Nobelpreisträger zu Gast an der TU Dresden
Inhaltsverzeichnis
Nobelpreisträger zu Gast an der TU Dresden 2026
12. Mai 2026: Duncan Haldane
Nobelpreis für Physik 2016 "für Forschungen zur Theorie verschiedener topologischer Phasen der Materie"
Öffentlicher Vortrag: Quantum Entanglement, Topological quantum states, and the “Second Quantum Revolution” (Vortrag auf Englisch)
Dienstag, 12. Mai 2026, 19 Uhr
Audimax, TU Dresden (der Eintritt ist frei)
Duncan Haldane, geboren am 14. September 1951 in London, ist ein britischer Physiker, der für seine Arbeiten in der theoretischen Festkörperphysik bekannt ist. Er studierte an der Universität Cambridge, wo er 1973 seinen Bachelorabschluss erwarb und 1978 promovierte. Von 1977 bis 1981 arbeitete er am Institut Laue-Langevin, anschließend war er von 1981 bis 1985 Assistant Professor an der University of Southern California. Danach verbrachte er zwei Jahre bei den Bell Laboratories, bevor er 1987 eine Professur an der University of California, San Diego, übernahm. 1990 wechselte er an die Princeton University, wo er die Eugene Higgins Professur für Physik innehat. Im Jahr 2016 wurde Haldane gemeinsam mit David J. Thouless und J. Michael Kosterlitz mit dem Nobelpreis für Physik für ihre theoretischen Entdeckungen zu topologischen Phasen der Materie ausgezeichnet.
Quantenverschränkung, topologische Quantenzustände und die „zweite Quantenrevolution“
Die moderne Quantenmechanik ist 100 Jahre alt, sorgt aber nach wie vor für Überraschungen. Während das Heisenbergsche Unschärfeprinzip im Mittelpunkt der „ersten Quantenrevolution“ stand, hat sich in den letzten Jahren die seltsame Eigenschaft der Quantenverschränkung als das zentrale Merkmal der Quantenmechanik herausgestellt und bildet den Kern der jüngsten Versuche, neue Quantentechnologien für die Informationsverarbeitung und hochpräzise Sensoren zu entwickeln – was manche als „zweite Quantenrevolution“ bezeichnen. Zu den Überraschungen zählen „topologische Quantenzustände der Materie“, die eine „topologisch geschützte“ Verarbeitung von Quanteninformationen ermöglichen könnten, die als Verschränkungsmuster gespeichert sind.
17. Juni 2026: Georg Bednorz
Nobelpreis für Physik 1987 für die Entdeckung von Hochtemperatursupraleitern
Öffentlicher Vortrag: Supraleitung – vom Phänomen zur Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts (Vortrag auf Deutsch)
Mittwoch, 17. Juni 2026, 19 Uhr
Audimax, TU Dresden (der Eintritt ist frei)
Georg Bednorz, geboren 1950, begann 1968 ein Studium der Chemie an der Universität Münster, wechselte jedoch bald zur Mineralogie und spezialisierte sich auf Kristallographie, insbesondere auf Perowskit-Verbindungen. Bereits während seines Studiums arbeitete er mehrfach am IBM Zurich Research Laboratory, wo er später auch promovierte (1977–1982) und anschließend als Wissenschaftler tätig wurde. Ab 1983 forschte er gemeinsam mit Karl Alexander Müller an Hochtemperatur-Supraleitung in keramischen Kupferoxiden – ein damals unkonventioneller Ansatz. 1986 gelang ihnen der Durchbruch mit dem Nachweis von Supraleitung bei einer vergleichsweise hohen Temperatur von 35 Kelvin. Für diese wegweisende Entdeckung wurden Bednorz und Müller bereits 1987 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Dies war der kürzeste zeitliche Abstand zwischen einer Entdeckung und der Verleihung eines Nobelpreises.
Supraleitung – vom Phänomen zur Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts
Bald nach der Entdeckung der Supraleitung vor einem Jahrhundert wurden ehrgeizige Pläne für großtechnische Anwendungen entwickelt. Niedrige Übergangstemperaturen, geringe kritische Ströme und eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern erwiesen sich jedoch als unüberwindbare Hindernisse. So blieb die Supraleitung jahrzehntelang eine wissenschaftliche Kuriosität, bis Ende der 1970er Jahre neue intermetallische Supraleiter die Möglichkeit eröffneten, leistungsstarke Magnete für die Festkörperforschung und medizinische Instrumente zu entwickeln. Doch selbst nach jahrzehntelanger Suche nach Materialien mit höheren kritischen Temperaturen blieb die Supraleitung ein Niedertemperaturphänomen. Ein Paradigmenwechsel in der Forschungsstrategie für neue Materialien, bei dem Oxide anstelle von Metallen verwendet wurden, führte zur Entdeckung der Hochtemperatur-Supraleitung in einer neuen Materialklasse und verlieh dem Forschungsgebiet neue Impulse. Nach der Entdeckung führte jahrzehntelange Forschung zur Entwicklung der neuen Supraleiter zu Hochleistungsmaterialien, die heute die Grundlage einer Supraleiterindustrie bilden. Mit ihren überzeugenden Vorteilen bei der Erzeugung, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie sowie bei effizienten industriellen Prozessen hat die Supraleitertechnologie das Potenzial, den gesamten Energiesektor zu prägen. Hier kann sie einen wesentlichen Beitrag zum Übergang zu einer vollelektrischen Gesellschaft leisten, um die mit dem Klimawandel verbundenen Umweltprobleme zu bekämpfen.
Nobelpreisträger zu Gast an der TU Dresden 2025
Venkatraman (Venki) Ramakrishnan
Nobelpreis für Chemie 2009 „für die Studien zur Struktur und Funktion des Ribosoms“
Öffentlicher Vortrag: Why We Die: The New Science of Aging and the Quest for Immortality (Vortrag auf Englisch)
Dienstag, 21. Oktober 2025, 19 Uhr
Audimax, TU Dresden
Über Venki Ramakrishnan:
Venki Ramakrishnan bekam 1971 seinen Bachelor-Abschluss in Physik an der Baroda University in Indien und promovierte 1976 in Physik an der Ohio University. Anschließend studierte er zwei Jahre lang Biologie an der University of California in San Diego, bevor er seine Postdoc-Arbeit bei Peter Moore an der Yale University begann. Nach einer langen Karriere in den USA am Brookhaven National Laboratory und an der University of Utah zog er 1999 nach England, wo er als Gruppenleiter am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge tätig ist. Er erhielt 2009 den Nobelpreis für Chemie und war von 2015 bis 2020 Präsident der Royal Society.
Im Jahr 2000 bestimmte Ramakrishnans Labor die atomare Struktur der 30S-Ribosomenuntereinheit und deren Komplexe mit damit verbundenen Liganden und Antibiotika. Diese Arbeit führte zu Erkenntnissen darüber, wie das Ribosom den genetischen Code „liest“, sowie über die Funktion von Antibiotika. Ramakrishnans Labor analysierte im Anschluss daran hochauflösende Strukturen funktioneller Komplexe des gesamten Ribosoms in verschiedenen Phasen entlang des Translationsweges, was zu Erkenntnissen über seine Rolle bei der Proteinsynthese während der Decodierung, Peptidylübertragung, Translokation und Termination führte. In den letzten zehn Jahren hat sein Labor Kryoelektronenmikroskopie eingesetzt, um die eukaryotische und mitochondriale Translation zu untersuchen, insbesondere die Initiierung der Translation und die Translationsregulation.
Ramakrishnan ist Autor zweier populärer Bücher, "Gene Machine" (2018), einer sehr ehrlichen populären Autobiografie über den Wettlauf um die Struktur des Ribosoms, und zuletzt "Why We Die: The New Science of Aging and the Quest for Immortality" (2024).
Öffentlicher Vortrag: Why We Die: The New Science of Aging and the Quest for Immortality
Das Wissen um das Altern und den Tod hat die menschliche Kultur, einschließlich unserer Religionen, seit wir uns unserer Sterblichkeit bewusst geworden sind, geprägt. Lange Zeit konnten wir nicht viel dagegen tun, aber in den letzten Jahrzehnten hat die Biologie große Fortschritte beim Verständnis der Ursachen des Alterns gemacht und damit erstmals die Möglichkeit eröffnet, in diesen Prozess einzugreifen. Gleichzeitig bedeutet die Kombination aus längerer Lebenserwartung und sinkenden Geburtenraten, dass viele Gesellschaften mit einer alternden Bevölkerung konfrontiert sind. Dies hat zu umfangreichen Investitionen in die Alterungsforschung durch Regierungen und die Privatwirtschaft geführt, die größtenteils von Tech-Milliardären finanziert werden, und sowohl zu echten Fortschritten als auch zu einem großen Hype geführt. In diesem Vortrag werde ich einige der wichtigsten Erkenntnisse darüber diskutieren, warum und wie wir altern und sterben, sowie die Aussichten für die Zukunft. Außerdem werde ich kurz auf die möglichen Folgen einer Gesellschaft mit extrem langlebigen Bevölkerungsgruppen eingehen.
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