28.01.2026
Von der Technik zur Didaktik: Künstliche Intelligenz in der Unterrichtsplanung
Einblick in den Ablauf des Lehr-Lern-Angebots
Am 12.01.2026 wurde in der wissenschaftlichen Ausbildung im Fach WTH/S erstmals ein Lehr-Lern-Angebot zu Künstlicher Intelligenz (KI) in der Unterrichtsplanung durchgeführt. In zwei Zeitslots à 90 Minuten erarbeiteten Dr. Christin Nenner (BQL.Digital) und Mirjam Koerber (Dozentin WTH/S) gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie generative KI reflektiert in der Unterrichtsvorbereitung eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Technik als vielmehr die Frage, was KI leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.
Inspiriert von Lehr-Lern-Angeboten zu KI, die im BQL-Fach Deutsch bereits etabliert sind, wurde in diesem Semester das erste Mal ein entsprechendes Format im BQL-Fach WTH/S umgesetzt. Der inhaltliche Fokus lag hier auf zwei zentralen Bausteinen der Unterrichtsplanung: der Sachanalyse und der tabellarischen Verlaufsplanung. Ziel des Angebots war es, die BQL-Teilnehmenden für die Funktionsweise textgenerierender KI zu sensibilisieren und ihnen zugleich ein Gespür für typische Herausforderungen zu ermöglichen. Dabei ging es weniger um die Entwicklung rezeptartigerhafter, schneller Lösungen. Vielmehr sollten die BQL-Teilnehmenden ein vertieftes Verständnis dafür gewinnen, wie textgenerierende KI funktioniert, formuliert und strukturiert.
Praxisnaher Einstieg und kritische Reflexion
Aktivierung der Erfahrungen der BQL-Teilnehmenden zum Einsatz von KI
Zu Beginn des Lehr-Lern-Angebots wurden die bisherigen Erfahrungen der BQL-Teilnehmenden mit KI gesammelt und eingeordnet. Darauf aufbauend erhielten alle eine kurze Einführung in die grundlegenden Funktionsprinzipien generativer KI, sodass ein gemeinsames Ausgangsniveau entstehen konnte. Anschließend wurden verschiedene KI-Tools vorgestellt, von frei zugänglichen Anwendungen bis hin zu universitätsinternen und schulspezifischen Angeboten.
Besonders anschaulich wurde das Thema bei Anwendungsbeispielen. Anhand des Lehrplanthemas in der Oberschule in Klasse 9 „Lebensmittelverschwendung“ demonstrierte Dr. Christin Nenner live, wie eine Sachanalyse mit Hilfe eines Start-Prompts im Tool „ChatAI“ erstellt werden kann. Das zunächst eher grobe Ergebnis wurde gemeinsam im Plenum diskutiert und schrittweise durch gezielte Prompt-Anpassungen verbessert. Die Teilnehmenden konnten unmittelbar erleben, wie stark Qualität und Tiefe der Ergebnisse von der Formulierung der Eingaben abhängen. Es folgte ein Vergleich zwischen einer KI-generierten und einer von BQL-Teilnehmenden erstellten Sachanalyse. In der Diskussion wurde deutlich, welche fachlichen und (fach-)didaktischen Anforderungen sich nicht ohne Weiteres automatisieren lassen.
Praxisnaher Einsatz des textgenerierenden KI-Tools ChatAI und gemeinsame Reflexion der Ergebnisse
Auch bei der tabellarischen Verlaufsplanung, die am Beispiel des Lehrplanthemas in der Oberschule in Klasse 7 „Die historische Entwicklung von Geld und dessen Funktionen“ erprobt wurde, zeigte sich schnell, dass KI zwar strukturierte Vorschläge liefern kann, diese jedoch stets kritisch geprüft und fachlich wie didaktisch angepasst werden müssen. Gerade in diesen Phasen entstanden lebhafte Gespräche über Sinn, Nutzen und Grenzen des KI-Einsatzes in der Unterrichtsplanung.
Erkenntnisse und Fazit: KI als unterstützendes Werkzeug
Das Lehr-Lern-Angebot wurde von den Teilnehmenden sehr gut angenommen. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und eigene Unsicherheiten offen anzusprechen. Eine zentrale Erkenntnis war, dass der Weg zu guten KI-Ergebnissen häufig zeitaufwendig ist. Die intensive Arbeit an Prompts kostet Zeit. Gleichzeitig kam die Idee auf, dass ein einmal gut formulierter Prompt künftig möglicherweise angepasst und wiederverwendet werden könnte, um langfristig eine echte Unterstützung darzustellen.
Die BQL-Teilnehmenden erarbeiten in einer aktiven Arbeitsphase gemeinsam die Unterschiede zwischen den mitgebrachten Sachanalysen
Besonders aufmerksam beobachteten die Teilnehmenden die typischen Auffälligkeiten in KI-Texten. Oberflächliche Darstellungen, fragwürdige wissenschaftliche Bezüge und unklare Autorenschaft der Quellen führten immer wieder zu kritischen Nachfragen. Daraus ergab sich eine zentrale Einsicht: Die Lehrperson bleibt Expert:in für Fach, Klasse und Lernvoraussetzungen der Schüler:innen. KI kann Ideen liefern, Anregungen geben und erste Entwürfe formulieren – die Verantwortung für Qualität, Passung und didaktische Entscheidungen bleibt jedoch beim Menschen.
Mit dem Lehr-Lern-Angebot zu KI in der Unterrichtsplanung im BQL-Fach WTH/S ist ein Format entstanden, das Theorie, Praxis und Reflexion auf gelungene Weise verbindet. Die Teilnehmenden konnten nicht nur hinterfragen, wie generative KI funktioniert, sondern auch selbst erfahren, wo ihre Stärken liegen und wo Vorsicht geboten ist. So wurden sie gezielt für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI in der Unterrichtsvorbereitung sensibilisiert.
Weitere Einblicke in Lehr-Lern-Angebote zu KI in der wissenschaftlichen Ausbildung der berufsbegleitenden Qualifizierung von Lehrkräften an der TU Dresden finden Sie hier:
- Lehr-Lern-Angebot in der Grundschule Digitales Lesen von Suchmaschinen bis Künstlicher Intelligenz
- Veranstaltungsreihe Künstliche Intelligenz in Schule & Hochschule
- Lehr-Lern-Angebote im Fach Deutsch Künstliche Intelligenz im Deutschunterricht