Dr. Anne Gärtner
Das Interesse an einer wissenschaftlichen Laufbahn wurde in Dr. Anne Gärtner während des Studiums geweckt. Die Begeisterung für das wissenschaftliche Arbeiten sowie ihre Tätigkeit als studentische Hilfskraft zeigten ihr schnell, dass ihr beruflicher Weg in die Wissenschaft führen würde.
In ihrer Forschung an der Technischen Universität Dresden beschäftigt sie sich mit der Verarbeitung und Regulation von Emotionen. Dabei interessiert Dr. Gärtner vor allem, wie Emotionen entstehen und wie wir sie regulieren können, aber auch warum diese Prozesse bei Menschen mit psychischen Erkrankungen manchmal aus dem Gleichgewicht geraten können.
„Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Emotionen mit Gesundheit und Wohlbefinden zusammenhängen, und auf dieser Grundlage auch neue Ansätze für die klinische Psychologie und die Behandlung affektiver und anderer psychischer Störungen zu entwickeln.“
Ein wichtiger Wendepunkt in Gärtners beruflicher Laufbahn war die Beschäftigung mit dem Thema Open Science. „Damals habe ich gemerkt, dass Probleme mit Reproduzierbarkeit und Replizierbarkeit nicht an mir persönlich lagen, sondern oft strukturell in der Wissenschaft verankert sind.“ Ein zentrales Anliegen ist es ihr seitdem, die Qualität und Transparenz in der Forschung zu fördern. Mit Projekten wie RESQUE oder der Open Science Initiative der Fakultät Psychologie an der TUD möchte sie dazu beitragen, die Forschung nachhaltiger und gerechter zu gestalten.
Für ihre Arbeit erhielt Dr. Gärtner mehrfach den Karl-und-Charlotte-Bühler Preis für ausgezeichnete Lehre. Im Jahr 2023 wurde sie zudem mit dem Einstein Foundation Early Career Award ausgezeichnet. Diese Ehrung stellte einen weiteren prägenden Moment dar, da dieser ihre Arbeit sichtbar machte und ihr zugleich persönlich Rückenwind verlieh.
Nicht nur solche Situationen beeinflussten Dr. Gärtners Karriere, auch Vorbilder spielten eine wichtige Rolle. „Sie machen sichtbar was möglich ist, zum Beispiel, dass Karrierewege nicht immer geradlinig verlaufen müssen und dass beides geht, Familie und Wissenschaft.“ Besonders prägend waren für sie ihr ehemaliger Betreuer und dessen Frau, die ihr zeigten, dass sich Familie und eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere miteinander vereinbaren lassen. Auch Frauen in ihrem Umfeld vermittelten ihr durch Gespräche und Diskussionen ein moderneres und vielfältigeres Bild von Wissenschaft.
„Gerade Vorbilder, die zeigen, dass man auch mit Wärme, Vorsicht und einem kooperativen, ‚weiblicheren‘ Führungsstil erfolgreich sein kann, sind inspirierend. Sie machen sichtbar, dass es viele Wege gibt, in der Wissenschaft (und darüber hinaus) Wirkung zu entfalten.“
Dr. Gärtner rät jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen: „Hinterfragen Sie bewusst, ob eine wissenschaftliche Laufbahn wirklich das ist, was Sie wollen – und wenn ja, bleiben Sie dran und lassen Sie sich nicht entmutigen.“ Der Aufbau von Netzwerken und der Austausch von Erfahrungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Dabei halfen Dr. Gärtner Netzwerke aus Kolleg:innen, die sich gegenseitig unterstützen, mit den Herausforderungen ihres Felds umzugehen. Immer wieder begegneten ihr Situationen, in der Frauen weniger ernst genommen wurden oder sich nicht trauten, ihre Meinung zu äußern.
„Ich persönlich fände es sehr schön, wenn sich Frauen noch stärker in Teams zusammenschließen würden, weil ich glaube, dass wir gemeinsam oft noch mehr erreichen können als allein.“
Diese Erfahrungen zeigten ihr deutlich, dass „Gleichstellung zwar Fortschritte macht, aber noch nicht selbstverständlich ist.“ Für die Zukunft wünscht sich Dr. Gärtner daher, dass Frauen in der Wissenschaft nicht länger als Minderheit wahrgenommen werden, sondern ein selbstverständlicher Teil der wissenschaftlichen Community werden. „Strukturell wünsche ich mir transparente und verlässliche Karrierewege, echte Vereinbarkeit von Familie und Forschung, und eine Kultur, in der Vielfalt nicht als Herausforderung, sondern als Stärke gesehen wird.“