Jun 11, 2026
Johannes Herwig zu Gast bei BQL Deutsch – Lesung aus dem Roman „Bis die Sterne zittern“
Johannes Herwigs Roman „Bis die Sterne zittern“ ist seit dem Schuljahr 2025/26 verbindliche Prüfungslektüre für den Realschulabschluss im Freistaat Sachsen
Wissenschaftliche Inhalte mit Impulsen für die Gestaltung von Unterricht zu verbinden, ist eine besondere Herausforderung und ein wichtiges Anliegen im Rahmen des BQL-Programms. Im Fach Deutsch wurden im Sommersemester 2026 Kooperationsseminare zwischen Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik durchgeführt, um mehr Vernetzung zwischen den beiden Disziplinen sowie zwischen Theorie und Praxis zu ermöglichen. Ihren Höhepunkt fand die Veranstaltungsreihe Anfang Juni, als Johannes Herwig aus seinem Buch „Bis die Sterne zittern“ las. Der Roman ist seit dem Schuljahr 2025/26 verbindliche Prüfungslektüre an sächsischen Oberschulen.
Johannes Herwig liest aus seinem Roman
Am 9. Juni 2026 war Johannes Herwig zu Gast bei BQL Deutsch. Im Rahmen einer Lesung mit anschließendem Gespräch gab er spannende Einblicke in seinen 2017 erschienenen Debütroman „Bis die Sterne zittern”. Dieser ist seit dem Schuljahr 2025/26 verbindliche Prüfungslektüre für den Realschulabschluss im Freistaat Sachsen. Die Fragen, die Herwig darin am Beispiel jugendlicher Opposition in Leipzig während des Nationalsozialismus stellt, sind auch heute noch hochaktuell: Mitmachen, sich still anpassen oder Kontra geben?
Das Publikum im Austausch mit Johannes Herwig
An der Veranstaltung nahmen ca. 50 interessierte Personen teil. Neben den Teilnehmer:innen von BQL Deutsch bestand das Publikum u. a. aus Mitarbeiter:innen und Studierenden der TU Dresden sowie Teilnehmer:innen anderer BQL-Fächer. Nachdem Johannes Herwig im ersten Teil der Veranstaltung verschiedene Passagen aus seinem Roman vorgelesen und die Anwesenden in die Welt des Protagonisten Harro mitgenommen hatte, erhielten die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, sich direkt mit dem Autor auszutauschen. Neben anregenden Fragen zum Entstehungs- und Schaffensprozess seines Romans sowie zur Interpretation ging es auch um Herwigs Erfahrungen mit Autor:innenbegegnungen in Schulen, die er regelmäßig und mit viel Engagement anbietet.
Die Lesung mit Johannes Herwig markierte für das Organisationsteam, das aus Stephanie Richter und Joachim Kern (BQL Deutsch) bestand, zugleich den Höhepunkt einer Reihe an Kooperationsseminaren zwischen Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik, die sie im Sommersemester 2026 gemeinsam konzipierten und in Form von Teamteaching durchführten. Das Ziel bestand zum einen darin, das Kohärenzerleben der Teilnehmer:innen zwischen den beiden germanistischen Teildisziplinen zu stärken. Zum anderen boten die integrierten Selbsterprobungen Gelegenheiten für die Reflexion von Transfermöglichkeiten in den schulischen Deutschunterricht und somit Impulse zur Verknüpfung von Theorie und Praxis. Dies hat im Rahmen einer berufsbegleitenden Qualifizierung von Lehrkräften eine besondere Bedeutung.
Teilnehmer:innen von BQL Deutsch beim literarischen Gespräch
Im ersten Kooperationsseminar zum Thema „Politische Songs im Deutschunterricht“ standen Songs als Gegenstände des Literaturunterrichts mit einem hohen Lebensweltbezug für die Schüler:innen im Mittelpunkt. Im Anschluss an die literaturwissenschaftliche Einführung in Konzepte des Politischen sowie literaturdidaktische Schlaglichter auf Songs erprobten die Teilnehmer:innen ein literarisches Gespräch zu einem gegenwärtigen politischen Song aus dem Genre Rap („Gute Menschen“ von OK Kid). Aus der gemeinsamen Annäherung an die musikalisch lyrische Gestaltung und die politischen Gehalte des Rap-Songs leiteten sie theorie- und erfahrungsbasiert konkrete unterrichtliche Potenziale, Herausforderungen und Einsatzmöglichkeiten ab, um das übergreifende Ziel politischer Bildung fachspezifisch zu realisieren.
Joachim Kern und Stephanie Richter bei der gemeinsamen Lehre
Das zweite Kooperationsseminar „Autor:innenlesungen und -gespräche als Instrumente der Leseförderung“ ging der Autorenbegegnung mit Johannes Herwig unmittelbar voraus. In diesem Rahmen verband sich ein literaturdidaktisches Ausloten von Potenzialen und Herausforderungen des Formats zum Zwecke schulischer Leseförderung mit einer literaturwissenschaftlichen Einführung in den Roman „Bis die Sterne zittern“. Mit Johannes Herwigs Lesung erlebten die Teilnehmer:innen schließlich selbst eine Autorenbegegnung und stellten im Anschluss deren inspirierenden Charakter für ihr eigenes schulisches Wirken heraus. Mehrere Personen planen, zukünftig selbst Autor:innen in die Schule einzuladen.
In der Evaluation der Kooperationsseminare lobten die Teilnehmer:innen u. a., dass sich durch die gemeinsame Gestaltung von Lehrveranstaltungen die Fachbereiche besser verbinden und die Inhalte greifbarer und praxisnäher mit Blick auf ihre Nutzbarkeit im Deutschunterricht erscheinen. Sie gaben auch an, sich entsprechende Verbindungen zwischen Literaturwissenschaft und -didaktik häufiger zu wünschen. Auf der Basis dieser positiven Rückmeldungen sollen die Kooperationsseminare bei BQL Deutsch fortgesetzt und zukünftig weiter ausgebaut werden.