Das Institut stellt sich vor
Massivbau wird seit über 100 Jahren an der TU Dresden gelehrt. Zum Institut gehören heute vier Professuren. Das Thema in Lehre und Forschung ist bewehrter Beton in allen seinen Facetten in Experiment und Simulation. Zahlreiche Praxispartner bereichern das Angebot in der Lehre. Gemeinsam überführen wir Forschungsergebnisse in reale Bauprojekte.
© Stefan Gröschel
Veränderung
Das Leben ist Veränderung. Wenngleich es der Wunsch vieler Menschen ist, dass sich möglichst wenig verändern möge, so können wir an uns selber die stete Veränderung am besten spüren: wir werden älter. Und daran kann man ablesen, dass Veränderungen positiv sein können – wir werden erfahrener, haben einen größeren Überblick, können schneller erkennen, etc. – , dass sie aber auch negative Begleiterscheinungen haben können, wie wir insbesondere an der Gesundheit feststellen können. Es ist an uns dafür so sorgen, dass das Positive überwiegt.
Bevor es zu persönlich wird, sei der Bogen ins Bauen geschlagen. Wenngleich das Bauen in den letzten 30 Jahren nur minimale Effizienzsteigerungen erfahren hat, so hat sich aber doch unser Bewusstsein verändert.
Schauen wir uns die großen Themen der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts an: Nach der Wiedervereinigung bestand ein unglaublicher Bedarf an Bauleistungen: der Wohnungsbau erklomm ungeahnte Größenordnungen hinsichtlich Menge und Geschwindigkeit (was steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten so alles bewirken …) und in der Infrastruktur bestimmten 17 Großprojekte im Rahmen der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ das Bild.
Die Themen kommen dem heutigen Leser bekannt vor. Doch diesmal sind es im Wohnungsbau vor allem das Fehlen von Wohnraum und dem beinahe verzweifelten Versuch, Wege zu finden, diesem Mangel in möglichst kurzer Zeit abzuhelfen. Im Bereich der Infrastruktur beschäftigen uns vor allem der Zustand einer immens großen Anzahl von Brücken und das ebenfalls händeringende Ansinnen, diesen auch Menschenleben gefährdenden Zustand zu beenden.
Dass sich angesichts dieser völlig veränderten Situation auch unsere Herangehensweise verändert, wird unmittelbar einsichtig. Eines ist klar: „Wir sollten nicht erwarten, dass sich Dinge ändern, wenn wir immer dasselbe tun“ (Albert Einstein). Genau mit dieser Motivation begann die Arbeit unseres Instituts vor 30 Jahren.
Darüber hinaus wurde es immer deutlicher, in welch hohen Maß das Bauwesen zum Klimawandel beträgt, so dass zu den oben genannten Aufgaben hinzukommt, dass wir in Zukunft klimaneutral und ressourceneffizient bauen müssen. Da wir aber all diese Herausforderungen nicht mit den vorhandenen Materialien und Methoden bewältigen können (siehe Zitat oben), müssen wir die Forschung in neue Ideen und Wege extrem intensivieren.
So wurde zum Beispiel aus der Forschung in einem Nischenbereich mit Textilbeton ein für die Praxis breit anwendbarer Carbonbeton mit CO2-Einsparungen über 75 %. Oder so wurde aus dem umfangreichen Wissen im Labor im Mess- und Versuchswesen eine anwendungsreife und die Sicherheit steigernde Monitoringtechnik entwickelt. Und aus erkenntnisgetriebener Grundlagenforschung – oder mit anderen Worten: aus purer Neugier – im Bereich des Impakts entstand ein Wissen um das Verhalten von Beton unter hohen Belastungsgeschwindigkeiten, das geeignet ist, um für die wachsenden Aufgaben im Bereich des Zivilschutzes wertvolle Beiträge zu liefern.
Auch in Zukunft wird das Institut für Massivbau an neuen, teilweise völlig neuen Lösungen im Betonbau arbeiten, wobei unser Dank all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gebührt, die mit ihren Ideen, ihrer Kreativität, ihrem Engagement und ihrer fachlichen Kompetenz wesentlich zum Erfolg unserer Arbeit am Institut beitragen.
Auch weiterhin werden wir mit allen Akteuren der Baubranche und der Politik zusammenarbeiten, denn nur gemeinsam schaffen wir auch die Umsetzung aller Ideen in die Praxis. Alles mit dem Ziel, alle Herausforderungen gleichzeitig zu meistern: Klimaneutralität, Ressourceneffizienz, Ästhetik, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit.
Dies wird auch in Zukunft nur durch stetigen Wandel erfolgen: Wandel im Denken, Wandel in den Ideen, Wandel in der Umsetzung, Wandel der handelnden Personen. So sei zum Abschluss alles durch ein Gedicht von Goethe mit dem Titel Eins und Alles[1] zusammengefasst:
Es soll sich regen, schaffend handeln,
Erst sich gestalten, dann verwandeln;
Nur scheinbar stehts Momente still.
Das Ewige regt sich fort in allen:
Denn alles muß in Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.
Bleiben Sie uns gewogen!
Manfred Curbach, Steffen Marx, Birgit Beckmann und Yvonne Ciupack
[1] Johann Wolfgang von Goethe: Sämtliche Werke in 18 Bänden, Band 1: Sämtliche Gedichte. Artemis, Zürich 1950, S. 514