Jun 08, 2026
Vom Kloster in die Zukunft - Erfurter Impulse der dritten Vernetzungstagung zum dualen Studium
Teilnehmer:innen der Vernetzungstagung
Wie gelingt der Weg ins Lehramt, wenn er nicht dem klassischen Muster folgt? Diese Frage führte am 1. und 2. Juni 2026 Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Schulpraxis im Augustinerkloster Erfurt zusammen. Ausgerichtet wurde die dritte Vernetzungstagung von der Universität Erfurt, dem Centrum für Hochschulentwicklung und der Bertelsmann Stiftung.
Prof. Doris Nitsche-Ruhland, Vizepräsidentin der Dualen Hochschule Baden-Würtemberg (DHBW) eröffnete die Tagung mit einem einladenden Impulsgespräch zum dualen Studium. Sie weitete den Blick für die Vielfalt dualer Modelle – von unterschiedlichen Zeitrhythmen zwischen Praxis und Studium bis hin zu den Bedingungen, unter denen Fach- und Führungskräfte qualitativ hochwertig ausgebildet werden können. Ihr zentrales Argument lautete, dass Qualität entsteht dort entstehe, wo alle Partner:innen konstant und eng zusammenwirken. Für die Debatte um ein duales Lehramtsstudium lieferte sie damit genau die richtigen Anknüpfungspunkte.
Dr. Ina Semper und Dr. Andrea Schmerbauch von der Erfurt School of Education (ESE) knüpften nahtlos daran an. Ihr duales Lehramtsstudium – mit zwei Tagen Schule und drei Tagen Universität in der Studienmitte – weist bemerkenswerte Parallelen zur berufsbegleitenden Qualifizierung von Lehrkräften (BQL) an der TU Dresden auf und macht so einen Vergleich möglich. Besonders erscheint dabei eine mehrstündige Abminderung für das schulische Mentoring, aber auch die zehnjährige Bindung an die Schule. Dr. Semper betonte die handfesten Vorteile des Modells, darunter die frühe Berufspraxis, eine finanzielle Sicherheit während des gesamten Studiums, gezielte Nachwuchsgewinnung und eine verlässliche berufliche Perspektive danach. Klar wurde dabei auch, dass regelmäßig Gespräche miteinander den Grundstein für das Gelingen legen, d.h., die semesterweisen Treffen auf operativer Governance-Ebene sind kein Nice-to-have, sondern ein echtes Erfolgskriterium.
Arbeitsatmosphäre der Tischgruppen im Augustinerkloster
auszeichnet, ist ihr vernetzendes Format, bei dem Ministerien, Landesämter, Gewerkschaften, Lehrkräfte, Studierende und Universitätsvertreter:innen aus verschiedenen Bundesländern gemeinsam und auf Augenhöhe diskutieren. So ging es gerade den Austauschrunden darum, aktuelle Entwicklungstrends zu benennen, Gelingensbedingungen guter Lernortkooperationen auszuloten und die Frage zu klären, wen duale Lehramtsstudiengänge eigentlich ansprechen und ansprechen sollten. Ein World Café vertiefte die Arbeit in gemischten Gruppen bei der eine relativ komplexe und lebendige Themenbreite diskutiert wurde. Dazu gehörten die Organisation und Kompetenzaufbau im dualen Studium, rechtliche Rahmenbedingungen, die Finanzierung, Beschäftigungsverhältnisse sowie Qualitätssicherung und Evaluation.
Am Ende standen nicht nur Erfolge, sondern auch ehrliche Befunde: Chancen und Herausforderungen wurden ebenso festgehalten wie Desiderata. Dazu zählen aktuell noch eine klarere Rollenzuweisung aller Beteiligten und ein belastbareres Monitoring der tatsächlichen Bedarfslagen – beides Voraussetzungen dafür, wirklich vorausschauend planen zu können.
Was in Erfurt in diesen zwei Tagen gewachsen ist, verdient Fortsetzung, denn das Engagement aller Beteiligten hat gezeigt, dass sowohl ein gut organisiertes duales Lehramtsstudium als auch ein durchdachter Seiteneinstieg wirkungsvolle Antworten auf den Lehrkräftemangel sein können und dass es sich lohnt, diese Wege gemeinsam weiterzugehen. Die vierte Vernetzungstagung kann kommen.