Dec 07, 2020; Colloquium
Darstellungsstrategien von Gewalt. Blick und Gegenblick in der privaten Kriegsfotografie im Europa des Zweiten Weltkriegs
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Viele Wehrmachtsoldaten folgten 1939 willig der Aufforderung, gerade jetzt die Kamera nicht ruhen zu lassen. So entstanden Millionen von Knipserfotos beim Vormarsch, während der Besatzungszeit und beim Rückzug aus den besetzten Ländern Europas. Viele dieser Fotos wurden noch im Krieg, aber auch erst Jahre später in Alben geklebt. Sie strukturierten damit die Kriegserinnerungen der Soldaten zu subjektiv gestalteten Narrativen, die in ganz unterschiedlicher Weise die Gewaltpotentiale dieses Vernichtungskrieges zum Ausdruck bringen.
Im Vortrag werden Beispiele aus diesen Fotoalben analysiert und neuere Ansätze zum Folgeprojekt der Fotografie der Zivilisten in den besetzten Ländern aufgezeigt.
Kurzbio:
- Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Ethnologie in Hamburg und Paris (Promotion in Kunstgeschichte über Die ästhetische Kolonisierung des Orients)
- 1995 bis 2001 Koordinatorin der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944
- 2004 bis 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Forschungsprojekt Fremde im Visier. Privatfotografien der Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg an den Universitäten Oldenburg (Kunstwissenschaft) und Jena (Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts)
- 2009 ff Kuratorin der daraus entstandenen Wanderausstellung Fremde im Visier. Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg (bislang in mehreren Stadtmuseen gezeigt: Oldenburg, München, Frankfurt/M., Jena, Peine, Armeemuseum Delft (NL), Joanneum, Graz, Volkskundemuseum Wien)
- 2013-2017 Fellow bei der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz. Geschichte und Ästhetik am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin mit dem Folgeprojekt Regards croisés dans l’Europe en guerre (1939-45)
- 2014-2015 Fellow (Director’s guest) am IFK, Wien