15.07.2026
Ein Jahr Forschung in New York: Einblicke in die Xenotransplantation an der Columbia University
Ein Jahr lang hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes an der Columbia University in New York zu arbeiten – eine Zeit, die mich sowohl wissenschaftlich als auch persönlich nachhaltig geprägt hat.
Ich war Teil des Nowak Lab am Center for Translational Immunology (CCTI), das sich mit einem der drängendsten Probleme der modernen Medizin beschäftigt: dem Mangel an Spenderorganen. Ein vielversprechender Lösungsansatz ist die sogenannte Xenotransplantation, also die Übertragung von Organen zwischen verschiedenen Spezies – in diesem Fall vom Schwein auf Primaten und perspektivisch auf den Menschen. Ziel ist es, langfristig eine nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Spenderorganen zu ermöglichen.
Im Mittelpunkt meiner eigenen Forschung stand dabei das angeborene Immunsystem, insbesondere Makrophagen. Während in der klassischen Transplantation vor allem das adaptive Immunsystem im Fokus steht, zeigt sich in der Xenotransplantation zunehmend, dass auch angeborene Immunzellen eine entscheidende Rolle bei Abstoßungsreaktionen spielen. In meinem Projekt habe ich ein in vitro Modell etabliert, um zu untersuchen, wie Makrophagen auf Schweinezellen reagieren und wie sich diese Reaktion durch Medikamente wie Rapamycin beeinflussen lässt. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Makrophagen in diesem Kontext ein komplexes Aktivierungsverhalten zeigen, das sich nicht klar in klassische Kategorien früherer in vitro Experimente einordnen lässt.
Ein großer Teil meiner Arbeit bestand zunächst darin, dieses experimentelle System überhaupt aufzubauen – ein Prozess, der viel Geduld und Ausdauer erforderte, mir aber gleichzeitig ein tiefes Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten vermittelt hat. Besonders herausfordernd war der vorzeitige Abschied meines betreuenden Postdocs, der mich dazu zwang, schnell eigenständig zu arbeiten und Verantwortung für mein Projekt zu übernehmen. Rückblickend betrachtet erwies sich diese Erfahrung als eine der wertvollsten meines gesamten Aufenthaltes.
Neben meinem eigenen Projekt war ich eng in die praktische Arbeit des Labors eingebunden. Besonders beeindruckend war die Mitarbeit bei präklinischen Transplantationen, bei denen ich zahlreiche Operationen – darunter Nieren-, Leber-, Herz- und Knochenmarktransplantationen vom Schwein auf Paviane – begleiten konnte. Ich hatte die Möglichkeit, nicht nur bei den Eingriffen selbst zu assistieren, sondern auch die intensive prä- und postoperative Betreuung der Tiere mitzuerleben. Diese enge Verbindung von Forschung und präklinischer Anwendung war für mich besonders spannend und hat mein Interesse an der Transplantationsmedizin weiter verstärkt.
Auch das internationale Arbeitsumfeld war eine große Bereicherung. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern hat mir neue Perspektiven eröffnet – sowohl wissenschaftlich als auch persönlich. Besonders der Austausch mit internationalen Fellows hat meinen Blick auf unterschiedliche Arbeitsweisen und Kulturen erweitert.
Abseits des Labors bot natürlich auch die Stadt New York unzählige Eindrücke. Trotz eines oft sehr intensiven Arbeitsalltags blieb immer wieder Zeit, die Vielfalt und Dynamik dieser einzigartigen Stadt zu erleben.
Insgesamt war das Jahr an der Columbia University eine äußerst prägende Erfahrung. Es hat mir nicht nur neue wissenschaftliche Fähigkeiten vermittelt, sondern mich auch persönlich wachsen lassen und meinen weiteren beruflichen Weg maßgeblich beeinflusst.
Ich bin der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden sehr dankbar, dass sie mein Vorhaben unterstützt hat.
Max Boeck