Dr. Annika Konrad
Dr. Annika Konrad schöpft ihre Motivation für ihre wissenschaftliche Laufbahn aus ihrer Neugier und dem Interesse an wissenschaftlichen Prozessen. Bereits ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft und ihre Promotion zeigten ihr, wie facettenreich wissenschaftliches Arbeiten sein kann. Besonders die Phase der Entwicklung neuer Ideen, der Planung von Studien und die Analyse von Daten bereiten ihr Freude. Ebenso schätzt sie die Arbeit mit Studierenden, die eine spannende Ergänzung und Ausgleich zur Arbeit am Schreibtisch darstellt.
Ihre Forschung als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Klinische Psychologie und Behaviorale Neurowissenschaft der TUD konzentriert sich darauf, wie Empathie zur psychischen Gesundheit beiträgt. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie untersucht sie die neuralen Grundlagen von Empathie sowie Veränderungen empathischer Prozesse bei Personen mit psychischen Störungen.
„Besonders spannend finde ich an diesem Thema, dass Empathie ein Prozess ist, der uns allen täglich in sozialen Interaktionen begegnet und dabei sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Gerade diese Ambivalenz fasziniert mich.“
Für ihre verständliche Vermittlung komplexer Forschung wurde sie 2025 mit dem KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet.
Ein prägender Moment ihrer beruflichen Laufbahn war die Möglichkeit eines Forschungsaufenthaltes an der Universität Cambridge. Das Kennenlernen neuer Themen, Arbeitsweisen und eines anderen Universitätssystems bereicherten Annika Konrad fachlich und persönlich. Auch die inhaltliche Neuausrichtung während des letzten Jahres ihrer Promotion beeinflussten ihre Arbeit und ihre weiteren Forschungsprojekte.
Zu den Herausforderungen in ihrer Laufbahn zählte, die Balance zwischen ihrer Promotion und der parallelen Ausbildung zur Psychotherapeutin. Zudem sind die befristeten Verträge in der Wissenschaft immer wieder mit Unsicherheiten verbunden.
„Ich möchte gerne langfristig in der Wissenschaft arbeiten, habe jedoch nicht vollständig in der Hand, wie es nach Vertragsende weitergeht.“
Im Umgang mit den Herausforderungen war vor allem der Austausch mit Kolleg:innen wichtig, aber auch die Teilnahme an einem Mentorinnenprogramm half ihr dabei. Eine bedeutende Rolle spielen aber auch Vorbilder:
„Mich inspirieren besonders Menschen, die eine echte Begeisterung für ihr Fach ausstrahlen und zugleich eine gewisse Gelassenheit bewahren – trotz des Drucks, der im Wissenschaftssystem herrscht. Ebenso inspirierend finde ich es, wenn vor allem Frauen sichtbar machen, dass sich Familie und eine Karriere in der Wissenschaft miteinander vereinbaren lassen.“
Dr. Konrad ist überzeugt, dass Vorbilder eine wichtige Rolle spielen, insbesondere für junge Frauen in der Wissenschaft. Sie können Orientierung bieten, unterschiedliche Arbeitsweisen sichtbar machen und vielfältige Wege in der Wissenschaft aufzeigen. Jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen rät Dr. Konrad, auf ihre eigenen Grenzen zu achten, denn auch wenn die Wissenschaft viel Flexibilität bietet, besteht die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.
„Da jede Person ihren eigenen Arbeitsrhythmus hat, sind Vergleiche nicht hilfreich. Entscheidend ist vielmehr, bewusst Zeiten für den inhaltlichen Austausch zu schaffen, die eigenen Stärken kennenzulernen und sich für persönliche Entwicklungsfelder aktiv Unterstützung zu suchen.“
Für die Zukunft der Frauen in der Wissenschaft wünscht sich Dr. Konrad mehr Planungssicherheit. Schließlich führten befristete Verträge und der Druck örtlicher Flexibilität häufig zum Verlassen des akademischen Systems. Verlässlichere Perspektiven hingegen würde sowohl die individuelle Planung erleichtern, als auch bereits erworbenes Wissen und Erfahrung im Wissenschaftssystem erhalten.