08.02.2019

„No risk, no fun“: Risikobereitschaft bei Jugendlichen ist ansteckend

Jugendlicher sitzt auf einer Treppe mit Handy in der Hand. © pixabay.com Jugendlicher sitzt auf einer Treppe mit Handy in der Hand. © pixabay.com
Jugendlicher sitzt auf einer Treppe mit Handy in der Hand.

© pixabay.com

Ein internationales Forscherteam konnte im Rahmen einer Studie des Sonderforschungsbereichs 940 an der TU Dresden zeigen, dass risikoreiches Verhalten unter Jugendlichen ansteckend ist. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in dem renommierten amerikanischen Journal of Experimental Psychology: General veröffentlicht.

Geahnt haben wir es schon lange, aber nun ist es sicher: Im Jugendalter spielen soziale Einflüsse - vor allem unter Gleichaltrigen - eine entscheidende Rolle bei der Entscheidungsfindung. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 940 „Volition und kognitive Kontrolle: Mechanismen, Modulatoren, Dysfunktionen“ hat sich ein Expertenteam um Dr. Andrea Reiter mit dem Risikoverhalten männlicher Jugendlicher beschäftigt. Mittels Entscheidungsdatenauswertung und computergestützter Modellierung konnte gezeigt werden, dass männliche Jugendliche eine größere Risikobereitschaft zeigen, wenn sie Gleichaltrige bei Risikoverhalten beobachten, als wenn sie Erwachsene bei dem gleichen Verhalten beobachten. Die Wissenschaftler bezeichnen dies als „risk contagion effect“, also Risiko-Ansteckungseffekt. Übertragen in des echte Leben könnte man beispielsweise vermuten: Beobachten heranwachsende Jugendliche Erwachsene beim Biertrinken, beeinflusst sie das weniger, als wenn sie Gleichaltrige beim Trinken sehen. Hier ist die „Ansteckungsgefahr“ höher, dass die Beobachter das Verhalten nachahmen. Dieser Effekt konnte bisher ausschließlich für risikoreiches Handeln gezeigt werden und wurde vor allem bei Jugendlichen, die im echten Leben mehr Sozialkontakte und weniger sozial ängstlich waren, beobachtet.

Anders als bisher angenommen, zeigt die aktuelle Studie, dass die Nachahmung von risikoreichen Verhaltensweisen im Jugendalter ein sozial-motivierter, bewusster Vorgang ist.

Für Dr. Andrea Reiter bedeuten diese Funde Fluch und Segen zugleich: Zum einen könnte man sich den hohen Wert sozialer Interaktionen und die damit verbundenen Ansteckungeffekte mit Gleichaltrigen nutzbar machen, zum Beispiel, in dem in der Schule mehr in Co-teaching unter Peers investiert wird. Zum anderen könnte die Studie auf mögliche Gefahren solcher Ansteckungseffekte, zum Beispiel auch durch das Influencertum in den sozialen Medien, hinweisen.

Originalveröffentlichung

Reiter, A. M. F., Suzuki, S., O'Doherty, J. P., Li, S.-C., & Eppinger, B. (2019). Risk contagion by peers affects learning and decision-making in adolescents. Journal of Experimental Psychology: General. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/xge0000512

Über den Sonderforschungsbereich 940:

Der Sonderforschungsbereich 940 „Volition und kognitive Kontrolle: Mechanismen, Modulatoren, Dysfunktionen“ wurde 2012 an der TU Dresden eingerichtet. Ihm wurde zum Ziel gesetzt, die kognitiven und neuronalen Mechanismen zu entschlüsseln, die der Fähigkeit zur willentlichen Kontrolle der eigenen Handlungen und Gefühle zugrunde liegen und zu verstehen, wie es zu Beeinträchtigungen der Selbststeuerungsfähigkeit kommt. Unter der Leitung von Prof. Thomas Goschke widmet sich ein interdisziplinäres Forscherteam aus Psychologen, Medizinern und Neurowissenschaftlern der TUD mit Kooperationspartnern der Charité Berlin sowohl der Grundlagenforschung als auch praktischen Anwendungsfeldern. Aktuell befindet sich der SFB 940 in seiner zweiten vierjährigen Förderperiode, wofür die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Jahr 2016 ein Fördervolumen von über 10 Millionen Euro bewilligte.

Kontakt für Journalisten:
Dr. Andrea Reiter
SFB 940, TU Dresden
Email: andrea.reiter@tu-dresden.de

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Nicole Gierig
Letzte Änderung: 08.02.2019