulzentrum durch gegenseitige Hospitationen künftig fortzuführen.
Ansprechpartner: Alexander Klippstein <alexander.klippstein@tu-dresden.de>