Prognose und Überwachung im Waldschutz

Prognose ist im Waldschutz die Vorhersage des weiteren Verlaufs der Vorkommen der potenziellen Schadfaktoren (Entwicklungs-, Populations- oder Befallsprognose) und/oder der zu erwartenden Schäden (Schadensprognose). Die Prognosen beziehen sich sowohl auf die Art und den Grad der zu erwartenden Schädigung als auch auf deren flächige Ausdehnung.

Bei Organismen werden die Prognoseergebnisse oft mit bekannten kritischen Werten abgeglichen, um die Stabilität oder Elastizität des betroffenen Waldes einerseits oder dessen Labilität andererseits auszuweisen. Dabei sind bereits vorhandene Abweichungen vom Normalbefund ebenso zu berücksichtigen wie die Reaktionen von Antagonisten, die Anpassung der betroffenen Bäume oder auch der veränderte Lebensraum für die Schadorganismen. Es werden stets Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten der Folgen der Einwirkung der potenziellen Schadfaktoren angegeben. Bei biotischen Schadfaktoren wird die angestrebte Aussagegenauigkeit von 80 % oft nicht erreicht, weil die Waldökosysteme in der Vielfalt ihrer Wechselwirkungen und damit auch der Auseinandersetzung mit potenziellen Schadfaktoren noch nicht umfassend genug wissenschaftlich durchdrungen sind.

Ergibt die Prognose, dass die Zielstellungen der Waldbesitzer oder höherrangige Interessen der Gesellschaft gefährdet sind, ist darüber zu entscheiden, ob die potenziellen Schadfaktoren abgewehrt oder alternativ die Schäden hingenommen und ausgeglichen werden. 

Überwachung ist im Waldschutz die zielgerichtete Erhebung der Ausprägung von Parametern potenzieller Schadfaktoren. Für die bedeutsamsten potenziellen Schadfaktoren wie z. B. Waldbrände, häufige oder mit wiederkehrenden Massenvermehrungen vorkommende Nadeln oder Blätter fressende Insekten, sowie wichtige Borkenkäferarten gibt es routinemäßig durchzuführende Überwachungsverfahren, um deren Vorkommen bzw. die Veränderungen in den Vorkommen rechtzeitig erkennen zu können. 

Waldbrände werden heute in Deutschland fast ausschließlich mit kamera- und computergestützten, automatischen Erkennungs- und Überwachungssystemen lokalisiert, wobei die Ersterkennung oft auch von Menschen aus der Umgebung der Entstehungsbrände über die inzwischen überall verfügbaren Kommunikationsverbindungen gemeldet werden.

Bei anderen potenziellen biotischen Schadfaktoren werden Stichprobeverfahren ausgewiesen, bei den z. B. mit Hilfe von Lockstofffallen adulte Organismen gefangen oder andere Objekte der Diagnose erfasst werden. Je nach Vorkommen oder Phase der Entwicklung der potenziellen Schadfaktoren sowie Ergebnissen der Prognose werden Überwachungsverfahren auf einem grundsätzlich anzuwendenden Niveau durchgeführt bzw. intensiviert, um weitere Überwachungsverfahren erweitert und auf den Überwachungsflächen verdichtet.

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Christiane Helbig
Letzte Änderung: 27.10.2016