Profil

Die Englische Literaturwissenschaft beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit der eng­lisch­sprachigen Literatur sowie Textproduktion (im weitesten Sinne) Großbritanniens und Ir­lands sowie mit den New English Literatures / Postcolonial Literatures in englischer Sprache. Die zentralen philologischen Fragestellungen der traditionellen Literaturwissenschaft sind dabei eng mit kultur-, sprach-, medien- und genderwis­sen­schaftlichen Perspektiven verflochten.

I Grundlagen der Lehre

Im Mittelpunkt der Lehre stehen die Vermittlung eines soliden analytischen und interpre­tatorischen Grundlagenwissens und eine angemessene Theoretisierung der gewählten Vor­ge­hensweise wie auch der literarischen Texte selbst. Inhaltlich umfasst die anglistisch-lite­ratur­wissenschaftliche Ausbildung alle Gattungen sowie – aufbauend auf der Mediävistik – pri­mär die Literatur vom 16. bis 21. Jahrhundert. Ergänzend hierzu werden interkulturelle und (inter-)mediale Kompetenzen sowie reflektierte Kenntnisse der wichtigsten Arbeits- und Ana­ly­semethoden vermittelt.

In einem ersten Schritt bedeutet dies, dass stark primärtextorientiert ge­arbeitet wird, wobei unter Berücksichtigung neuester didaktischer Erkenntnisse literatur-, kul­tur- und medienwissenschaftliche Grundlagen sowie deren Einbettung in den sozio-hi­sto­ri­schen Kontext gelehrt werden. Die Lehre ist studierendenorientiert und betreuungsintensiv, bspw. bei der Vorbereitung von Referaten oder der Anfertigung von Hausarbeiten, Bachelor- und Master-Arbeiten. Zu den Einführungsveranstaltungen werden zahlreiche Tutorien angeboten, in der Unterrichtsgestaltung stehen handlungsorientierte Maßnahmen im Mittelpunkt, und von allen Lehrenden wird ein aktiver, lernerzentrierter Unterricht praktiziert.

In den ersten Semestern geht es darum, die Kernbereiche, Ziele und Methoden des Faches für jeden Studierenden transparent und nachvollziehbar zu machen, die Metho­den und die wichtigsten Theorien des Faches zu lehren – in der Regel mit klarem Bezug auf kanonisierte Texte von Geoffrey Chaucer über Christopher Marlowe, William Shakespeare und John Milton bis zu William Wordsworth, James Joyce, Salman Rushdie, Zadie Smith oder Ian McEwan. Dies entspricht einem modernen Selbstverständnis des Faches, denn bevor in spezialisierte Bereiche vorgedrungen werden kann, muss ein be­stimmtes Wissensplateau gelegt und gesichert werden. Gerade in der BA/MA- und Lehramts-Ausbildung ist es wichtig, dass in der Kürze der zur Verfügung stehenden Aus­bil­dungszeit solide Textgrundlagen, historische und sozio-politische Kontexte sowie Methoden und Arbeitsweisen vermittelt werden, die den Studierenden einerseits einen weiten Überblick über ihr Fach geben, ihnen andererseits aber auch wissenschaftlich-exemplarisches Arbei­ten ermöglichen. Hinzu kommen eine dezidierte Praxisorientierung, Schlüsselqualifikationen und social skills, Praktika, Medienkompetenz, Präsentationstechniken sowie ein längerer Aufenthalt im englischsprachigen Ausland. Dieser ist unbedingt notwendig, soll neben einer Sprach- und Kulturkompetenz doch auch eine international ausgerichtete Interdisziplinarität und Vertrautheit mit Methoden und Zielen der angelsächsisch geprägten Literatur- und Kul­tur­wissenschaft erreicht werden.

Auf diesen Grundlagen aufbauend werden sukzessive literarische Schlüsseltexte sowie die bis dahin gelehrten Methoden und Arbeitsweisen durch ein breites Spektrum von Theorien und Texten ergänzt, so dass ein theoretisch fundiertes und anspruchsvolles BA-, MA- und Lehramtsstudium angeboten werden kann, an das sich wiederum eine Promo­tions­förderung, bspw. durch Oberseminare, Kolloquien sowie eine geplante Graduate School anschließt.

II Wissenschaftliche Ausrichtung

Ziel der Lehre im Bereich Englische Literaturwissenschaft ist es, über exzellente Primär­text­kenntnisse wie auch über literatur- und kulturgeschichtliches Wissen hinauszugehen und die viel­fältigen Verbindungen und diskursiven Überkreuzungen zwischen Literaturwissenschaft ei­nerseits und Kultur-, Medien-, Geschlechterwissenschaft, Philosophie und Ästhetik an­der­erseits herauszuarbeiten, um die Interdependenz und das 'Ineinandergreifen' dieser Dis­zi­pli­nen zu verdeutlichen (immerhin umfasst Literaturwissenschaft stets auch Teile der Kultur- und Medienwissenschaft, der Semiotik und der Linguistik). Hierbei werden ein weit gefasster, als Brücke fungierender Medienbegriff sowie ein sich mit dem Medium der Schrift aus dekonstruktivistischer Sicht beschäftigender Ansatz appliziert, der nach der spezifischen Qualität des von literarischen Texten, aber auch von Kunst allgemein produzierten Wissens fragt. An der Professur für Englische Literaturwissenschaft werden folgende theore­tische Ansätze vertreten und gelehrt:

  • narratologisch-strukturalistisch,
  • diskursanalytisch,
  • semiotisch,
  • sozio-historisch/kontextbezogen,
  • genderwissenschaftlich,
  • psychoanalytisch,
  • postkolonial,
  • konstruktivistisch/dekonstruktivistisch/poststrukturalistisch,
  • phänomenologisch,
  • medientheoretisch,
  • filmtheoretisch.


Einerseits führt dies bei den Studierenden zu einer profunden Methodenkenntnis und -re­flexion, andererseits können die anhand von Text- und Filmanalysen gewonnenen Ergeb­nisse auf ihre Verallgemeinerbarkeit geprüft und im positiven Fall (im Sinne von sozialer Re­le­vanz) auf die Gesellschaft übertragen werden. Erleichtert wird dies auch dadurch, dass als Un­tersuchungsgegenstände neben kanonisierte Texte zunehmend vernachlässigte oder aus­gegrenzte literarische Zeugnisse treten, bspw. die sogenannte popular culture oder auch Funktionstexte, die Aufschluss über Denkparadigmen, Diskurse und Wertmaßstäbe einer be­stimmten Epoche liefern und schildern, wie die Alltagswelt außerhalb der fiktional gestalteten Wirk­lichkeit erfahren bzw. gestaltet wird.

Integraler Bestandteil der Anglistik sind die bereits angesprochenen New English Literatures und deren eigene, dezidiert 'andere' Tradition anglophoner Literatur, wodurch sich rück­bezüglich auch die britische Literatur in einem anderen Licht zeigt. Wichtige Teilbereiche stel­len hier die Postkolonialismusdebatte genauso wie die Frage nach dem Umgang mit Alte­rität, nach Stereotypen/Projektionen, Hybridisierung und negotiation dar. Hier ergeben sich auch enge Berührungspunkte zu den Nachbarprofessuren, und es wird deutlich, dass sich die Englische Literaturwissenschaft an der TU Dresden nicht auf einen einmal etablierten Text­kanon beschränkt, sondern sich auch mit der Interaktion und wechselseitigen Ver­änderung von Gesellschaft, Kultur und Textproduktion befasst. Die enge Zusammenarbeit von Literatur-, Kultur- und Sprachwissenschaften an der Fakultät SLK der TU Dresden zeigt sich auch darin, dass sich die Englische Literaturwissenschaft maßgeblich an verschiedenen Forschungsschwerpunkten und -projekten der Fakultät wie auch des Bereichs GSW be­tei­ligt.

Gerade an einer Technischen Universität hat die Englische Literaturwissenschaft auch eine "tech­nische", d.h. den Medienwissenschaften zugewandte Seite. Einerseits hat die Litera­tur­wissenschaft linguistische Wurzeln, beschäftigt sie sich doch mit einer künstlerisch poten­zierten Form des Mediums Sprache und schließt sich über den Schriftbegriff neben der Frage nach einem Vergleich verschiedener "Aufschreibesysteme" bzw. Funktionsweisen von Schrift auch die Diskussion um Phono- und Logozentrismus an; andererseits rücken auch die Materialität der Kommunikation bzw. des Medialen sowie der Einfluss der verschiedenen Medien auf das menschliche Verhalten ins Zentrum des Interesses. Dies führt zu vielseitigen Fra­gestellungen: Wie beeinflussen die neuen Medien die menschliche Wahrnehmung und Kon­zeption von Welt? Wie werden sie in der Literatur inhaltlich verarbeitet? Wie verändert sich die Literatur selbst unter neuen medialen Bedingungen sowie technologischen Mög­lich­keiten und Zwängen? Wie funktioniert Literatur als kulturelles Gedächtnis, als Wissens-, Er­fah­rungs- und Erinnerungsspeicher, und wie funktioniert Literatur als Analyseinstrument bzw. in­wiefern kann von einem ihr eigenen savoir littéraire gesprochen werden? Die von den Mit­arbeitern der Professur für Englische Literaturwissenschaft angebotene Lehre zielt einerseits auf ein Grundverständnis dieser neuen technologischen Möglichkeiten ab, andererseits geht sie über die Frage nach der Interaktion von Literatur, Film, Video und Internet den spezifischen Realitäten dieser neuen Medien nach.

III Forschung und internationale Vernetzung

Selbstverständlich findet eine enge Rückkopplung von Forschung und Lehre statt, so dass die an der Professur für Englische Literaturwissenschaft angesiedelten Forschungsprojekte und internationalen Konferenzen direkt in die angebotenen Seminare und Vorlesungen einfließen, Studierende regelmäßig an internationalen Workshops teilnehmen und von den von der Professur organisierten Austauschprogrammen (u.a. mit der Ohio State University und der Kent State University) oder von den engen Verbindungen (u.a. mit der Purdue University Calumet und der Universität Wrocław) profitieren. Zudem halten sich regelmäßig Gastwissenschaftler an der Professur auf, bspw. im Rahmen von fellowships der Alexander von Humboldt-Stiftung, der senior fellowships der TU Dresden oder des ERASMUS- bzw. ERASMUS MUNDUS-Programms. 

Neben zahlreichen z.Zt. laufenden Dissertations- und Habilitationsprojekten werden an der Professur zudem diverse Forschungsprojekte durchgeführt.

Aktuelle Projekte der Professur befassen sich u.a. mit Transgender und Intersex, der interdisziplinär komparatistischen Männlichkeitsforschung, mit borderlands/edgelands sowie mit Gemeinschaft(sbildung).

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Letzte Änderung: 03.08.2017