17.01.2019; Vorlesung

Ringvorlesung: "Inklusion: Interdiszipli­näre Perspektiven"

Ringvorlesung Inklusion: Inclusion and Interdiscursivity in Literature: Arundhati Roy's The God of Small Things

Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt inklusive Bildung
16:40 - 18:10 Uhr
HSZ Hörsaal 3

Stefan Horlacher – „Inclusion and Interdiscursivity in Literature: Arundhati Roy's The God of Small Things“

In den Postcolonial Studies wird die Frage nach Inklusion kaum gestellt; vielmehr finden intersektionale Analysen bspw. entlang der Triade von race/class/gender statt, häufig verbunden mit einer Umwertung und dem Versuch, sich aus kolonialen Deutungsmustern zu befreien.

Indem der Begriff der sozialen Inklusion auf das Romanwerk von Arundhati Roy angewendet wird, stellt sich die Frage, wie sich dieses zum Erbe kolonialer Strukturen, vor allem aber indigener Strukturen verhält, welches Bild von Gesellschaft es zeichnet und wie dieses auf Mechanismen der Inklusion und Exklusion basiert. Gezeigt werden soll in einem ersten Schritt, dass Roys eminent wichtiger Roman The God of Small Things zutiefst inklusiv ist, indem er keine Facette der indischen Gesellschaft ausschließt, das Abjekt genauso inkludiert wie die anglo-indische Elite. Der Roman zeichnet dabei aber eine indische Gesellschaft, die von Exklusion (nicht nur) entlang des Kastenwesens, entlang der Geschlechtergrenzen sowie entlang religiöser Differenzierungen gekennzeichnet wird und in dem sich kolonial bedingte und indigene Exklusion vermischen und potenzieren. Innerhalb dieser inhaltlichen, in sich exkludierende Partialbereiche zerfallenden Fülle des Romans ereignen sich zwar auch Momente der Inklusion, die im Einzelnen herausgearbeitet und auf ihre Zukunftsfähigkeit hin untersucht werden sollen, wichtiger ist aber, dass die inhaltlichen Exklusionsstrukturen das Produkt einer bemerkenswerten formal-stilistischen Inklusion sind; das Produkt inklusiver Textmechanismen und Strategien, die den Roman auf formal-ästhetischer Ebene ‚zusammenhalten‘ und durch ihren inkludierenden Charakter erst das inhaltliche Bild der Exklusion ermöglichen, wenn nicht sogar darüber hinwegtäuschen.

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Sarah Schueckel
Letzte Änderung: 05.11.2018